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Umwelt sei Dank: Stockholm steigt im Global Cities Index


Tom Walker

Tom Walker

Co-Head of Global Listed Real Estate

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Stockholm ist die erste Stadt in Skandinavien, die einen der ersten 30 Plätze des Schroders Global Cities Index für sich beansprucht. Dies ist auf die robuste Wirtschaft der Stadt und die Selbstverpflichtung zurückzuführen, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern.

Der Index bezieht erstmals in diesem Jahr einen Environmental Impact Score (EIS) ein, mit dem sich quantifizieren lässt, welche Städte die geringsten Risiken für die Umwelt aufweisen. Der EIS ergänzt den Economic Impact Score (EcIS) und den University Impact Score (UIS).

Der Index wurde vor fünf Jahren vom Global Cities Team von Schroders entwickelt und zeigt die wirtschaftlich stärksten Städte für globale Sachwertanlagen auf.

Während Los Angeles und London die beiden ersten Indexplätze beibehalten konnten, sind einige chinesische Städte aufgrund der geänderten Methodik und ökologischer Bedenken, einschließlich schlechter Luft- und Wasserqualität, auf der Rangliste abgerutscht. 

Stockholm strebt positive Kohlenstoffbilanz an

Die schwedische Hauptstadt setzt sich schon seit Langem für eine Verringerung ihres ökologischen Fußabdrucks ein und konnte so die Kohlendioxidemissionen pro Einwohner seit 1990 um 25 % senken. Im November vergangenen Jahres wurde die Stadt auf dem Smart City Expo World Congress für ihr GrowSmarter-Projekt, das als öffentlich-private Partnerschaft die Förderung umweltfreundlicher Lösungen in Bereichen wie Energie, Infrastruktur und Mobilität anstrebt, als Smart City des Jahres 2019 ausgezeichnet.

Die Stadt wurde gelobt für ihre „Innovation, Offenheit und Konnektivität“ sowie für ihre Bemühungen, die Lebensbedingungen ihrer Bürger zu verbessern. Stockholm hat sich außerdem eine Reihe ambitionierter Klimaziele gesetzt. Eines dieser Ziele besteht darin, bis 2040 die weltweit erste klimapositive Stadt zu werden – und das, obwohl Stockholm eine der wachstumsstärksten Hauptstädte Europas ist.

Förderung umweltfreundlicher Initiativen

Ganze Wohnblöcke werden in Stockholm saniert, um ihre Belastung für die Umwelt zu reduzieren. Für eine reinere Luft fördert die Stadt außerdem den Einsatz von Elektroautos und Bike-Sharing-Systemen. Ein innovatives neues Abfallentsorgungssystem schließlich verwendet unterirdische Hochdruckschläuche, um den Abfall zu einer zentralen Sammelstelle zu transportieren. So gibt es weniger Müllfahrzeuge auf den Straßen. 

Das hochtechnologische System kann die Menge an Abfall messen, die jeder Haushalt verursacht, und den Bewohnern darüber sofortige Rückmeldung per Mobiltelefon geben. In Zukunft könnte anhand dieser Daten die individuelle Gebührenhöhe für jeden Haushalt berechnet und damit den Bewohnern ein starker Anreiz gegeben werden, weniger Müll zu produzieren.

Abwärmenutzung aus Rechenzentren für die Wohnungsbeheizung

Stockholm unternimmt auch Versuche, Wohn- und Büroräume mit „Energieabfall“ zu beheizen, wie ihn beispielsweise die vielen Rechenzentren der Stadt in Form von Abwärme produzieren. Ermöglicht wird dies durch eine Wärmepumpanlage, die im Rahmen des GrowSmarter-Projekts finanziert wird. Die Initiative, die auch die Abwärme aus Supermärkten und Krematorien nutzt, wurde 2019 vom Fernwärmenetz der Stadt für die Beheizung von 30.000 Wohnungen in Anspruch genommen.

Stockholm als Vorreiter bei der Entwicklung einer nachhaltigen Städtepolitik

Städte sind für mehr als 70 % der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Wie sie auf die Anforderungen der rasanten globalen Urbanisierung sowie auf ökologische und soziale Belange reagieren, ist für Politiker, Bewohner und Anleger Herausforderung und Chance zugleich.

Der Schroders Global Cities Index klassifiziert mehr als 900 Städte weltweit. Bezogen auf den Aspekt Umweltschutz weist Stockholm einen der höchsten Werte in dieser Datenbank auf. Dies ist sowohl auf konsequente politische Maßnahmen als auch auf Zufall zurückzuführen. 

Der EIS analysiert eine Stadt aus drei Blinkwinkeln: Erstens, welches „physische“ Risiko geht von Erdbeben, Erdrutschen etc. für ein Gebäude aus? Zweitens, wie stark könnte das „Wohlbefinden“ der Menschen durch Luft- oder Wasserverschmutzung beeinträchtigt werden? Und drittens, wie lautet die „politische“ Reaktion der Landes- oder Stadtregierung? 

Stockholm ist in der glücklichen Lage, dass hier die Wahrscheinlichkeit für physische Risiken oder Risiken des Wohlbefindens eher gering ist.  Zudem wird sich aus den verschiedenen nationalen Zielen, die sich die schwedische Regierung gesetzt hat, auch ein hoher Wert in puncto Politik ergeben.

 


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.

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