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Wie wirkt sich die globale Disruption auf Small-Cap-Aktien aus?

Anleger setzen verstärkt auf kleinere Unternehmen. Ihr Kalkül: Sie sind besser in der Lage, das wachsende Thema der Disruption zu bewältigen.

24.10.2019

Kristjan Mee

Kristjan Mee

Strategie, Research und Analyse

Matthew Dobbs

Matthew Dobbs

Fund Manager, Asian Equities & Head of Global Small Cap

Aktien mit geringer Kapitalisierung bzw. Small Caps bieten potenziell höhere Renditen als größere Unternehmen – das jedoch nicht ohne Risiko. Wie bei allen Aktien erhalten Anleger den ursprünglich investierten Betrag unter Umständen nicht zurück.

Für Anleger ist der Sektor nicht nur wegen der potenziell höheren Renditen interessant. Auch das zunehmend disruptive Umfeld, in dem wir uns befinden, können kleinere Unternehmen besser bewältigen.

Größere, ältere und schwerfälligere Unternehmen sind nicht immer optimal aufgestellt, um sich an rasante Veränderungen anzupassen. Small Caps sind hingegen flexibler und oft sogar die treibende Kraft hinter einer Disruption. Dadurch profitieren sie von einem neuen Trend und fallen ihm nicht zum Opfer.

Kleine Unternehmen, die in relativ großen und reifen Märkten tätig sind, haben zudem das Potenzial, von einer niedrigen Umsatz- und Gewinnbasis aus überproportional zu wachsen. Häufig können Anleger sogar nur durch die Investition in kleine Unternehmen Zugang zu einer neuen Technologie oder einem neuen Markt erlangen.

Die disruptive Kraft von Small Caps

Die Welt ändert sich rasant. Alte Industriezweige stehen unter erheblichem Druck, da in beispielloser Geschwindigkeit Innovationen entwickelt und technologische Fortschritte erzielt werden. Neue Wettbewerber mit einer überlegenen Technologie können etablierte Unternehmen, die einen Sektor jahrzehntelang dominierten, schnell verdrängen. Das unaufhaltsame Wachstum des Online-Einzelhändlers Amazon und der Niedergang US-amerikanischer Einkaufszentren sind deutliche Belege für diesen Trend.

Small-Cap-Unternehmen sind zwar nicht immun gegenüber dieser Entwicklung, können jedoch von der Disruption profitieren. Sie sind nicht so stark durch mehrere Führungsebenen eingeschränkt und es besteht weniger die Befürchtung, Umsatzvolumina oder Marktanteile durch die Einführung neuer Produkte zu verlieren – ein großes Problem für etablierte Konzerne.

Die folgenden Beispiele verdeutlichen, wie kleinere Unternehmen ihre Größe nutzten, um sich an disruptive Marktkräfte anzupassen.

Anpassung an Änderung der Nachfrage – Musashi Seimitsu

Der japanische Autoteilehersteller Musashi Seimitsu zeigt, warum es entscheidend ist, flexibel auf eine Änderung der Nachfrage zu reagieren, wenn man mit Disruption konfrontiert ist.

Das Unternehmen erneuerte sein Produktangebot, indem es Teile zur Verwendung in Elektromotoren entwickelte. Zuvor hatte das Unternehmen erkannt, dass die steigende Beliebtheit von Elektrofahrzeugen dazu führen könnte, dass die Nachfrage nach seinen Getriebe- und Motorprodukten sinkt (da Elektrofahrzeuge weniger Teile erfordern als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor).

Sobald Elektrofahrzeuge eine größere Rolle spielen, sollte das Unternehmen nun in der Lage sein, schnell auf die sich ändernde Nachfrage zu reagieren und die Produktion von Teilen für Elektrofahrzeuge hochzufahren.

Flexibler Stromerzeuger – Albioma

Der unabhängige französische Lieferant erneuerbarer Energien Albioma ist in französischen Überseegebieten und einigen Entwicklungsländern tätig. Er hat einen langfristigen Liefervertrag mit EDF (dem staatlichen Stromversorger Frankreichs) über die Stromversorgung einiger dieser Gebiete.

Albiomas Kraftwerke können mit verschiedenen Kraftstoffen betrieben werden. Dies könnte dem Unternehmen gute Dienste leisten, da Präsident Macron angekündigt hat, dass Frankreich ab 2022 keine Kohle mehr zur Stromerzeugung einsetzen wird und stattdessen verstärkt auf Biomasse (organisches Material, das als Kraftstoff verwendet wird) setzen möchte.

Dank der Flexibilität seiner Kraftwerke wird das Unternehmen für den Wechsel der Energiequelle nicht so hohe Investitionsausgaben tätigen müssen wie große Stromversorger, die ihre Kohlekraftwerke umbauen müssen.

Neuerfindung als Unterstützer von Disruption – Chroma

Während des Goldrauschs im Kalifornien des 19. Jahrhunderts machten die Verkäufer von Hacken und Schaufeln ein Vermögen, nicht die Goldgräber. Genauso können sich Unternehmen heute auf die Unterstützung von Disruption konzentrieren statt auf die Herstellung disruptiver Produkte.

Der taiwanesische Hersteller von elektronischen Test- und Messgeräten Chroma ATE stellte früher Testgeräte für herkömmliche Leistungselektronik her. Angesichts der Entwicklung neuer Technologien hat sich das Unternehmen jedoch von Grund auf neu aufgestellt.

In den vergangenen zehn Jahren hat es begonnen, Testgeräte für Unternehmen zu fertigen, die drahtlose Lösungen, LED-Beleuchtung und Halbleiter anbieten. Zum wichtigsten Wachstumstreiber des Unternehmens haben sich während der vergangenen drei Jahre  Elektrofahrzeuge entwickelt. Chroma ATE verkauft heute Testgeräte an die weltweit größten Hersteller von Batterien für Elektrofahrzeuge.

Darüber hinaus unterstützt es Technologien für die Gesichtserkennung auf Smartphones, indem es Testgeräte an Unternehmen in den Lieferketten von Apple und Android verkauft.

Streuung der Risiken

Der Small-Cap-Sektor ist zwar groß und vielfältig, kleinere Unternehmen weisen jedoch auf Einzeltitelebene mehr spezifische Risiken auf. Die Abhängigkeit von einem einzelnen Produkt oder Markt, die kleine Anzahl von Führungskräften in Schlüsselpositionen, die stärkere Präsenz in zyklischen Sektoren und die für gewöhnlich begrenzten Finanzierungsoptionen zählen zu den wichtigsten Risiken kleiner Unternehmen.

Diese titelspezifischen Risiken können durch Diversifikation und tiefgehende Analysen der Stärken, Risiken und Schwachstellen von Unternehmen reduziert werden.

 


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