Ausblick 2018: Nachhaltigkeit

Es ist kaum noch möglich, Unternehmen zu prüfen ohne eine Betrachtung von sozialen und ökologischen Aspekten. Diese Komponenten sind entscheidend für die zukünftige Marktposition der Unternehmen.

8 Dezember 2017

Jessica Ground

Jessica Ground

Global Head of Stewardship - ESG

Die globalen Aktienmärkte und Unternehmensgewinne erreichten 2017 neue Höchststände. Unter dieser scheinbar ruhigen Oberfläche brodeln jedoch Spannungen in der Realwirtschaft, die ebenfalls Rekordniveaus erreichen und darauf hindeuten, dass wir in den kommenden Jahren mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert werden. Zum Beispiel:

  • Die weltweite Durchschnittstemperatur hat einen neuen Höchststand erreicht und Hurrikan Irma war der stärkste Sturm, der je über dem Atlantik tobte1.
  • In den Industrienationen stagnierten die durchschnittlichen Reallöhne erneut, während Forbes den höchsten Anstieg an Milliardären meldete, der jemals verzeichnet wurde2.
  • Das Vertrauen in die Regierung erreichte einen neuen Tiefstand3. Und auf Unternehmensebene beklagen mehr CEOs einen wachsenden Vertrauensverlust in die Unternehmen4.
  • Diese Herausforderungen sind nicht neu. Wir hätten in den vergangenen Jahren über ähnlich gelagerte Schwierigkeiten berichten können. Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass die Herausforderungen für die Unternehmen größer werden und sich schneller verändern als jemals zuvor. In Anbetracht dieses Umfelds sind die Regeln für Anleger und Unternehmen härter geworden und Erfolge werden großzügiger belohnt.

Die zunehmende Spaltung zwischen der Unternehmenswelt und den Gesellschaften, innerhalb derer die Unternehmen tätig sind, hat in vielen Bereichen neue Herausforderungen geschaffen. 

Kosten der „gesellschaftlichen Betriebserlaubnis“ hoch und steigend ...

Der Erfolg von Angela Merkel bei den deutschen Bundestagswahlen 2017 war in Anbetracht der zahlreichen Aufreger durch unkonventionelle Politiker eine willkommene Verschnaufpause. Es hat jedoch den Anschein, dass ein Abzug von der althergebrachten Ordnung stärker denn je verankert ist – und auf einem immer breiteren Fundament steht. Internationale Unternehmen sind ein leichtes Ziel für den wachsenden Widerstand gegen Ungleichheit und Globalisierung sowie für die gesellschaftlichen Spannungen, die die politische Agenda verändern.

Trotz der Anti-Globalisierungsbewegung geht der Trend dahin, dass die in einer Region oder einem Sektor eingeführten politischen Initiativen von anderen übernommen werden. Es scheint neuerdings globaler Konsens zu sein, dass Politiker höhere Standards einführen können, von denen alle profitieren, wenn die Aktivitäten in Bereichen wie Verbraucherschutz, Arbeitsnormen und Governance-Standards aufeinander abgestimmt werden.

Unternehmen müssen auf den größten gemeinsamen Nenner kommen, um ihr Geschäft zukunftssicher zu machen. In den USA gibt es bereits eindeutige Vorschriften für die Offenlegung von Zahlungen an Lobbygruppen, und wir gehen davon aus, dass weltweit stärkere Kontrollen eingeführt werden. Die in Großbritannien verabschiedeten Gesetzesvorschriften gegen moderne Sklaverei sollen für eine stärkere Kontrolle der Lieferketten sorgen, was dringend notwendig ist. Australien ist diesem Beispiel gefolgt, und auch andere Länder prüfen ähnliche Ansätze. Banken wurden dazu gezwungen, strengere Richtlinien für eine verantwortungsvolle Kreditvergabe einzuführen, wobei Kfz-Finanzierungen als nächstes an der Reihe sein dürften.

Der Druck auf die Arbeitswelt ist besonders hoch. Einerseits werden die Unternehmen von den Politikern dazu gedrängt, „anständige“ Arbeitsbedingungen zu schaffen, Kompetenzlücken zu schließen und die Gleichheit der Geschlechter voranzubringen.  Andererseits stehen die mit der Automatisierung einhergehenden Möglichkeiten täglich in den Schlagzeilen. Die Nachzügler unter den Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nur zögerlich durch Kapital ersetzen, könnten zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Es wird entscheidend darauf ankommen, diese gegenläufigen Zwänge unter einen Hut zu bringen.

Während der Investorenaktivismus seit einiger Zeit zunimmt, werden sich diese Zwänge durch die anstehende Überarbeitung des britischen Corporate Governance Code – der Mutter aller globalen Kodizes – in konkreten Verfahrensweisen und Anforderungen materialisieren. Dies ist bereits in den Niederlanden und weniger ausgeprägt auch in Japan der Fall. Unterdessen hat China deutlich gemacht, welche Rolle die Kommunistische Partei bei Entscheidungen spielen sollte. Wir sind an einem Wendepunkt angelangt – und die Aktionäre werden verstärkt mitmachen statt nur zuschauen.  

...und der Klimawandel bleibt nach wie vor im Fokus

Nun ist es offiziell: Die Konzentration der Treibhausgase hat ein Allzeithoch und der globale Temperaturanstieg ein neues Rekordniveau erreicht. Der Ausstieg von US-Präsident Trump aus dem Pariser Klimaschutzabkommen (COP 21) scheint dazu geführt zu haben, dass Unternehmen, Städte und Bundesstaaten in den USA sowie andere Länder nur noch entschlossener sind, Maßnahmen zu ergreifen. 

Unser Climate Progress Dashboard (Hinweis: Diese Seite ist in englischer Sprache) zeigt, dass die konkreten Maßnahmen im Vergleich zu den Ankündigungen der Politiker zu wünschen übrig lassen. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich diese Lücke allmählich schließen wird. In Ländern wie Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Indien wurden 2017 politische Maßnahmen angekündigt, die darauf abzielen, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren schrittweise vom Markt zu nehmen. Herkömmliche Energieunternehmen sind schlecht vorbereitet.

Die mit dem Klimawandel einhergehenden Herausforderungen werden in jedem Winkel der globalen Wirtschaft und des Anlagesektors zu spüren sein. Es wurde bereits vereinbart, dass 25 % der weltweiten CO2-Emissionen mit Kohlenstoffpreisen belegt werden. Der nächste Schritt besteht darin, diese Preise so weit nach oben zu schrauben, dass Geschäftsmodelle und Unternehmensstrategien deutlich davon beeinflusst werden.

Härtere Maßnahmen für den Klimaschutz waren in der Unternehmenswelt bislang ein Luxus. Ein mangelndes Verständnis der Folgen, die mit dem Übergang auf eine kohlenstoffarme Weltwirtschaft einhergehen, wird sich jedoch negativ auf die Geschäftsmodelle auswirken und erscheint zunehmend verantwortungslos. Die „Task Force on Climate-related Financial Disclosures“ (TCFD) unter der Leitung von Mark Carney, dem Gouverneur der Bank of England, macht deutlich, dass an den Finanzmärkten der Bedarf nach mehr und aussagekräftigeren Informationen zur Beurteilung dieser Risiken besteht.

Was dies für Anlagen bedeutet

Eine größere Kontrolle ist nicht allein Sache der Unternehmen. Die Integration von ESG-Aspekten (Umwelt, Soziales und Corporate Governance) wird zu einer immer gängigeren Praxis. So werden die Prinzipien für verantwortliches Investieren (PRI) weltweit übernommen – angefangen beim größten Pensionsfonds bis hin zum kleinsten Unternehmen. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse und Auswirkungen all dieser Aktivitäten kritisch überprüft werden. 

Zu viele Vermögensverwalter haben ESG-Anlagen lediglich als Marketing-Plattform und Möglichkeit zum Verkauf weiterer Produkte betrachtet, statt als Anlagefaktor, der definiert, gemessen und gesteuert werden muss.

Wir sind der Ansicht, dass das eigentliche Ziel bei der Integration von ESG-Faktoren darin besteht, eine bessere Kapitalallokation und bessere Anlageentscheidungen zu ermöglichen.

Fazit

Es besteht eine gewisse Ironie darin, einen 12-Monats-Ausblick für Nachhaltigkeit zu verfassen, da es bei Nachhaltigkeit naturgemäß um eine langfristige Perspektive geht. Es gibt zahlreiche Anzeichen dafür, dass die Herausforderungen und Spannungen im ökologischen und sozialen Bereich weiter zunehmen und sich im Jahr 2018 verstärkt niederschlagen werden. Für uns ist es jedoch relevanter, dass die Lücke zwischen der von der Gesellschaft und der von der Politik ausgeübten Kontrolle geschlossen wird und beide Lager gleichermaßen prüfen, wie der Unternehmenssektor mit diesen Herausforderungen umgeht.

Es ist inzwischen unhaltbar, bei der Prüfung von Unternehmen nicht auch den sozialen und ökologischen Hintergrund zu berücksichtigen, der über deren zukünftige Führungsrolle entscheidet.

Unseres Erachtens werden künftig jene Unternehmen erfolgreich sein, deren Geschäftsleitungen, Vorstände und Anleger realisieren, dass sowohl die Kosten als auch der Wert der sogenannten „gesellschaftlichen Betriebslizenz“ steigen. Diese Gewinner werden ihre Geschäftsmodelle anpassen, um Maßnahmen zu identifizieren, zu erlassen und zu fördern, die ihrem Unternehmen zu echter Nachhaltigkeit verhelfen.

1 https://www.theguardian.com/environment/2017/nov/06/2017-set-to-be-one-of-top-three-hottest-years-on-record and https://www.cnbc.com/2017/09/11/here-are-some-of-the-records-hurricane-irma-set.html

2 Laut dem aktuellen Forbes-Bericht ist die Anzahl der Milliardäre um 13 % gestiegen, während ihr Vermögen um 18 % zugenommen hat: https://hypebeast.com/2017/3/forbes-2017-billionaires-list

3 Beispielsweise die Einschätzung der Regierungsfähigkeit von Demokraten und Republikanern: http://www.people-press.org/2017/05/03/public-trust-in-government-remains-near-historic-lows-as-partisan-attitudes-shift/2-17/

4 58 % der CEOs gaben in einer Umfrage von PWC an, dass sie angesichts des mangelnden Vertrauens in Unternehmen besorgt sind, verglichen mit 37 % im Jahr 2013: http://www.people-press.org/2017/05/03/public-trust-in-government-remains-near-historic-lows-as-partisan-attitudes-shift/2-17/

 

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