Ausblick 2018: Schwellenländeraktien

Wir schätzen die Aussichten für Schwellenländeraktien weiterhin positiv ein, erwarten für 2018 allerdings geringere Renditen.

5 Dezember 2017

Tom Wilson

Tom Wilson

Der MSCI Emerging Markets Equity Index erzielte im bisherigen Jahresverlauf eine Rendite von 35 % in US-Dollar. Der Index profitierte von attraktiven Bewertungen und der relativ mäßigen Positionierung der Anleger nach hohen Mittelabflüssen in den Jahren 2013 bis 2015.

Die Rallye wurde in erster Linie vom Anstieg des Welthandels begünstigt. Hinzu kamen eine synchron verlaufende Erholung des globalen Wachstums und die Abwertung des US-Dollars. Dieses Umfeld sorgte für eine verbesserte Eigenkapitalrendite der Unternehmen (Return on Equity, ROE) sowie für positive Überraschungen bei den Gewinnen. Auch die starke Wertentwicklung von Technologieaktien kamen der diesjährigen Wertentwicklung zugute. 

Unverändert hohe Wachstumserwartungen in den Schwellenländern

Für 2018 gehen wir davon aus, dass die globale Wachstumsrate geringfügig von 3,2 % (2017) auf 3,3 % ansteigen wird. Dies dürfte den Welthandel weiter unterstützen und sich damit positiv auf die Schwellenländer auswirken. Die Wachstumsprognosen für die Schwellenländer insgesamt liegen für 2018 bei 4,9 % und damit mit den Erwartungen für dieses Jahr gleichauf.

China dürfte den Prognosen zufolge 2018 ein solides Wachstum verzeichnen. Allerdings gehen wir davon aus, dass das Wachstum aufgrund von geldpolitischen Restriktionen von 6,8 % im Jahr 2017 auf 6,4 % zurückgehen dürfte. Dies ist das Ergebnis eines als positiv einzuschätzenden Versuchs, sich mit Aufsichtsarbitrage und Risiken des Finanzsystems zu befassen. Wir begrüßten die Tatsache, dass der Fokus beim kürzlich abgehaltenen Parteitag auf der Qualität des Wachstums und strukturellen Risiken lag. Dennoch dürfte sich die Wachstumsverlangsamung Chinas leicht negativ auf den Welthandel auswirken.

In Russland und Brasilien dürfte sich die aktuelle Konjunkturerholung unseres Erachtens fortsetzen. Die Inflationsrate hat in Russland ein Rekordtief erreicht. Das dürfte der Zentralbank ermöglichen, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Dies sollte wiederum den Konsum und die Investitionen beleben.

In Brasilien gibt es Anzeichen dafür, dass die Erholung sich ausweitet. Außerdem haben die niedrigeren Zinsen dazu beigetragen, das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen zu steigern. Die weitere positive Entwicklung könnte davon abhängen, ob die gesetzlichen Regelungen zur Rentenreform in der Lage sind, finanzpolitische Stabilität glaubhaft voranzutreiben. Daher dürfte die Politik auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen, insbesondere vor dem Hintergrund der für Oktober 2018 geplanten Präsidentschaftswahl.

Das starke Wachstum in den mitteleuropäischen Schwellenländern Polen, Ungarn und Tschechische Republik dürfte sich fortsetzen. Auch die Erholung, die im Euroland spürbar ist, dürfte sich günstig auswirken. Der Rückgang ungenutzter Kapazitäten lässt den Inflationsdruck wieder aufflammen, und wir bewegen uns auf eine Frühphase einer strafferen Geldpolitik zu, die die Rentabilität der Banken unterstützen dürfte.

In Indien dürften in den nächsten zwei Jahren Maßnahmen für eine Bankenrekapitalisierung das Wachstum unterstützen und eine verbesserte Kreditvergabe ermöglichen. Auch finanzpolitische Unterstützungsmaßnahmen dürften sich vor den Wahlen 2019 als förderlich für das Wachstum erweisen.

Die Bewertungen sind nicht mehr günstig, doch die Renditen legen weiter zu 

Nachdem die Renditen an einem Tiefpunkt angelangt waren, erholt sich die Eigenkapitalrendite allmählich. Dies wird von den besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterstützt und von Investitionen zur Stärkung der operativen Effizienz. Wir konnten auch eine Wende in den Kreditzyklen einiger Schwellenländer ausmachen, die normalerweise immer über einige Jahre andauern.

Schwellenländertitel ohne Finanzwerte: Eigenkapitalrendite abzüglich Eigenkapitalkostensatz gegenüber Kursentwicklung

Quelle: Schroders, 31. Oktober 2017. ROE steht für Return on Equity (Eigenkapitalrendite) und COE für Cost of Equity (Eigenkapitalkostensatz).

Unseres Erachtens sind die Aussichten für einen Bewertungsanstieg in den nächsten zwölf Monaten begrenzt. Die Kurs-Buchwert- und Kurs-Gewinn-Verhältnisse liegen heute leicht über ihren langfristigen Durchschnittswerten, sodass der Markt von einer weiteren Erholung der Renditen und einem Wachstum des Gewinns je Aktie (Earnings per Share, EPS) ausgeht. Für die nächsten zwölf Monate erwarten wir ein EPS-Wachstum von 10 % bis 15 %.

In relativer Hinsicht bleiben die Bewertungen weiterhin attraktiv. Der MSCI Emerging Markets Index notiert etwa mit dem 12,8-Fachen der prognostizierten Gewinne, was einem Abschlag von 24 % gegenüber dem MSCI World Index entspricht.

Wir sind weiterhin der Ansicht, dass der US-Dollar mittelfristig wieder nach unten tendieren wird. Eine Abwertung des US-Dollars steht in engem Zusammenhang mit einer stärkeren Wertentwicklung von Schwellenländeraktien, und wir sind der Meinung, dass Schwellenländerwährungen – abgesehen vom chinesischen Renminbi – unterbewertet bleiben. Allerdings könnte der US-Dollar im ersten Halbjahr 2018 weiterhin durch die anhaltende geldpolitische Straffung und eine mögliche Steuerreform sowie fiskalpolitische Anreize unterstützt werden. 

Risiken für das Wachstum in den Schwellenländern 

Es gibt drei Schlüsselfaktoren, die die guten Aussichten für die Schwellenländer im nächsten Jahr beeinträchtigen könnten:

  • Verlangsamung des chinesischen Wachstums

In China hatte der rasante Schuldenanstieg in den vergangenen zehn Jahren erhöhte wirtschaftliche und finanzielle Risiken zur Folge. Die schwierige Aufgabe der Regierung besteht in der Erreichung von Wachstumszielen bei gleichzeitiger Eindämmung dieser Risiken. 

Wir rechnen nicht mit einer plötzlichen und erheblichen Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft. Die Unternehmensverschuldung liegt bei 170 % des Bruttoinlandsprodukts, allerdings entfallen 110 % davon auf staatliche Unternehmen. Die Schulden werden dank einer hohen inländischen Sparquote größtenteils intern finanziert. Die Kontrolle des Bankensystems und ein beträchtlicher Einfluss auf die Realwirtschaft helfen den Behörden ebenfalls bei der Steuerung des Wachstums.

Dennoch bestätigten die Behörden die Notwendigkeit, die Risiken des Finanzsystems zu beseitigen. Die Koordinierung der Finanzregulierung soll kontinuierlich verbessert werden. Diese Maßnahmen dürften dazu führen, dass sich das Kreditwachstum in den nächsten Jahren verlangsamt. Mittelfristig wird auch ein langsameres Wirtschaftswachstum hingenommen.

Wie langsam dieses Wachstum letztendlich ausfallen darf, ist unklar, und die Behörden werden das Wachstumstempo nur grob steuern, jedoch keine Feinabstimmung vornehmen können. Folglich bleibt das Risiko, dass das chinesische Wachstum mittelfristig langsamer ausfallen könnte als erwartet. Auch wenn dies aufgrund der nach wie vor flexiblen chinesischen Politik noch keine Krise einläuten würde, könnte es sich doch auf die globalen Wachstumserwartungen und die Rohstoffpreise auswirken.

  • Die globale Liquidität wird knapper

Die von den Zentralbanken der Industrienationen angekündigte geldpolitische Normalisierung beobachten wir weiterhin aufmerksam. Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken die globale Wirtschaftslage genau verfolgen und die Wende äußerst vorsichtig einleiten werden – die Rahmenbedingungen lassen eine Normalisierung zu.

  • US-Handelspolitik

Die Aussicht auf eine protektionistische US-Handelspolitik gibt weiterhin Anlass zur Sorge, insbesondere im Hinblick auf die Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens. Mexiko und Kanada werden einige der von den USA vertretenen Gesichtspunkte wohl kaum akzeptieren können. Die sich daraus für Mexiko ergebende Unsicherheit könnte nicht nur die Marktstimmung, sondern auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und die mittelfristigen Handelsaussichten beeinträchtigen. Auch die Grundstimmung des breiteren Marktes gegenüber Aktien aus Schwellenländern könnte darunter leiden. 

 

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Tom Wilson, Head of Emerging Market Equities, und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.

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