Perspective

Johanna Kyrklund: Es ist an der Zeit, langsamer zu fahren (aber nicht zu langsam)


Meine Familie zieht immer über mich her, dass ich eine vorsichtige und langsame Autofahrerin bin. Es entbehrte daher nicht einer gewissen Ironie und war zudem eine Quelle grosser Belustigung für meine Familie, als ich unlängst ein Knöllchen erhielt. Daraufhin musste ich, wie in Grossbritannien üblich, wegen Überschreitung des Tempolimits an einem Kurs teilnehmen.

Eine grundsätzliche Botschaft des Kurses war, dass ein Autofahrer nicht nur die Geschwindigkeitsbegrenzung einhalten sollte, sondern auch das gesamte Geschehen um sich herum im Auge behalten muss. Nur weil man 100 km/h fahren darf, heisst das noch lange nicht, dass man das auch tun sollte.

Das verhält sich ähnlich wie bei der Geldanlage, dachte ich mir insgeheim. Bewertungen darf man nicht aus den Augen verlieren, aber auch das generelle Marktgeschehen muss man im Blickwinkel haben.

Die momentanen Aktienbewertungen deuten darauf hin, dass die Märkte an Fahrt verlieren werden. Aber man kann das Tempo nicht zu stark drosseln, da es an defensiveren Optionen mangelt.

Diese Situation erinnert mich an den Film „Speed“ von 1994, der ein Kassenschlager war.

In „Speed“ wirken Keanu Reeves und Sandra Bullock mit, die sich in einem Bus befinden, dessen Geschwindigkeit nicht unter 80 km/h fallen darf. Fällt das Tempo, explodiert der Bus.

Anleger sind zwar nicht mit einem Feuerball konfrontiert, aber diejenigen, die zu langsam fahren, könnten im übertragenen Sinne etwaige Anlagerenditen in Brand setzen.

Es ist nicht zu leugnen, dass die Aktienmärkte teuer sind. Sehen Sie sich das viele Rot in der Tabelle unten an. Daraus ersichtlich werden die Bewertungen der bedeutenden weltweiten Börsen im Vergleich zu ihren Medianwerten über 15 Jahre.

Je dunkelroter sie sind, desto teurer sind sie, verglichen mit der Vergangenheit (siehe die unterschiedlichen Messlatten, die am Ende des Artikels erläutert werden.)

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Eines steht fest: Es gibt keine, ausreichend defensive Vermögenswerte, die man ins Visier nehmen könnte. Bargeld bringt buchstäblich nichts. Staatsanleihen sind auch nicht viel besser. Die Zeiten, in denen man für US-Treasuries einen Kupon von 5 % bekam, gehören der Vergangenheit an.

Doch nur weil die Marktbewertungen teuer sind, heisst das nicht, dass sie nicht weiter steigen können, wie die folgende Tabelle zeigt. Den Moment zu bestimmen, wann der Markt seinen Höchststand erreicht hat, ist nicht nur unmöglich, sondern kann auch sehr schmerzhaft sein.

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Es ist vielleicht nicht an der Zeit, Aktien zu verkaufen, aber es ist wahrscheinlich der Moment gekommen, Ihre Begeisterung zu drosseln, denn das Spiel geht seinem Ende zu.

Bleiben wir beim Autofahren. Wir haben die Autobahn jetzt verlassen und brauchen wahrscheinlich einen Fahrer mit mehr Fahrpraxis. Statt den Fokus nur auf Aktien zu legen, ist vielleicht ein dynamischerer, – und ich wage es, zu sagen – ein Multi-Asset-Ansatz zu verfolgen.

Wenn es augenblicklich an Alternativen zu Aktien mangelt, fragen sie möglicherweise, wie kann ein Multi-Asset-Ansatz hier helfen. Nun der Vorteil eines solchen Ansatzes ist es, schnell und taktisch auf ein verändertes Marktumfeld reagieren zu können.

Werden beispielsweise Anleihen abverkauft, ergeben sich daraus unter Umständen plötzlich interessante Möglichkeiten. Sollte es andererseits unerwartet schlechte Nachrichten im Hinblick auf das Coronavirus geben, müssen Sie ggf. schnell reagieren.

Niemand kann die Zukunft voraussagen, aber als Anleger müssen wir das Spektrum der Wahrscheinlichkeiten bewerten. Klar ist, dass sich die Abwägung der Wahrscheinlichkeiten verglichen zum November verändert hat, als die positiven Nachrichten über den Impfstoff gemeldet wurden.

Sowohl der MSCI World als auch der S&P 500 sind seitdem um 20 % gestiegen. Das Aufwärtspotenzial dürfte deshalb geschrumpft sein, und gleichzeitig nahm das Abwärtspotenzial zu.

Die Chancen sind jetzt nicht so attraktiv, aber es ist zu früh, um übermässig defensiv zu sein. Es steht uns keine Rezession bevor; man muss investiert bleiben und kann nicht auf Barbeständen sitzen.

In meinen jüngsten Berichten seit den Meldungen über die Impfstoffe im November habe ich Substanzwerte, Banken und Japan als Bereiche ausgesondert, die ich in den Aktienmärkten bevorzuge. Mit den Substanzwerten und Banken bin ich zufrieden, aber mit Japan hat es nicht so gut geklappt. Dort sind die Infektionszahlen unerwartet wieder angestiegen.

Die „Reopening Trades“ haben mittlerweile einen grossen Satz nach vorne gemacht und Anleger beurteilen die Märkte nun differenzierter. Die Volatilität nimmt zu, was ein Hinweis dafür ist, dass der aktuelle Marktzyklus alt wird.

In einer solchen Phase ist es am besten, nicht drastische Massnahmen zu ergreifen, sondern stattdessen langsamer zu fahren, so wie Keanu und Sandra im Actionfilm „Speed“.

 

 

 

 

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