Ausblick 2018: Asiatische Anleihen

Ein anziehendes globales Wachstum und niedrige Inflationsraten sollten asiatischen Anleihen 2018 entgegenkommen. Dagegen dürften sich höhere Ölpreise als Gegenwind für die Region erweisen.

19.12.2017
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Authors

Rajeev De Mello
Head of Asian Fixed Income

Zum Jahresstart 2018 gehen wir davon aus, dass entgegengesetzte Kräfte auf die Anleihemärkte Asiens einwirken werden. Das globale Wachstum und eine niedrige Inflation sind für die Entwicklung an den Märkten der Schwellenländer sehr wichtig. Die Zentralbanken in den USA, Europa und Japan werden ihre expansive Geldpolitik nur mit großer Vorsicht zurückfahren. Daher dürften die Finanzmärkte auch weiterhin gut abschneiden.

Zu den möglichen nachteiligen Faktoren zählen die negativen Auswirkungen höherer Ölpreise auf die energieimportierenden Länder Asiens. China bleibt eine unbekannte Größe: Eine unerwartet deutliche Wachstumsabkühlung könnte sich auf die meisten Länder Asiens negativ auswirken. Die Märkte dürften je nach Abfolge dieser Ereignisse reagieren. Wir gehen jedoch von einem allgemein positiven Jahr für die asiatischen Anleihemärkte aus.

Globales Wachstum wird sich weiter erholen

Auch die US-Wirtschaft nimmt an Fahrt auf, wobei erhöhte Investitionsausgaben und eine stärkere Produktivität die Erholung unterstützen. Wir gehen davon aus, dass es im ersten Quartal zu den gewöhnlichen saisonbedingten Zwischentiefs kommen wird, die indes durch den Optimismus angesichts der verabschiedeten Steuerreform in den USA ausgeglichen werden könnten.

In Europa scheint die Erholung dank der extrem gelockerten Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und einer stärkeren politischen Einigkeit in der EU weiterhin Bestand zu haben. Da jede Form der geldpolitischen Straffung sehr allmählich ausfallen dürfte, gehen wir davon aus, dass die Erholung anhalten wird.

Unterdessen verzeichnet Japan seine längste Wirtschaftserholung seit Jahrzehnten. Trotzdem hält Japans Zentralbank die negativen Zinsen und Nullrenditen auf zehnjährige Staatsanleihen durch den Kauf weiterer Wertpapiere aufrecht.

Chinas Wachstum ist unlängst höher ausgefallen als erwartet und hat somit zur Entwicklung der Volkswirtschaften in den Industrie- und Schwellenländern beigetragen.

Niedrige Inflation und expansive Geldpolitik

Die Demografie, der technologische Fortschritt und die Globalisierung sorgen allesamt für eine ungewöhnlich zahme Inflation. Selbst die US-Notenbank Fed, die eine deutliche Verbesserung am US-Arbeitsmarkt beobachten konnte, brachte verstärkte Bedenken zum Ausdruck, wonach die niedrige Inflation länger anhalten könnte als zunächst gedacht. Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken weltweit ihre expansive Geldpolitik nur allmählich abbauen werden.

Während die vorstehend genannten Faktoren die Märkte für asiatische Anleihen und Währungen wesentlich unterstützen dürften, bestehen auch einige Hindernisse, die sich bisweilen negativ auswirken werden.

Schwächelndes Wachstum in China und auf jüngsten Höchstständen verharrende Ölpreise

Für China erwarten wir ein etwas schwächeres Wachstum, da die Geldpolitik gestrafft wird, angebotsseitige Reformen und umweltpolitische Maßnahmen verfolgt werden. Chinas Führung hatte ihre wesentlichen politischen Ziele während des 19. Volkskongresses der Kommunistischen Partei verkündet.

Wachstumsziele wurden weniger stark betont, während dem Abbau der exzessiven Verschuldung und der Bekämpfung von Umweltverschmutzung Priorität eingeräumt wurden. Obwohl diese Maßnahmen mittelfristig positiv sein werden, könnte sich daraus durchaus eine schwächere Nachfrage Chinas nach asiatischen Exportgütern ergeben.

Im Rohstoffsektor haben die OPEC-Länder und Russland das Ölangebot bislang effektiv gesteuert. Politische Risiken im Nahen Osten dürften weiterhin im Mittelpunkt stehen, und Kapazitätsbedenken bei mittelgroßen Produzenten werden im Energiesektor weiter für eine Risikoprämie sorgen.

Hinsichtlich der Nachfrage sind das stärkere globale Wachstum und der anhaltende Bedarf aus China und Indien positiv.

Risiko des zunehmenden Protektionismus

Die Handelsgespräche mit der Regierung von US-Präsident Trump haben sich als weniger besorgniserregend herausgestellt als ursprünglich befürchtet. Wir behalten jedoch das Risiko des Protektionismus genau im Auge.

Die Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) ist ins Stocken geraten, und die US-Regierung könnte weitere Handelssanktionen gegenüber China verhängen oder gar drohen, sich aus dem WTO-Rahmen zurückzuziehen. Asiatische Länder sind stark am Welthandel beteiligt und würden erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden, sollte sich das Wachstum abschwächen.

Auf Währungsebene vertreten wir allgemein die Einschätzung, dass der US-Dollar seinen seit Anfang 2017 bestehenden Abwärtstrend fortsetzen wird.

Ein starkes globales Wachstum ist für den US-Dollar häufig nicht von Vorteil, denn die US-Anleger investieren in diesem Fall ihr Kapital an den internationalen Märkten. Da andere Industrieländer die USA allmählich einholen, steigen ihre erwarteten Anlagerenditen relativ gesehen.

Bottom-up-Titelauswahl ausschlaggebend

Unser Vorzug gilt weiterhin Ländern mit starken Fundamentaldaten und Spielraum für Verbesserungen. Die nachstehende Tabelle gibt Aufschluss über die Länder, deren Währungen wir aufgrund der von uns erwarteten fundamentalen Veränderungen bevorzugen. Dazu zählen ein stärkeres globales Wachstum und höhere Investitionsausgaben, rohstoffsensible Währungen und höher rentierliche Währungen, die von dem weltweit lockeren Finanzumfeld profitieren.

Die letzten beiden Spalten heben das politische Risiko, das sich vor allem auf Südkorea konzentriert, und die langfristigen Bewertungen unter Berücksichtigung von Währungsveränderungen gegenüber Handelspartnern sowie um Inflationsunterschiede bereinigt hervor.

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Quelle: Schroders.

Der malaysische Ringgit profitiert von einer attraktiven langfristigen Bewertung und höheren Rohstoffpreisen. Rund um die für das nächste Jahr angesetzten Wahlen bestehen aber einige politische Risiken. Indonesiens Rupiah teilt viele ähnliche Faktoren, bietet jedoch mit rund 3 % (auf zehn Jahre) eine noch höhere reale Rendite.

Die weltweit vorherrschenden fundamentalen Faktoren, die wir oben aufgeführt haben, werden den Mittelzuflüssen in auf Lokalwährung lautende Schwellenländeranleihen zugute kommen. Das gilt insbesondere für Länder mit höheren realen Renditen, beispielsweise Indien, Indonesien, China und Malaysia. Wir gehen davon aus, dass die Anleihemärkte der stärker entwickelten Länder nur leicht besser abschneiden werden als die US-Anleihemärkte. Anleihen aus Taiwan, Hongkong und Südkorea dürften eher in einer engen Bewertungsspanne verharren.

Anleihemärkte bleiben in Position

Wir rechnen damit, dass sich die Anleihemärkte dank eines starken Wachstums, mit dem die Ausfallraten niedrig bleiben werden, auch weiterhin an einem optimalen Punkt befinden werden. Ferner dürften die Zinsaufschläge von Unternehmensanleihen infolge einer geringen Schwankungsbreite der Zinsen niedrig bleiben.

Die Gier der Anleger nach Erträgen, die in einem direkten Zusammenhang mit den äußerst niedrigen Leitzinsen und den Anleihekäufen der Zentralbanken steht, dürfte während des Jahres zumeist anhalten. Außerdem glauben wir, dass die positive Dynamik an den Aktienmärkten die Anleihemärkte unterstützen wird.

Ein weiteres ausschlaggebendes Thema an den Anleihemärkten ist die stärkere Differenzierung unter Emittenten. Da neue Emittenten an die Kapitalmärkte drängen, wird die Titelauswahl wichtiger denn je.

 

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Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Rajeev De Mello, Head of Asian Fixed Income, und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.

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