Ausblick 2018: Steht Anlegern ein weiteres gutes Jahr bevor?

Unsere Einschätzungen zu den einzelnen Anlageklassen lassen insgesamt einen zurückhaltenden Optimismus erkennen.

21.12.2017
Sunrise-Quiraing-Isle-of-Skye-Scotland

Authors

Peter Harrison
Group Chief Executive

Mit Blick auf das neue Jahr kann man den Anlegern nicht übel nehmen, dass sie sich fragen, ob 2018 ebenso überraschend positiv verlaufen könnte wie 2017.

Viele der politischen Risiken, die vor einem Jahr lauerten, wurden überschätzt. Dazu zählt die Ausrichtung der US-Handelspolitik unter Donald Trump, der Aufstieg des Populismus in Europa und die Besorgnis um Nordkorea. Die Märkte zeigten sich davon weitgehend unbeeindruckt, während die Zinsen und die Wertschwankungen auf ihren außergewöhnlich niedrigen Niveaus verharrten. So kletterten die Aktienmärkte auf neue Rekordhöhen.

Ein Jahr später gibt es die gleichen Sorgen, verbunden mit der Frage, wie die Märkte auf die allmähliche Drosselung der expansiven Geldpolitik reagieren.

Viele Anleger dürften sich daher fragen, ob die Probleme lediglich hinausgezögert wurden, oder ob die Märkte auch weiterhin gelassen reagieren werden. Um diese Fragen zu beantworten, haben wir die Einschätzungen all unserer Anlageteams zusammengeführt. Dabei kristallisieren sich folgende Themen heraus:

  • Die Bewertungen sind nahezu überall sehr hoch und werden von der niedrigen Inflation sowie den besonders niedrigen Zinsen gestützt. Einer der wenigen attraktiv bewerteten Aktienmärkte ist Japan. Sowohl in Japan als auch in Europa dürften die Aktienkurse von steigenden Gewinnmargen profitieren, die sich anderen Teilen der Welt angleichen könnten.
  • Während sowohl die Zinsen als auch die Inflation 2018 steigen dürften, wird allgemein nicht erwartet, dass sie außer Kontrolle geraten werden. Allerdings glauben viele unserer Anleger, dass die Märkte den möglichen Inflationsdruck unterschätzen.
  • Ein Segment des Aktienmarktes, das sich hervortun dürfte, sind Value-Titel, also günstig bewertete Aktien. Value-Aktien haben ihre längste Phase unterdurchschnittlicher Wertentwicklung seit 40 Jahren durchlaufen. Jetzt könnten sie im Zuge steigender Inflation und Zinsen eine Trendwende schaffen. 
  • Wenn es seitens der Geldpolitik gelingt, die Erholung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Inflation im Zaum zu halten, dürften globale Anleihen nur wenig unter Druck geraten. Die Inflation sollte jedoch genau im Auge behalten werden.
  • In den Schwellenländern dürften ein anhaltend starkes Wachstum und eine relativ geringe Inflation in Kombination mit einem stabilen US-Dollar für attraktive Renditen bei auf US-Dollar lautenden Anleihen und Anleihen in Lokalwährung sorgen. Allerdings dürfen die Anleger die politischen Entwicklungen keineswegs außer Acht lassen. Die Bewertungen in China erscheinen ausgereizt. Zugleich könnte sich das Wachstum abkühlen – belastet durch den Schuldenabbau insbesondere am Immobilienmarkt sowie durch rückläufige Margen wegen steigender Rohstoffkosten. Der Binnenkonsum und die inländischen Investitionen sollten hingegen solide bleiben, sodass einzelne Sektoren ihre Gewinne steigern können.
  • Insgesamt dürfte sich das Anlageumfeld als attraktiv für aktive Manager erweisen. Denn es ist damit zu rechnen, dass sowohl die Wertschwankungen als auch die Renditestreuung zwischen einzelnen Aktien zunehmen dürften, während die Korrelationen, welche die Parallelität der Entwicklung von Wertpapieren angeben, sinken.
  • Eine nachhaltige Unternehmensführung gestaltet sich immer schwieriger. Das liegt unter anderem an der Globalisierung der Politik, den steigenden Kosten für die Fehlbewertung technologischer Entwicklungen und den anhaltenden Herausforderungen durch den Klimawandel. Diese Probleme müssen aktiv angegangen werden.

Wenn sich unsere Prognosen als korrekt erweisen, steht uns 2018 mit einem Wachstum von 3,3 % die stärkste Wachstumsperiode der Weltwirtschaft seit 2011 bevor. Viel wichtiger ist jedoch, ob es den politischen Entscheidungsträgern gelingen wird, die „Goldlöckchen“-Kombination aus robustem Wachstum und niedriger Inflation aufrechtzuerhalten, wenn die quantitative Lockerung in den USA und Europa zurückgefahren wird.

Das größte Risiko ist unserer Einschätzung nach das Reflationsrisiko: Wenn Regierungen die Steuern senken und die Infrastrukturausgaben erhöhen, könnte es zu einer Überhitzung kommen, die einen überraschenden Anstieg von Inflation und Zinsen mit sich bringt.

Insgesamt sind wir der Ansicht, dass die Anleger dem Jahr 2018 vorsichtig optimistisch entgegenblicken dürfen. Im Laufe des Jahres könnte sich allerdings eine vorsichtigere Einstellung durchsetzen. Dies spiegelt sich in unseren Multi-Asset-Portfolios wider: Zum Jahresbeginn 2018 sind sie prozyklisch ausgerichtet, wobei wir Aktien bevorzugen. Jedoch können wir das Risiko, falls erforderlich, jederzeit reduzieren.

 

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Peter Harrison, Group Chief Executive, und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.

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