Impact Investing hinter den Kulissen: Vier Möglichkeiten, mit denen sich mit Anlegerkapital eine nachhaltige Zukunft schaffen lässt

Drei Experten von Schroders Capital für Impact Investments erläutern einige der Möglichkeiten, wie etwa das Kapital von Pensionskassen eingesetzt werden könnte, und gehen der Frage nach, warum die privaten Märkte bei der Herbeiführung eines nachhaltigen Wandels eine derart wichtige Rolle spielen.

22.06.2023
orregon forest and sea

Authors

Ped Phrompechrut
Solutions Director
Veronika Giusti-Keller
Head of Impact Management, Blue Orchard
Paul Lamacraft

Anlegern, die sich für eine gerechtere Gesellschaft und einen gesünderen Planeten einsetzten wollen, steht mittlerweile eine rasch wachsende Auswahl an Möglichkeiten zur Verfügung. In der Tat sind sich manche Anleger deshalb vielleicht gar nicht bewusst, wie anspruchsvoll sie beim Einsatz ihres Kapitals und der Auswahl ihrer Anlagen vorgehen können.

Was also tun, wenn die Entscheidung für eine wirkungsorientierte Strategie gefallen ist? Was geschieht eigentlich mit dem Geld?

Im Folgenden stellen wir vier Arten von Anlagemöglichkeiten vor, derer wir uns bedienen, um die Ziele unserer Kunden in Sachen Nachhaltigkeit und Wirkung konkret zu erreichen.

Weshalb Private Assets bei wirkungsorientierten Investitionen eine derart wichtige Rolle spielen

Große börsennotierte Unternehmen werden wohl immer in der Lage sein, Kapital zu beschaffen und ihren Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen zu leisten. Als Einzelkategorie werden diese Unternehmen jedoch nicht annähernd genug tun können. Der Großteil des Kapitals, das für die Entwicklung – oder Expansion – der wirkungsvollsten Technologien oder Finanzlösungen benötigt wird, wird von den privaten Märkten kommen.

Nicht börsennotierte bzw. private Unternehmen profitieren oft von einer starken Eigentümerschaft, einer aktiven Unternehmensführung sowie der langfristigen Perspektive ihrer Eigentümer und sie sind nicht dem Druck ausgesetzt, sich auf vierteljährliche Finanzergebnisse konzentrieren zu müssen. Private Eigentumsverhältnisse bedeuten für gewöhnlich außerdem, dass die Anleger sehr enge Verbindungen zu den zugrunde liegenden Vermögenswerten aufweisen und im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Unternehmens einen erheblichen Einfluss auf das Managementteam haben.

Das Volumen von Anlagen in Private Assets ist in den vergangenen 20 Jahren massiv gestiegen und bietet den Anlegern eine größere Auswahl, während das Universum der börsennotierten Unternehmen auf den Märkten der Industrieländer im gleichen Zeitraum rückläufig war. Nicht alle Anlagen in Private Assets werden direkt zum Klimaschutz beitragen, aber die sich bietenden Möglichkeiten sind insgesamt außerordentlich vielfältig.

Wie sehen diese Private Assets nun genau aus? Nachstehend widmen wir uns vier wichtige Arten von Chancen innerhalb dieser Anlagekategorie und erklären, wie sie zum Klimaschutz und zu sozialer Gerechtigkeit beitragen können.

Gelegenheit Nr. 1 – Infrastruktur 

Wenn es um wirkungsorientierte Investitionen geht, stehen der Klimawandel und erneuerbare Energien oft im Vordergrund. Und das zu Recht. Erneuerbare Energien sind ein Thema von hoher Relevanz, wenn es um den Klimaschutz geht.

Laut Internationaler Energieagentur (IEA) muss die Kapazität an erneuerbaren Energien sechsmal schneller ausgebaut werden als derzeit der Fall. Ansonsten werden wir die im Pariser Klimaschutzabkommen gesteckten Ziele nicht erreichen. Privatkapital wird dafür unabdingbar sein.

Infrastrukturen können diesbezüglich allerdings auch positive soziale Auswirkungen haben, die zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen und strukturelle Ungleichgewichte in unserer Gesellschaft angehen.

So hat unser Team Investitionen getätigt, um die Konnektivität in ländlichen Gebieten in Subsahara-Afrika erheblich zu verbessern, indem es einem Telekommunikationsanbieter, der sich auf den Zugang zu Mobilfunknetzen in unterversorgten Gemeinden spezialisiert hat, Kredite zur Verfügung gestellt hat. Eine digitale Infrastruktur ist unerlässlich, um Geld überweisen, Versicherungen abschließen oder Schulgebühren zahlen zu können, was in diesen Gebieten ausschließlich über das Handy erfolgt. Eine beschleunigte digitale Eingliederung in Wachstumsmärkte ist eine wichtige Triebkraft für nachhaltiges Wachstum und gemeinsamen Wohlstand. Bislang wurden diese Märkte von den traditionellen Geschäftsmodellen allerdings nicht bedient, und wir sind stolz darauf, ein Teil der Antwort auf dieses Versäumnis sein zu können.

Das betreffende Unternehmen will 10.000 Basisstationen in mehr als 20 Ländern südlich der Sahara errichten und somit eine Gesamtbevölkerung von 35 Millionen Menschen versorgen. Das Portfolio ist über verschiedene Länder hinweg investiert, unter anderem in eine beträchtliche Anzahl der am wenigsten entwickelten Länder wie die Demokratische Republik Kongo, Liberia, die Republik Kongo und Guinea.

Gelegenheit Nr. 2 – Private Equity

Private Equity (PE) dreht sich im Grunde genommen um Wertschöpfung durch Wachstum und betriebliche Verbesserungen.

Ein mögliches Beispiel hierfür wäre die Neugestaltung einer bestehenden Produktionslinie in einem traditionellen Fertigungsunternehmen zunächst mit dem Ziel einer verbesserten Effizienz, Zuverlässigkeit und Kostensenkung. Das mag das primäre Ziel sein. Die effizientere Produktionslinie kann jedoch auch zu einem geringeren Energieverbrauch führen, was wiederum zur Erreichung der Netto-Null-Ziele beiträgt.

Active Ownership bzw. aktive Eigentümerschaft, ein langfristiger Anlagehorizont und ein starker Fokus auf Wertschöpfung bedeuten, dass die Anlageklasse hervorragend geeignet ist, um Klimaschutzziele zu erreichen.

Natürlich können Private-Equity-Fonds das „E“ in ESG auch zu einem viel expliziteren Ziel machen. Sie können sicherstellen, dass dies ein Schwerpunkt bei der Sorgfaltsprüfung ist, und sie können die im Portfolio vertretenen Unternehmen dazu drängen, ihren ESG-Ansatz zu stärken und ESG-Daten für ihr gesamtes Portfolio offenzulegen.

Unser Private-Equity-Team hat mehr als 100 Direkt-/Co-Investitionen getätigt, die auf die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ausgerichtet sind.  Wir wissen, wie wichtig dieser Anlageschwerpunkt langfristig ist.

Ein aktuelles Beispiel ist die Co-Investition in einen führenden Anbieter von Photovoltaikanlagen für Solarenergie in den USA. Das Unternehmen ist seit mehr 20 Jahren in diesem Bereich tätig und hat bislang die für über 1.000.000 Solaranlagen erforderlichen Montagesysteme geliefert. 

Solche erneuerbaren Energiesysteme werden sowohl von Privathaushalten als auch kommerziell genutzt, um in den Produktionsanlagen von Unternehmen vollständig erneuerbare/nachhaltige Energien bereitzustellen. Dieses Modell sorgt für weniger Umweltverschmutzung und für weitaus effizientere, sauberere und kostengünstigere Produktionsprozesse während ihrer gesamten Bestandsdauer, was der Umwelt zugutekommt, aber auch der Rentabilität. Dieses Beispiel ist typisch für die Impact Investments über Private Equity, die wir ausfindig machen.

Ein weiteres Beispiel für eine unlängst durchgeführte PE-Investition ist eine führende Consumer-to-Consumer-Handelsplattform, die es Vermögenseigentümern ermöglicht, Produkte, die sie nicht mehr benötigen, zu kaufen und verkaufen. Dieses Modell birgt eine immense Wachstumschance. Wir glauben, dass der Re-Commerce, also die „Secondhand-Wirtschaft“, in den kommenden Jahren enorm an Bedeutung gewinnen wird. In diesem Fall beteiligte sich das PE-Team an der Seite eines Core-GP an einem rentablen Unternehmen. Beabsichtigt wurde dabei, das bestehende Angebot auf neue Produkte und Gebiete zu expandieren.

Für jedes Produkt, das secondhand gehandelt werden kann, lassen sich die bei der Herstellung eines neuen Produkts anfallenden Materialien, Produktionskosten, Energie und die daraus resultierenden CO2-Emissionen vermeiden. Dies geht mit erheblichen Vorteilen für die Umwelt einher.

Natürlich benötigt man für das Re-Commerce-Modell immer noch Logistik und Vertriebslösungen mit gewissen Umweltkosten. Verglichen mit der Produktion und dem Vertrieb von fabrikneuen Produkten sind diese aber immer noch minimal. In Zeiten der Rezession hat die Öffnung des Secondhand-Handels hin zu einem Mainstream-Modell ohne Stigmatisierung unseres Erachtens einen erheblichen sozialen Nutzen, da breitere Bevölkerungsschichten Zugang zu Gütern erhalten, die ihnen vorher vielleicht nicht zur Verfügung standen.

Gelegenheit Nr. 3 – Immobilien

Immobilien sind ihrer Beschaffenheit nach ein soziales Gut, mit täglichen direkten und indirekten Auswirkungen auf uns. Schließlich geht es hier um die Umwelt, die wir uns selbst erbauen. Sie beeinflusst, was wir tun, wie wir handeln, was wir lernen und mit wem wir interagieren. Sie wirkt sich sogar auf unseren Lebensstandard, unsere Gesundheit und unsere Lebensperspektiven aus.

Entscheidend ist, dass es Gemeinschaften gibt, denen derzeit der Zugang zu den benötigten Immobilien verwehrt bleibt. Investitionen in diese Gemeinschaften können wesentlich zu einer positiven sozialen Wirkung beitragen. Spezifische Bereiche für Investitionen könnten unter anderem folgende sein:

1. Verbesserung des Angebots an Einkaufs-, Freizeit- und Gemeinschaftseinrichtungen zur Neubelebung von Gegenden

2. Verbesserung des Arbeitsplatzangebots, um das Wachstum sozialer, öffentlicher und/oder privater Unternehmen zu steigern und die Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten zu verbessern

3. Erweiterung des Angebots an qualitativ hochwertigen, erschwinglichen Wohnungen, um den Lebensstandard und das Wohlbefinden der Einwohner in den Gemeinschaften zu verbessern. Hierzu zählen Sozial-, Markt-, Miet-, Eigentums- und Gemeinschaftswohnungen sowie erschwingliche Wohnungen.

Die Rolle, die Immobilien bei der Anpassung an den Klimawandel spielen, ist ebenfalls immens. Immobilien tragen jährlich zu etwa 40 % der gesamten CO2-Emissionen weltweit bei. Nur in etwa 10 % davon stammen von Neubauten. Der überwiegende Teil der CO2-Emissionen entsteht durch den Energieverbrauch bestehender Gebäude – ihre Beleuchtung, Heizung und Kühlung.

Investitionen in Sanierungsprojekte werden einen wesentlich Beitrag zur Verringerung der CO2-Emissionen leisten. Diese Investitionen können auf einzelne Gebäude oder ganze Stadtzentren bzw. Stadtviertel abzielen.

Unser Immobilienteam hat eine fiktive Kohlenstoffsteuer in unser Underwriting aufgenommen. Damit wird CO2 ausdrücklich als Posten berücksichtigt. Dies trägt zur Aufklärung bei und unterstützt die „Kohlenstoffkompetenz“ unseres Teams, indem sichergestellt wird, dass es sich um einen alltäglichen Aspekt des aktiven Anlageverwaltungsgeschäfts handelt. Außerdem werden damit ein rechtzeitiges Handeln und die akute Konzentration auf die Hauptverursacher gewährleistet.

Gelegenheit Nr. 4 – Naturkapital

Die Kohlenstoffbindung – d. h. die aktive Verringerung des Kohlenstoffs in der Atmosphäre – ist eine wesentliche Komponente des Klimaschutzes, die neben den Bemühungen zur Reduktion von CO2-Emissionen benötigt wird. Investitionen in Naturkapital, insbesondere in die Forstwirtschaft, leisten einen großen Beitrag zur Kohlenstoffbindung.

Im Hinblick auf die Anlagegelegenheiten können die Anleger hier einzelne Projekte oder Fonds auswählen, die Zugang zu einer Reihe von Projekten auf einer diversifizierten Basis bieten. Die Anlageklasse ist noch recht jung, und es gibt eine Reihe von Hindernissen und Fallstricken, die es zu berücksichtigen gilt.

Bestimmte Projekte können zum Beispiel erhebliche Auswirkungen haben. Die Vorteile eines saubereren Flusses sind für die Investoren an sich aber nicht immer spürbar. Eine weitere Herausforderung ist die Fähigkeit, in großem Umfang Wirkung zu erzielen. Bestimmte Einzelprojekte sind klein, und unter Umständen lassen sich nur schwer größere Kapitalbeträge zum Einsatz bringen.

Es gibt jedoch spezialisierte Fonds, die eine solide Rendite erwirtschaften und gleichzeitig eine positive Wirkung erzielen. Ein auf die Forstwirtschaft spezialisierter Fonds könnte attraktive Forstwirtschaftsprojekte auswählen und finanzieren, um durch den Verkauf von Emissionsgutschriften zusätzliche Erträge zu erzielen. Emissionsgutschriften sind eine gute Möglichkeit, Projekte zu vermarkten und Sponsoren eine Ausstiegsmöglichkeit zu bieten. Das Angebot an derartigen, aber auch anderen Naturkapitalfonds wächst, und Investitionen in diese Fonds profitieren von einer geringen oder sogar negativen Korrelation gegenüber den meisten anderen Anlageklassen.

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