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Ist eine nachhaltige Infrastruktur der beste Weg, Klimawandel und Armut in den Schwellenländern zu bekämpfen?

In den Schwellenländern sind enorme Infrastrukturausgaben notwendig. Von einem nachhaltigen Ansatz profitieren dabei der Planet – und die Anleger.

27.11.2020
Wind_farm_Chile

Authors

Gianfranco Saladino
Jack Wasserman
Private Markets Group

Den Vereinten Nationen (UN) zufolge sehen sich die Entwicklungsländer mit einer jährlichen Investitionslücke von rund 2,5 Bio. US-Dollar konfrontiert. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Frankreich im Jahr 2019. Diese Lücke muss überbrückt werden, wenn die UN ihre Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bis 2030 erreichen soll.

Notwendige Infrastrukturinvestitionen sind für rund 75 % dieser Lücke verantwortlich. Das Ausmaß dieser Anlagegelegenheit steht außer Frage. Die wirtschaftliche und demografische Wachstumsprognose in den Schwellenländern für die kommenden zehn Jahre bedeutet jedoch, dass die Infrastruktur auf nachhaltige Weise gebaut werden muss. Das liegt in unser aller Interesse.

Warum ist nachhaltige Infrastruktur in Schwellenländern so wichtig?

Einer Studie der UN zufolge haben eine Milliarde Menschen in den Entwicklungsländern (vor allem in den am wenigsten entwickelten Ländern) immer noch keinen Zugang zu Elektrizität. 39 % haben keinen Zugang zu einem 3G-Breitbandnetz, während in den Industrieländern eine 5G-Netzwerkinfrastruktur gang und gäbe ist. In den USA wurden die ersten 3G-Netze bereits 2002 eingeführt.

Eine Studie von Moody’s aus dem Jahr 2016 zeigt, dass die Schwellenländer achtmal so stark unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden wie die Industrieländer (gemessen an der Anzahl der Personen, die von Naturkatastrophen betroffen sind). Schwellenländer sind auch im Hinblick auf die direkte Schadenssumme als Anteil des BIP fünfmal mehr als Industrieländer betroffen. Grund dafür sind in erster Linie die ungünstigen Auswirkungen des Klimawandels auf den Agrarsektor.

Über fünf Milliarden Menschen und damit 65 % der Weltbevölkerung leben in Entwicklungsländern. Diese Zahl steigt schnell. Es wird damit gerechnet, dass Schwellenländer zwischen 2020 und 2030 um über 10 % wachsen werden. Die Bevölkerung von Subsahara-Afrika wird sich bis 2050 voraussichtlich verdoppeln.

Ferner setzt der Weltwirtschaftsausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF) den Beitrag der Schwellenländer zum weltweiten BIP bei konstant 3,6 % an und prognostiziert, dass die Schwellenländer bis 2023 63 % des weltweiten BIP stellen werden.⁷

Dadurch entsteht eine beträchtliche Nachfrage nach der Entwicklung von Infrastruktur in einem Umfeld, in dem lokale Regierungen und andere Finanzierungsquellen weit davon entfernt sind, die Nachfrage zu decken. Natürlich liegt eine nachhaltige Infrastruktur im Interesse der Menschen in den Entwicklungsländern. Die Vorteile erstrecken sich jedoch weit über die Grenzen dieser Länder.

Nachhaltige Infrastruktur – nicht anders, aber besser

„Nachhaltige Infrastruktur“ deckt den größten Teil der Infrastruktur ab, von Elektromobilität und Anschlüssen bis hin zu erneuerbarer Energie und Datennetzen. Nachhaltige Infrastruktur wird auf eine Weise geplant, entwickelt, gebaut, betrieben und außer Betrieb gesetzt, die während des gesamten Lebenszyklus des Vermögenswerts nachhaltig ist. Die wirtschaftlichen, finanziellen, sozialen und ökologischen Auswirkungen werden vom ersten Entwurf bis zum Lebensende des Projekts berücksichtigt. Nachhaltige Infrastruktur kann das wirtschaftliche Wachstum ankurbeln und Lebensbedingungen verbessern. Gleichzeitig unterstützt sie die Anpassung an den Klimawandel und Maßnahmen zu seiner Bekämpfung.

Die Nachhaltigkeit von Infrastruktur wird in der Regel anhand einer ESG-Bewertung (Umwelt, Soziales und Governance) sowie an der Einhaltung der relevanten Branchenstandards gemessen. Nicht nachhaltige Sektoren und Praktiken werden in der Regel ausgeschlossen. Die Internationale Finanz-Corporation (IFC) – Teil der Weltbankgruppe – hat eine Ausschlussliste erstellt, die weithin übernommen wurde.

Fortschrittlichere Ansätze bei nachhaltiger Infrastruktur beschränken sich nicht darauf, negative Auswirkungen zu minimieren. Ihr Ziel sind positive Auswirkungen für die Gesellschaft und die Umwelt. Je nach Sektor konzentrieren sich diese Auswirkungen darauf, wesentliche Dienste zugänglich und erschwinglich zu machen und auf eine Weise anzubieten, die zum Erreichen wirtschaftlicher Entwicklungsziele und/oder zur Bekämpfung des Klimawandels beiträgt.

Hierbei wird ausführlich geprüft, wer wie und in welchem Ausmaß von der Investition profitieren wird. Dazu gehört auch das Festlegen von Zielen für die geplanten Auswirkungen sowie die Ergebnisse zu messen und darüber zu berichten.

Was bedeutet das für Anleger? Umdenken beim Schwellenländerrisko

Schwellenländer und Frontier-Märkte weisen einzigartige und wichtige Risikofaktoren für die Anleger sowie Eintrittsbarrieren auf, die sich auf regionaler und individueller Ebene deutlich voneinander unterscheiden können. Die wichtigsten Faktoren, die zum Ausfallrisiko bei Infrastrukturwerten in den Schwellenländern (im Gegensatz zu den Industrieländern) beitragen, sind aufsichtsrechtliche, politische und Währungsrisiken.

Während sich Risikofaktoren zwischen Industrie- und Entwicklungsländern unterscheiden, spiegelt sich dies historisch gesehen nur begrenzt in deutlich höheren Ausfallraten in den Schwellenländern wider. Gleichzeitig ist bei Infrastrukturanleihen aus Schwellenländern eine um 1 % bis 2 % höhere Rendite gegenüber vergleichbaren Transaktionen in den Industrieländern möglich. Insgesamt sind die Risiko-Rendite-Profile nachhaltiger Infrastrukturanleihen aus den Schwellenländern in der Regel den Pendants aus den Industrieländern wesentlich ähnlicher, als viele Anleger glauben.

Region

Nordamerika

Westeuropa

Ozeanien

Asien

Lateinamerika

Afrika

Zehn-Jahres-Ausfallrate

6,2 %

3,4 %

5,7 %

7,9 %

11,4 %

4,7 %

Einbringungsrate

4,6 %

2,5 %

4,5 %

6,1 %

9,1 %

3,2 %

Verlustrate

1,6 %

0,9 %

1,2 %

1,8 %

2,3 %

1,5 %

Quelle: Moody's 2018

Im Portfoliokontext bieten nachhaltige Infrastrukturanlagen weitere wichtige Vorteile. Hierzu zählen wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen, niedrige Wertschwankungen aufgrund vorhersehbarer Cashflows und eine sehr positive Auswirkung auf die Lebensqualität und die wirtschaftliche Entwicklung lokaler Gemeinden und Länder. Ferner sind die echten Diversifikationsvorteile für langfristig orientierte Anleger attraktiv.

Dauerhafte Veränderungen durch essenzielle Investitionen

Infrastrukturanlagen können entscheidend dazu beitragen, dass die Investitionslücke in den Enwicklungsländern geschlossen wird. Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in jeder Phase dieser Infrastrukturprojekte ist aus Sicht der Menschen, die diese Infrastruktur nutzen und in ihrer Nähe leben, unbedingt sinnvoll. Eine nachhaltige Perspektive ist aber auch für Infrastrukturanleger attraktiv.

Das wichtigste Argument ist jedoch, dass wir nur mit einer nachhaltigen Infrastruktur dem Handlungsaufruf der UN aus dem Jahr 2015 gerecht werden können, bis 2030 die Armut zu beenden, den Planeten zu schützen und Frieden und Wohlstand für alle Menschen sicherzustellen.

 

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