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Absolute Return - Anleihenfonds neu überdacht

Wir werfen einen Blick auf Absolute-Return-Anleihenfonds und untersuchen, wie Kapital durch einen strategischen Ansatz besser geschützt werden kann, ohne Wachstum zu opfern.

14.08.2015

Michael Lake

Investment-Direktor Anleihen

Anleihen sind wichtig, aber mit Risiken verbunden

Anleihen sind immer noch ein Kernbestandteil für den Aufbau eines diversifizierten Portfolios.

Da Anleger irgendwann auf ihre Anlagen angewiesen sind, um ihren Verbindlichkeiten nachzukommen, spielen Anleihen häufig eine immer wichtigere Rolle für die Absicherung des Kapitals und die Erzielung vorhersehbarer regelmäßiger Einkünfte. Dieser traditionelle Ansatz für den Portfolioaufbau trifft auch heute noch zu.

Aber obwohl Anleihen immer noch eine wichtige Rolle spielen, können Anleger, die nur auf traditionelle Anleihenfonds setzten, im gesamtwirtschaftlichen Umfeld von heute größeren Risiken ausgesetzt sein, als ihnen bewusst ist.

Den ganzen Sommer über konzentrierten sich die Schlagzeilen in den Finanzmedien auf die griechische Schuldenkrise und den starken Rückgang am chinesischen Aktienmarkt. 

Steigende Zinsen sind schlecht für Anleihen, und dies macht herkömmlichen Anleihenfonds das Leben besonders schwer.

Diese Berichte sorgten für eine Zunahme der Volatilität an den Anleihenmärkten. Aber aus struktureller Sicht ist nicht anzunehmen, dass einer dieser Faktoren derzeit eine ernsthafte Gefahr für die Marktstabilität darstellt.

Die größte Gefahr für die Anleihenanleger geht von einer ansonsten positiven Entwicklung aus: der globalen Konjunkturerholung.

Insbesondere die Konjunkturerholung in den USA dürfte zu einer tiefgreifenden Veränderung des expansiven geldpolitischen Umfelds führen, das die Anleihenmärkte seit 2008 unterstützt hat.

Was bisher geschah ...

Als Reaktion auf die globale Finanzkrise unternahm die Federal Reserve (Fed) – die Zentralbank der größten Volkswirtschaft der Welt – drastische Schritte:

  • Sie senkte ihren Leitzins fast auf null.
  • Außerdem lockerte sie ihre Geldpolitik in beispielloser Weise, indem sie durch eine Reihe massiver quantitativer Lockerungsprogramme (QE) insgesamt 4,5 Bio. USD in den US-Anleihenmarkt pumpte.

Die Renditen von US-Staatsanleihen fielen in dieser Zeit auf Allzeittiefs, und da eine Reihe bedeutender Zentralbanken ähnliche Wertpapierkaufprogramme einführten, sackten die Renditen auch an vielen anderen Anleihenmärkten ab.

Heute bietet die US-Wirtschaft ein ganz anderes Bild gegenüber damals, als diese Maßnahmen eingeführt wurden:

  • Das Tempo der QE wurde im Laufe des Jahres 2014 reduziert, und seit Oktober dieses Jahres kaufte die Zentralbank keine weiteren Anleihen.
  • Seit Mai 2015 stellte die Fed klar, dass mit einem Anstieg des Leitzinses zu rechnen ist.

Da die niedrigen Zinsen und die zunehmende Liquidität die Anleihenmärkte bis Anfang 2015 so sehr unterstützt haben, liegt es auf der Hand, dass bald das Gegenteil der Fall sein wird. Steigende Zinsen sind schlecht für Anleihen, und dies macht herkömmlichen Anleihenfonds das Leben besonders schwer. 

Anleihenengagements anders betrachtet

Herkömmliche Anleihenfonds sind häufig an eine Benchmark gebunden. Der Manager eines herkömmlichen Fonds kann den Grad der Partizipation des Fonds an den Marktbewegungen anpassen. Dies wird als „Beta“ bezeichnet.

Diese Art von Anleihenfonds kann seine Benchmark zwar übertreffen, bewegt sich aber immer in die gleiche Richtung. Wenn der Markt fällt, erleiden Anleger in diesem Fonds – größere oder geringere – Verluste.

Bei einem Absolute-Return-Anleihenfonds ist das nicht der Fall. Der Fonds kann einen breit gefassten Index heranziehen, um die Portfolioschwankungen oder die Performance zu überwachen, aber ebenso gut auch keinen Index verwenden.

Auf jeden Fall besteht das Ziel darin, durch die Anlage in die besten Ideen des Fondsmanagers eine absolute Rendite zu erzielen – unabhängig von einer Benchmark.

Die breitere Auswahl von verfügbaren Anlagestrategien ermöglicht es einem flexiblen Manager viel höhere Allokationen in Bezug auf das Risiko einzugehen oder diese stärker zu meiden.

Schwankungen von Anleihen werden ausgeprägter und volatile Marktphasen häufiger

Darüber hinaus kann ein flexibler Anleihefonds die Duration stärker abändern als ein konventioneller Anleihefonds.

Unter Duration versteht man die Anfälligkeit der Positionen des Fondsmanagers für Zinsschwankungen.

Die Höhe der Duration – gemessen in Jahren – gibt einen Anhaltspunkt dafür, in welchem Grad der Wert des Fonds durch einen Anstieg oder Rückgang der Zinssätze beeinflusst wird. Je höher die Duration eines Portfolios im Falle steigender Zinsen, desto höher die Anlageverluste.

Da ein Absolute-Return-Anleihenfonds nicht an eine Benchmark gebunden ist, kann er nicht nur eine geringere Duration halten als ein Index sondern in bestimmten Bereichen auch eine „Short-Duration-Position“ halten.

In diesem Fall sind die Anleger nicht nur gegen eine Zinserhöhung abgeschottet, sondern können sogar davon profitieren. Der Manager eines Absolute-Return-Anleihenfonds kann Zinsexposure verkaufen, um von einem Rückgang der Anleihenkurse zu profitieren, wenn die Zinsen steigen.

Die Volatilität wird nicht verschwinden

2014 und Anfang 2015 übertrafen die Anleihenmärkte sogar die optimistischsten Erwartungen.

Da die Zinsen sehr niedrig waren und einige bedeutende Zentralbanken immer noch große Mengen an Liquidität in die Märkte pumpten, stieg der Wert von Anleihen ständig an.

Die Kreditrisikoprämien von Unternehmensanleihen – die Mehrrendite, die die Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen bieten – verengten sich ebenfalls, da die Anleger nach Renditen strebten.

Die Anleihenemittenten brachten weiterhin in großem Umfang neue Anleihen auf der Markt, da sie sich niedrige Zinssätze sichern wollten, bevor die Zinsen angehoben werden.

Aus dem gleichen Grund haben die Anleger mittlerweile begonnen, die Duration zu reduzieren. Wie erwähnt, sieht es zunehmend so aus, als würde dieser Trend der sinkenden Renditen und der Verengung der Kreditrisikoprämien allmählich zu Ende gehen.

Künftig rechnen wir mit heftigeren Schwankungen und häufigeren Phasen der Marktvolatilität.

Absolute Flexibilität

Der Anleihenmarkt ist seit der Finanzkrise enorm gewachsen, während sich seine Liquidität durch Veränderungen der Regulierungsbestimmungen verringert hat.

Nimmt man die Eingriffe der Zentralbanken hinzu, ist leicht zu erkennen, dass es zu periodischen Stressphasen kommen kann, die durch Liquiditätsprobleme am Sekundärmarkt verursacht werden.

Zugleich ist damit zu rechnen, dass sich die Produktivität und das Wirtschaftswachstum weltweit verringern. Dies liegt an der „kopflastigen“ demografischen Verteilung.

Mehr Menschen, die alle länger leben, müssen im Ruhestand unterstützt werden, während sie nicht zum Wirtschaftswachstum beitragen. Das bedeutet, dass die Zinsen steigen werden, aber vermutlich nicht so sehr wie in früheren Zinserhöhungszyklen.

Absolute-Return-Fonds könnten diese Phasen der Volatilität nutzen.

Wenn die Anleihenmärkte steigen, kann ein Absolute-Return-Anleihenfonds positive Renditen erzielen. Andererseits können diese Strategien dank ihrer völligen Flexibilität zur Anpassung des Markt- und Durationsengagements das Anlegerkapital schützen, wenn die Märkte fallen.

 

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