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Fintechs: fünf Schlüsseltrends für 2019

Technologien haben grundlegende Auswirkungen auf Finanzdienstleistungen und darauf, wie wir mit unserem Geld umgehen. Charlotte Wood behält die Trends im Auge und berichtet darüber.

20.03.2019
Bitcoin-robot

Authors

Charlotte Wood
Head of Innovation and Fintech Alliances

Technologische Durchbrüche werden Finanzdienstleistungen von Grund auf verändern – vom Umgang mit unseren persönlichen Finanzen bis hin zur disruptiven Bedrohung ganzer Bankinstitute.

Es ist schwer, genau vorherzusagen, wie dieses Umfeld in den nächsten Jahren aussehen wird. Über eines jedoch besteht weitgehend Einigkeit: Das Tempo, in dem neue Technologie entwickelt wird und sich ausbreitet, wird nicht nachlassen.

Zu meinen Aufgaben gehört es, Schlüssel-Innovationen zu identifizieren, die die Finanzbranche von Grund auf verändern könnten. Hier sind fünf Trends, die ich 2019 im Auge behalten werde.

1. Das Ende der Ego-Projekte im Blockchain-Bereich 

Blockchain ist die Technologie hinter Bitcoin, der „digitalen Währung“, die unabhängig von Zentralbanken operiert. Zwar ist das Interesse der meisten Banken an Kryptowährungen wie Bitcoin (bestenfalls) verhalten – die ihnen zugrunde liegenden Technologien haben in der Branche jedoch deutlich mehr Aufmerksamkeit erregt. Blockchain ermöglicht den Transfer von digitalem Eigentum über eine ständig wachsende Kette von zeitgestempelten Einträgen (den sogenannten„Blöcken“). Die Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie scheinen schier endlos, und es wird sogar erwartet, dass sie für Banken in Bereichen wie Zahlungen, Krediten und Handel zu Disruptionen führen werden.

Konsens scheint es darüber zu geben, dass Blockchain eine interessante Technologie ist, die neue Möglichkeiten eröffnet. Jedoch ist Blockchain weder die Lösung für jedes Problem, noch ersetzt sie alle denkbaren Funktionen. Außerdem stehen der Umsetzung technische, aufsichtsrechtliche und sogar verhaltensbedingte Barrieren im Weg.

In diesem Jahr werden die Diskussionen dieser Einschränkungen noch detaillierter sein. Es wird weniger Prototypen geben, die zwar die Machbarkeit beweisen sollen, von denen einige aber niemals großflächig umgesetzt werden könnten und letztlich nur Ego- oder Werbeprojekte sind. Dafür wird es immer mehr realitätsbezogene Beispiele geben, wie die Technologie Unternehmen und Personen wie Sie und mich unterstützen kann.

2. Open Banking macht sich nach einem langsamen Start im Jahr 2018 bemerkbar

Haben Sie schon von Open Banking gehört? Nein? Das überrascht mich kaum. Die Financial Times spricht von der „leisen digitalen Revolution“.

Viele haben bereits von bestimmten neuen Apps gehört, mit denen der Zugriff und die Zusammenfassung ihrer finanziellen Information erleichtert werden sollen. Dies ist das Ergebnis der Open-Banking-Initiative, die vor knapp einem Jahr ins Leben gerufen wurde. Die staatlich geförderte Initiative verlangt von Banken, die Daten ihrer Kunden auf Anfrage mit anderen befugten Anbietern zu teilen.

Die Banken geben diese Daten nur weiter, wenn sie dazu die ausdrückliche Erlaubnis ihrer Kunden erhalten haben. Kunden erhalten dadurch neue Einsichten in ihre Finanzen oder günstigere Angebote für Finanzprodukte. Das Ziel ist es, Banking fairer und transparenter zu machen und die Entwicklung neuer Produkte zu fördern. Bislang hat sich hier jedoch weniger getan als erwartet.

Obwohl die Initiative nicht sehr bekannt ist und Kunden zu Recht vorsichtig bei der Weitergabe ihrer Finanzdaten sind, nimmt die Zahl der Nutzer zu. In diesem Jahr dürften Banken und Fintech-Start-ups besser zusammenarbeiten und die Vorteile der Initiative effektiver kommunizieren. Es bleibt zu hoffen, dass dann mehr Menschen verstehen werden, was ihnen das Open Banking bringt.

3. Ethische Aspekte der künstlichen Intelligenz

Künstliche Intelligenz (KI) wird innerhalb einer Generation voraussichtlich nahezu alle Aspekte des modernen Lebens durchdringen. Bislang sind Verbraucher mit KI vor allem in Form von elektronischen Assistenten und Chatbots vertraut. Im Hintergrund entstehen jedoch wichtige Fragen: Wie können wir sicherstellen, dass der Einsatz von KI ethisch einwandfrei ist? 

Neben den oft diskutierten Befürchtungen, dass sich die nächste industrielle Revolution verheerend auf Arbeitsplätze auswirken könnte, ist ein weiteres wichtiges Thema von KI die Frage, wie wir die richtigen Parameter festlegen und Daten so einsetzen, dass sich die Maschine so verhält, wie es Menschen für „richtig“ befinden. Die Integration von Menschen ins Finanzwesen ist nur einer der Bereiche, auf den sich dies auswirken wird: Wir müssen nachweisen können, warum Menschen abgewiesen werden, die Darlehen, Hypotheken oder Versicherungsschutz beantragt haben. Ein Problem, das in Testreihen deutlich wurde, sind Vorurteile, die bereits in den Daten eingebettet sind. Das bedeutet, dass Maschinen in manchen Fällen im Grunde darauf trainiert werden, rassistische, sexistische oder anderweitig diskriminierend wirkende Entscheidungen zu treffen.

In Europa befürwortete der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments im Januar umfassende Rahmenbedingungen zu KI und Robotik – nur Wochen, nachdem ein Bericht der EU ethische Bedenken zu diesem Thema betonte. Diese Themen werden in Zukunft sicher noch intensiver diskutiert. Für die meisten Unternehmen handelt es sich hier um Neuland.

4. Fortschritte in der Biometrie – mit dem eigenen Gesicht bezahlen

Biometrische Innovationen sind für viele Menschen schon Teil des Alltags – man denke nur an die Fingerabdruck- und Gesichtserkennung bei Smartphones. Insbesondere Banken verwenden zunehmend Stimmerkennung und Bildtechnologien, um die Identität ihrer Kunden zu verifizieren. So haben der Fast-Food-Anbieter KFC in China und der Einzelhandelsriese Alibaba in Tests Kunden bezahlen lassen, indem sie lächelten. Apple hat sogar einen ID-Scan mittels Venenerkennung patentiert.

Diese Technologien könnten dazu beitragen, vor Betrug zu schützen. Die Fortschritte hier sind atemberaubend, es wird jedoch befürchtet, dass die Technologien mit gefälschten Videos leicht getäuscht werden können.

Dies hat Auswirkungen auf die Sicherheit von Bankgeschäften und birgt zudem die Gefahr, für rufschädigende Angriffe gegen Menschen missbraucht oder in Kampagnen zur Desinformation eingesetzt zu werden.

5. Investitionshemmnisse sinken immer weiter

Robo-Advisor wie Nutmeg, WealthFront und Acorns gibt es bereits seit einiger Zeit. Sie haben für viele Menschen mit Technologie den Weg für Investitionen freigeräumt. (Zur Ihrer Information: Schroders hält Anteile an Nutmeg.)

Crowdfunding-Plattformen wie Crowdcube und Funding Circle bieten ebenfalls alternative Anlagemöglichkeiten. Personen können Anteile an kleinen Unternehmen, sozialen Bewegungen und kreativen Projekten erwerben.

Diese Plattformen entwickeln sich immer weiter und ermöglichen Anlegern zunehmend Zugang zu neuen Anlageklassen auf Grundlage ihrer Interessen und Prinzipien.

Beispielsweise bietet Royalty Exchange einen Online-Marktplatz, wo Anleger auf Auktionen Lizenzgebühren von Musikkünstlern erwerben können. YieldStreet ermöglicht es Anlegern, Portfolios über verschiedene Anlageklassen hinweg zu erwerben, darunter Immobilien und Offshore-Vermögenswerte.

Der Verbraucher gewinnt

Es ist nicht leicht, mit diesen rasanten Entwicklungen Schritt zu halten. Für die Verbraucher ist es jedoch eine gute Zeit. Diese Fortschritte – und viele andere, die wir hier nicht angesprochen haben – sind für Verbraucher von Vorteil, da sie ihnen mehr Macht geben und für eine größere Transparenz von Dienstleistungen sorgen.

Banken werden zur Innovation gezwungen, was ihren Kunden in Form von besseren, differenzierten Dienstleistungen zugutekommt. Außerdem müssen Banken laufend die ethischen Fragen prüfen, die der Fortschritt mit sich bringt.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von der Autorin Charlotte Wood und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.

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