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Rückschlag für die Energiewende

Die Covid-19-Krise und der Ölpreisverfall dürften das Interesse der Verbraucher an der Energiewende dämpfen. Dieser Effekt wird jedoch nur von kurzer Dauer sein.

09.07.2020
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Authors

Mark Lacey
Leiter Global Resource Equities, Portfoliomanager

Wie bei fast allen Sektoren weltweit haben die Ausbreitung von Covid-19 und die nachfolgenden Lockdown-Maßnahmen auch ihren Tribut im Hinblick auf die Energiewende gefordert.

Das Jahr 2020 sollte ein Rekordjahr für Wind- und Solarenergieanlagen werden. Angesichts der Schwierigkeiten, die notwendigen Komponenten aus anderen Teilen der Welt zu beschaffen, steht dies mittlerweile in Frage. Einige Projekte laufen noch, aber viele andere müssen aufgeschoben werden.

Die gute Nachricht aus Sicht der Energiewende ist, dass solche Projekte einfach im nächsten Jahr umgesetzt werden dürften. Daher ist für 2021 von einer deutlichen Erholung der Aktivität auszugehen.

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Allerdings sind wir bezogen auf die verbraucherseitigen Aspekte der Energiewende vorsichtig, wo unter Umständen keine derart schnelle Erholung zu verzeichnen sein wird.

Die Wirtschaftsdaten aus den USA und Europa weisen auf erhebliche Arbeitsplatzverluste hin. Ein derart schwieriges Beschäftigungsumfeld wird zweifellos Auswirkungen auf die Konsumausgaben haben, vor allem im diskretionären Bereich.

Es gibt zwei Bereiche bezogen auf die Energiewende, die unseres Erachtens besonders betroffen sein werden: Elektrofahrzeuge und Solardächer. Dies unterscheidet sich insofern von strukturellen Ausgaben, als der Kauf eines Elektroautos oder die Dachmontage von Solarpanelen diskretionäre Ausgabenentscheidungen sind, die angesichts der schwierigen Beschäftigungslage für viele Privathaushalte kaum oberste Priorität haben dürften.

Energiewende erfordert politische Unterstützung

Auch wenn die Budgets der Privathaushalte vielleicht knapper sind, so besteht doch weiterhin ein grundlegendes Interesse an Maßnahmen gegen den Klimawandel. Die Nachfrage geht gleichermaßen von der Öffentlichkeit wie von der Politik aus. So werden sich in den kommenden Jahren viele Länder, allen voran diejenigen Europas, von Autos mit Verbrennungsmotoren verabschieden.

Darüber hinaus haben auch die größeren Ziele weiterhin Bestand. Während die Coronavirus-Krise verständlicherweise ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist, schwelt die Klimakrise weiter. Rund um den Globus setzen sich Länder deshalb weiterhin dafür ein, die Erderwärmung gemäß dem Pariser Klimaabkommen von 2015 auf zwei Grad Celsius oder weniger gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Obwohl es bisher nur wenige konkrete Schritte in diese Richtung gegeben hat, werden nun Rufe laut, mit den Konjunkturpaketen im Zuge der Covid-19-Pandemie die Energiewende zu stärken. Europa beispielsweise hatte bereits einen neuen Grünen Deal vorgeschlagen, bevor sich das Virus auf dem ganzen Kontinent ausbreitete. Forderungen, wonach konjunkturelle Stützungsmaßnahmen zum Aufbau einer klimaneutralen Wirtschaft beitragen sollten, gewinnen an Gewicht. Eine Expertenkommission in Deutschland schlägt diesbezüglich ein 100 Mrd. Euro schweres Paket vor.

Günstigeres Öl hat nur begrenzt Auswirkungen auf Energiewende

Die zuletzt volatilen Märkte zeichneten sich durch sinkende Ölpreise aus. Allerdings beeinflusst die Preisentwicklung am Ölmarkt die Energiewende weniger stark, als man es vielleicht erwarten würde.

Rund 65 % des gesamten Ölverbrauchs entfallen auf den Transportsektor. Fallende Benzinpreise könnten dabei einmal mehr ein weiterer kurzfristiger Faktor sein, der das Verbraucherinteresse an Elektroautos begrenzt. Dies mag insbesondere auf die USA zutreffen, wo die Menschen es gewohnt sind, lange Strecken zu fahren.

Andernorts rechnen wir indes mit geringeren Auswirkungen – so vor allem in Europa, wo ein Löwenanteil des Benzinpreises auf Steuern entfällt und der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor ein deutlich größeres Gewicht im Entscheidungsprozess hat.

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Erwähnenswert ist außerdem, dass selbst die großen Ölkonzerne auf die Ölkrise reagieren, indem sie ihre Investitionen in die Energiewende schützen und gleichzeitig den Kapitaleinsatz für konventionelle Energien drastisch senken.

Die Ölpreisschwäche veranlasste Royal Dutch Shell vor Kurzem dazu, seine Dividende erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg zu kürzen. Damit wollte das Unternehmen sicherstellen, dass es die geplanten Investitionen im Bereich Ökoenergie weiterhin tätigen kann.

Anhaltende Unterstützung der Energiewende durch Unternehmen

Neben der öffentlichen Nachfrage und der Unterstützung durch die Politik besteht die dritte tragende Säule der Energiewende in der Kostenwettbewerbsfähigkeit von Ökostrom. Die Stromnachfrage ist während der Coronavirus-Beschränkungen natürlich gesunken, dürfte aber wieder anziehen, sobald sich die Wirtschaft wiederbelebt. Grüne Energie wird weiterhin einen hohen und wachsenden Anteil der Nachfrage ausmachen, da sie in puncto Kosten mittlerweile mit konventionellen Brennstoffen konkurrieren kann.

Sogar mitten in der Coronavirus-Krise investieren Unternehmen immer noch in regenerative Energien und Technologien. Der Energieversorger Southern California Edison beispielsweise legt sich gerade ein riesiges Speicherportfolio zu, um Gasanlagen zu ersetzen und die Zuverlässigkeit seines Netzes zu verbessern.

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Kostenwettbewerbsfähigkeit, politische Unterstützung und öffentliche Nachfrage sind die drei Faktoren, die zusammengenommen die Energiewende vorantreiben. Alle drei haben nach wie vor Bestand, auch wenn aufgrund von Covid-19 bei den Ausgaben der Privathaushalte mit vorübergehend negativen Auswirkungen zu rechnen ist.

Die Energiewende deckt ein breites Spektrum von Bereichen ab – nicht nur die Erzeugung und Versorgung mit sauberer Energie oder Elektrofahrzeuge, sondern auch die Speicherung und Übertragung von Energie sowie elektrische Ausrüstung. Die langfristigen strukturellen Anlagemöglichkeiten, die sich daraus ergeben, bleiben daher durchaus intakt.

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