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Unsere zehn wichtigsten Themen für den Aktienmarkt 2021 und darüber hinaus

Die Weltwirtschaft erholt sich von der Pandemie. Wir haben zehn Anlagethemen identifiziert, die im Zuge dieser ungewöhnlichen Zeit eine Rolle spielen könnten.

25.03.2021
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Bericht lesenTop ten market themes for 2021 and beyond
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David Philpotts
Head of Strategy, QEP

In den vergangenen Jahren wurden die Aktienmärkte von der starken Wertentwicklung einiger weniger beliebter Mega-Cap-Titeln in den USA und den asiatischen Schwellenländern dominiert. Dies stellte zwar ein günstiges Umfeld für wachstumsorientierte „Stock-Picker“ dar. Am anderen Ende dieses extrem engen Markts stand aber die anhaltende Vernachlässigung einer viel längeren Liste an unbeliebten Aktien.

Im Laufe des Jahres 2020 wurde immer klarer, dass die sehr weite Streuung bei der Wertentwicklung zwischen den Gewinnern und Verlieren ein ungerechtfertigtes Ausmaß erreichte. Die Entwicklung erfolgreicher Impfstoffe im November war der Katalysator einer Rotation, die sich unseres Erachtens noch in der Anfangsphase befindet.

Wie wird diese Rotation aussehen? Wir haben zehn potenzielle Themen identifiziert, die in den kommenden Monaten und Jahren eine Rolle spielen könnten.

1. Gute Nachrichten bereits eingepreist

Die Aktienmärkte könnten durchaus weiterhin von den laufenden fiskalischen Anreizmaßnahmen profitieren. Jedoch stehen sie auch drei Herausforderungen gegenüber: hohe Bewertungen, fehlender Spielraum für einen nennenswerten Rückgang der Zinsen und eine hohe Schuldenlast der Staaten.

Letztlich sind die Bewertungen der beste langfristige Prädiktor für Renditen. Da viele Aktien und die meisten großen Aktienindizes nahe an ihrem Allzeithoch liegen, sind sie natürlich anfälliger für negative Nachrichten.

2. Wahrscheinlichkeit einer Erholung von Substanzwerten

Der Markt hat für einen ungewöhnlich langen Zeitraum nicht zwischen billigen Qualitätsaktien mit überdurchschnittlichen Fundamentaldaten und Titel unterschieden, die echten zyklischen oder strukturellen Herausforderungen für ihr Geschäftsmodell ausgesetzt sind.

Anfang November 2020 hatte das Maß der Streuung bei den Bewertungen am Markt ein extremes Niveau erreicht, wie es zuletzt während der großen Tech-Blase von 1999/2000 beobachtet wurde. Die erfreulichen Nachrichten über Impfstoffe und die nachlassende politische Unsicherheit in den USA haben offenbar zu einem Wechsel in der Ausrichtung an den Märkten geführt.

Die Rotation, die wir seither beobachtet haben, bedeutet jedoch nur eine geringe Veränderung der Bewertungskennzahlen. Die Neubewertung vernachlässigter Aktien hat wohl noch einen längeren Weg vor sich.

3. Aufgeblasene Wachstumswerte könnten an Luft verlieren

Auf der anderen Seite der Medaille lassen die hohen Erwartungen, die in den hohen Bewertungen vieler beliebter Aktien eingepreist sind, wenig Raum für alles andere als eine perfekte Umsetzung ihrer Story.

Unserer Ansicht nach waren die Anleger der einfachen Erzählung nach dem Motto „The winner takes it all“ verfallen. In den vergangenen zehn Jahren war dieser Weg erfolgreich, aber es ist unwahrscheinlich, dass sich dies wiederholt. Angesichts der aktuell extrem hohen Bewertungen vieler dieser „auserwählten“ Aktien liegt die Messlatte sehr hoch, was die Wachstumserwartungen angeht.

4. US-Markt erreicht das teuerste Niveau seit 50 Jahren

In den letzten Jahren schritt der amerikanische Markt vorweg, angetrieben durch eine kleine Gruppe von Index-Schwergewichten und eine zunehmende Anzahl thematischer Aktien. Daher finden sich in den USA auch die extremsten Beispiele für überhöhte Bewertungen.

Es bestehen immer noch viele gute Anlagemöglichkeiten in den USA, vor allem in zurückgebliebenen Bereichen wie Pharma und Technologieunternehmen der „alten Schule“. Doch scheint sich für den US-Markt insgesamt der Gegenwind zu verstärken.

5. Asiatische Schwellenländer: günstig bewertet und gute Wachstumsaussichten

Wie in den USA gibt es auch in Asien eine kleine Anzahl von Börsenschwergewichten, die sich stark entwickelt haben. Alles in allem sind die asiatischen Schwellenländer jedoch günstiger bewertet als die Industrieländer und bieten Chancen sowohl im Value- als auch im Growth-Bereich. Die asiatischen Schwellenländer könnten sich im weiteren Jahresverlauf gut entwickeln, insbesondere die exportorientierten Bereiche, die von der weltweiten Erholung am stärksten profitieren dürften.

6. Höhere Inflation ist ein kurzfristiges Risiko

In den letzten Jahren waren die politischen Entscheidungsträger mehr über eine Deflation als über eine Inflation besorgt, was sich jedoch ändern dürfte. Im Zuge der Pandemie wurden Kapazitäten abgebaut, was mit einer Zeit zusammenfällt, in der die Geld- und Fiskalpolitik weltweit extrem expansiv und die Ersparnisse der Haushalte ungewöhnlich hoch sind. Dies könnte zu einem kurzfristigen Überschießen der Inflation führen, wenn sich Kostendruck und Nachfragesog vereinen. Dadurch würde ein neues Problem für politische Entscheidungsträger entstehen, das sowohl auf den Aktien- als auch den Anleihemärkten für Unruhe sorgen könnte.

Eine steigende Inflation unterstützte in der Vergangenheit eher zyklische Sektoren neben den klassischen Nutznießern höherer Zinsen: Grundstoffe, Industriegüter, Nicht-Basiskonsumgüter und Banken. Die größten Verlierer bei Inflation sind Bereiche, die als Anleiheersatz gelten, wie Versorger. Viele Immobilienaktien stehen aufgrund der eingebrochenen Nachfrage nach Büroflächen schon jetzt unter Druck.

7. Gesundheitssektor erscheint günstig

Wir identifizieren viele Chancen in den weniger zyklischen Marktsegmenten, wie das Gesundheitswesen. Es handelt sich um einen uneinheitlichen Sektor, und Teile davon sind bereits überhitzt (z. B. Biotech/Genomik).

Gerade Pharmawerte erscheinen jedoch attraktiv bewertet, was zum einen an ihrem defensiven Wesen liegt und zum anderen an der drohenden Regulierung der Arzneimittelpreise in den USA. Unseres Erachtens können sie, bedingt durch robuste Gewinnmargen, ordentliche Dividenden und eine geringe Verschuldung, eine gewisse Stabilität bieten.

8. Umweltbewusstes Anlegen ist in aller Munde und dürfte es auch bleiben

Im Einklang mit dem Ziel des Pariser Abkommens wird der Druck auf Unternehmen, ihre Kohlenstoffemissionen zu reduzieren, anhalten. Unternehmen werden sich anpassen müssen.

Anlagen in die Öl- und Gasförderung dürften auf absehbare Zeit unter dem Niveau vor der Pandemie verharren, während sich Unternehmen alternativen Energiequellen, wie Wind- und Solarenergie, zuwenden. Der Umstieg auf nicht fossile Brennstoffe sowie neue Technologien für Batteriespeicher und Biokraftstoffe wird in den kommenden zehn Jahren ein zentraler Schwerpunkt für Investitionen sein.

9. Soziale Aspekte werden immer wichtiger

Die Pandemie hat das Bewusstsein für soziale Themen geschärft, insbesondere in Bereichen wie mentale Gesundheit und steigende Ungleichheit. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Berücksichtigung sozialer Schäden für die zukünftige Wertentwicklung günstig sein wird, da sich Unternehmen ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft zunehmend bewusst werden.

10. Thematische Anlagen und Anleger, die nicht auf Bewertungen achten

Thematische Anlagen werden häufig mit breiteren Trends in Verbindung gebracht, die über die typische Klassifizierung von Aktien nach ihrer Branche oder ihrem Sektor hinausgehen. Ein gutes Beispiel ist der Aufstieg von Internet und sozialen Medien in den letzten zwei Dekaden. Die Anzahl potenziell thematischer Aktien scheint von Tag zu Tag zu wachsen, da die Disruption im Vergleich zu den vergangenen 20 Jahren immer schneller wird.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage der Anleger nach solchen Titeln. Privatanleger beteiligen sich zunehmend am Markt und interessieren sich oft für beliebte Themen, anstatt sich auf Bewertungen zu konzentrieren. Die meisten Themen bleiben wahrscheinlich bestehen, aber es besteht ein erhöhtes Risiko für neue Blasen. Dies stellt für langfristig orientierte Anleger sowohl Chancen als auch Risiken dar.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen vom Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.

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