Warum 70 % der Menschen im Ruhestand weiter investieren

Mehr als zwei Drittel der Menschen planen laut einer großen weltweiten Studie, auch während des Ruhestands weiter zu investieren.

28.06.2018
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Authors

David Brett
Redakteur

Ruhestand bedeutet für viele, den Stress des Alltags hinter sich zu lassen. Doch steigende Lebenshaltungskosten und sinkende Zinsen können ein Zusatzeinkommen erforderlich machen, und Anleger fragen sich möglicherweise, wie ihr Erspartes aufgebessert werden kann.

Eine groß angelegte Studie hat ergeben, dass 70 % der Rentenanwärter planen, auch nach ihrem Eintritt in den Ruhestand weiter zu investieren. Sie werden dann durchschnittlich 13,3 % ihrer Ersparnisse für die Altersvorsorge anlegen. 

Bei den Rentnern ist dieser Anteil sogar noch höher. Sie gaben an, nahezu ein Fünftel (19,1 %) ihrer Rentenersparnisse in Kapitalanlagen zu investieren.

Dies ergab sich aus der Schroders Global Investor Study (GIS) 2018, bei der über 22.000 Anleger in 30 Ländern weltweit befragt wurden.

Der für Anlagen aufgewendete Prozentsatz der Ersparnisse variierte je nach Region. Asiatische Pensionäre legten mit durchschnittlich 19,5 % am meisten an. Amerikanische Rentner steckten 18,6 % ihrer Altersvorsorge in Anlagen und lagen damit leicht vor Europa (18,2 %).

Südafrikanische Rentner gaben an, den größten Anteil ihres Sparvermögens zu investieren. Südafrika war außerdem das Land mit der größten Diskrepanz (16,9 %) zwischen dem von Rentnern tatsächlich investierten (26,6 %) und dem von Rentenanwärtern erwartungsgemäß zu investierenden Betrag (9,7 %).

Lesley-Ann Morgan, Head of Retirement bei Schroders, meint hierzu: „Aus der Umfrage wird deutlich, dass Pensionäre mehr als zuvor darüber nachdenken müssen, wie sie ihre Ersparnisse im Ruhestand für sich nutzen können.

Es gibt verschiedene Gründe, die erklären, warum Pensionäre mehr investieren, als von noch Beschäftigten angenommen wird. Aufgrund niedrigerer Zinsen und einer anziehenden Inflation sank in vielen Ländern der Wert des Einkommens, das Bankkonten und garantierte Produkte bieten können. Außerdem leben die Menschen heute länger, sodass mehr Rentenjahre finanziert werden müssen.

Unsere Untersuchung zeigt, dass Pensionäre sich durch höhere Investitionen an diese Gegebenheiten angepasst haben. Rentenanwärter kurz vor dem Ruhestand müssen ihr Anlageverhalten nach dem Renteneintritt womöglich überdenken, um ihren Einkommensbedarf zu decken.“

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In der untenstehenden Tabelle finden Sie einen Vergleich der Länder, die wir befragt haben.

 

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Die Auswirkungen höherer Lebenshaltungskosten und niedrigerer Zinsen

Angesichts der unerwartet hohen Lebenshaltungskosten und unerwartet niedrigen Zinsen und Erträge werden viele Menschen genau auf ihre Finanzen achten oder ihre Rentenansprüche senken müssen.

Die GIS 2018 fand heraus, dass der durchschnittliche Anleger davon ausgeht, 33,7 % seiner Rentenersparnisse für seinen Lebensunterhalt aufzuwenden. Bereits pensionierte Anleger gaben jedoch an, 49 % ihrer Ersparnisse für ihren Lebensunterhalt auszugeben. 

Auf regionaler Ebene wenden amerikanische und europäische Rentner mit 52,5 % bzw. 50 % mehr für ihre Lebenshaltungskosten auf, wohingegen der Anteil in Asien mit 38 % geringer ist.

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In der untenstehenden Tabelle finden Sie einen Vergleich der Länder, die wir befragt haben.

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Möglicher Anpassungsbedarf

Die Ergebnisse der GIS deuten darauf hin, dass potenziell zu niedrige Sparquoten Anleger dazu verleiten könnten, ihre Rentenerwartungen entsprechend anzupassen. 

Zum Beispiel gingen Rentenanwärter davon aus, 25,6 % ihres Sparvermögens aus der Altersvorsorge für Reisen und Hobbys auszugeben. Tatsächlich geben Rentner derzeit jedoch nur 22,3 % hierfür aus.

Auch wenn die globale Finanzkrise bereits zehn Jahre zurückliegt, sind ihre Auswirkungen noch immer spürbar. Zwar hat sich die globale Wirtschaft von der darauffolgenden Rezession erholt, doch sind viele der zur Verhinderung des Kollapses eingeführten Maßnahmen noch immer in Kraft. Dies hat sich erheblich auf die Lebenshaltungskosten und die Rendite auf Spareinlagen ausgewirkt.

In vielen Ländern steigen beispielsweise die Lebenshaltungskosten (Inflation) schneller als die für ein Bankkonto gewährten Zinsen. Dies ist insbesondere für solche Pensionäre ein Problem, die das Einkommen aus diesem Sparvermögen in der Vergangenheit zum Teil fest eingeplant hatten. Höhere Investitionsbeträge können eine Option sein, um das Renteneinkommen aufzubessern oder einen Nachlass zu hinterlassen.

Der Wert von Anlagen und der damit erzielten Erträge kann sowohl steigen als auch fallen. Anleger erhalten den ursprünglich investierten Betrag unter Umständen nicht zurück.

Anlagerenditen haben Auswirkungen auf die Höhe des Einkommens, das mit dem Sparvermögen für die Altersvorsorge erzielt wird. Zwar lässt die Vergangenheit keine Rückschlüsse auf künftige Ergebnisse zu, doch dient sie allemal als Ausgangspunkt für Überlegungen. Eine von Berater William Bengen in den USA geprägte Faustregel lautet, dass die ideale Entnahmerate bei 4 % der Vorsorge liegt – angefangen bei einer Entnahmerate von 4.000 US-Dollar aus einem Portfolio in Höhe von 100.000 US-Dollar und mit der Inflation steigend. Bei höheren Entnahmen besteht das Risiko, dass die Ersparnisse nach 30 Jahren aufgebraucht sind. 

Allerdings entstand diese Faustregel Mitte der 90er-Jahre, als das Anlageumfeld noch ganz anders war als heute. Da die Renditen heute niedriger sind und die Menschen länger leben, müsste diese Faustregel neu bewertet werden. Aus Ihrer persönlichen finanziellen Situation könnte sich ergeben, dass eine Rate unter 4 % angebrachter ist. 

Schroders beauftragte Research Plus Ltd mit der Durchführung einer unabhängigen Online-Studie, bei der zwischen dem 20. März und dem 23. April 2018 insgesamt 22.000 Personen in 30 Ländern weltweit befragt wurden, unter anderem in Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Kanada, den Niederlanden, Spanien, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Für diese Studie wurden Personen befragt, die in den nächsten zwölf Monaten mindestens 10.000 Euro (oder den Gegenwert in einer anderen Währung) investieren wollen und in den vergangenen zehn Jahren Änderungen an ihren Investments vorgenommen haben.

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