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Ausblick 2020: Private Equity

Wegen des möglichen Gegenwinds bei traditionellen Anlagen erwarten wir, dass Private Equity im Jahr 2020 weiteres neues Kapital anziehen wird. Vereinzelt sind die Bewertungen jedoch hoch, weshalb wir den Anlegern hier zur Vorsicht raten.

27.12.2019
London-Skyline-Panoramic

Authors

Dr. Nils Rode
Chief Investment Officer, Schroders Capital
  • Insgesamt bleibt unser Ausblick für die Wertentwicklung neuer Private-Equity-Engagements im Jahr 2020 positiv.
  • Während große Buyouts und „Einhörner“ teuer erscheinen, wirken Segmente mit hohen Eintrittsbarrieren – vor allem am unteren Ende des Marktes – attraktiver.
  • Der Fokus der Anleger auf Nachhaltigkeitsaspekte wird sich 2020 weiter verstärken, was optimal im Einklang mit den langen Anlagehorizonten und dem höheren Engagement bei Private Equity steht.

Niedrige Zinsen und die hohen Bewertungen an den öffentlichen Märkten könnten 2020, wie vielfach behauptet, zu einem Belastungsfaktor für traditionelle Anlageklassen werden. Diese Einschätzung hat zu einem gestiegenen Interessen an Private Equity beigetragen. Zudem steht die Anlageklasse wegen ihrer längeren Haltezeiträume und der größeren Kontrolle über Beteiligungen in einem positiven Zusammenhang mit einem anderen zentralen Anlegerthema: den Risiken rund um Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung – kurz ESG (Environmental, Social, Governance).

Es überrascht uns daher nicht, dass die Anleger derzeit ein starkes Interesse an Private Equity zeigen und dies auch im kommenden Jahr weiter tun dürften. Dem Private-Assets-Experten Preqin zufolge gehen 79 % der Private-Equity-Anleger davon aus, dass sie ihr Engagement in der Anlageklasse in den nächsten fünf Jahren erhöhen werden.

Die Kapitalbeschaffung unterliegt immer einer gewissen Zyklizität. Dennoch glauben wir, dass sich Private Equity in einem langfristigen Wachstumstrend befindet, der kaum aufzuhalten scheint. Schon seit Langem leistet Private Equity einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung in der Realwirtschaft und auch in den Portfolios der Anleger. Private Equity spielt eine Schlüsselrolle bei der Geschäftstransformation und der Schaffung neuer, wachstumsstarker Unternehmen. Außerdem kann Private Equity für einen reibungslosen Generationenübergang sorgen, also für die erfolgreiche Übergabe eines Unternehmens von der ausscheidenden Generation an die jüngere Generation. Schließlich können auch die Interessen der Anleger und der Portfoliomanager besser aufeinander abgestimmt werden – durch entsprechende Kapitalzusagen Letzterer (die zunehmen). 

Vorsicht vor hohen Kapitalzuflüssen und Bewertungen in einigen Teilen des Marktes

Ungeachtet unseres Optimismus hat das erhöhte Interesse an Private Equity ein teilweise überhitztes Marktumfeld geschaffen. Dies stellt die Anleger vor Herausforderungen. So führten in der Vergangenheit einige Phasen mit großem Anlegerinteresse zu Kapitalüberhängen, die wiederum bei einigen Vintage-Jahren die Renditen beeinträchtigt haben (z. B. 1999/2000 bei Wagniskapital und 2006–2008 bei Buyouts). Nun könnten sich diese Marktverlaufsmuster erneut wiederholen. Immerhin liegt die Kapitalbeschaffung für große Buyouts derzeit deutlich über dem langfristigen Trend (wenn auch immer noch in geringerem Maße als in den Jahren 2006 bis 2008).

Große Buyouts: Jährliche Kapitalbeschaffung (USA/Europa) und langfristiger Trend

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Quelle: Preqin, Schroder Adveq, 2019. Große Buyouts: Fonds mit einem Volumen von 2 Mrd. EUR/USD oder mehr

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse. Die Zahlen für 2019 sind Prognosen und können sich daher ändern.

Darüber hinaus sind Unternehmen, die bereits vor dem Börsengang Bewertungen von über 1 Mrd. US-Dollar erreicht haben – sogenannte „Einhörner“ –, in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Getragen wurde diese Entwicklung durch die Beteiligungen nicht traditioneller Late-Stage-Investoren wie des von Saudi-Arabien unterstützten 100 Mrd. US-Dollar schweren Vision Fund von Softbank, der mit Abstand der größte Private-Equity-Fonds in der Branchengeschichte ist.

Die Bewertungen vieler dieser privat gehandelten Unternehmen wurden derart in die Höhe getrieben, dass am Ende, als der Gang an die öffentlichen Märkte erfolgen sollte, die Enttäuschung groß war. Uber, Lyft, Slack und Pinterest etwa, die einst die Lieblinge der Privatmärkte waren, notieren jetzt unter ihren Börseneinstandskursen. WeWork musste seinen geplanten Börsengang sogar komplett zurückziehen, nachdem selbst bei reduzierter Bewertung nicht genügend Interesse geweckt werden konnte.

Die am stärksten durch hohe Kapitalzuflüsse gefährdeten Private-Equity-Strategien scheinen generell all jene zu sein, die große Einzelinvestitionen aufnehmen können, ohne dass die Anleger dabei an Eigentumshöchstgrenzen stoßen. Dies sind in der Regel größere Fonds.

Unteres Ende des Marktes weniger teuer

Demgegenüber verfügen Marktsegmente, die eine hohe Eintrittsbarriere haben, unseres Erachtens über die gesündeste Dynamik. Kleinere Transaktionen repräsentieren ein großes investierbares Universum, das den Zugang für einige größere Fonds beschränken kann, da hier eine schnelle Bereitstellung sehr großer Kapitalmengen schwieriger ist.

Für kleine/mittlere Buyouts in den USA und Europa, Start-up-Investitionen weltweit und Investitionen der frühen Wachstumsphase in Asien waren die Trends bei der Kapitalbeschaffung zuletzt stabil oder gar rückläufig. Dies ist ein positiver Indikator für die Renditeerwartungen an ein Vintage-Jahr. Zudem hat das aktuelle Niedrigzinsumfeld es einigen Fondsmanagern ermöglicht „aufzusteigen“, indem erheblich mehr Mittel beschafft und dadurch diese kleineren Marktsegmente verlassen werden konnten. Dies trägt dazu bei, die Dynamik am unteren Ende des Marktes weiter zu stabilisieren.

Kleine/Mittlere Buyouts: Jährliche Kapitalbeschaffung (USA/Europa) und langfristiger Trend

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Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse. Die Zahlen für 2019 sind Prognosen und können sich daher ändern. Quelle: Preqin, Schroder Adveq, 2019. Kleine Buyouts: Fonds mit einem Volumen von unter 500 Mio. EUR/USD; mittlere Buyouts: Fonds mit einem Volumen von über 500 Mio. EUR/USD und unter 2 Mrd. EUR/USD. 

Eine Folge dieser divergierenden Trends bei der Kapitalbeschaffung ist, dass die Akquisitionsaufschläge für große Buyouts auf historisch teure Niveaus gestiegen sind. Bei kleinen Buyouts hingegen bewegen sich die Aufschläge weiterhin in einem angemesseneren Rahmen. Für 2020 erwarten wir, dass am unteren Ende des Marktes (bezogen auf die Transaktionsgröße) weiter die attraktivsten Anlagegelegenheiten im Private-Equity-Bereich zu finden sein werden.

Kleinere Buyouts bieten überzeugendes Wertpotenzial

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Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse. Quelle: Baird, S&P, Schroder Adveq, 2019.

Anlegerfokus auf ESG-bezogenen Themen dürfte sich 2020 weiter verstärken

Wir gehen davon aus, dass Private-Equity-Anleger im nächsten Jahr im Rahmen ihrer Investitionsentscheidungen einen stärkeren Schwerpunkt auf ESG-Merkmale und – in geringerem, aber zunehmendem Maße – „Impact Investing“ legen werden. Besondere Bedeutung gewinnt dies in Europa, wo ein erhöhtes Bewusstsein für den Klimawandel und der Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums der EU-Kommission wichtige Impulse liefern. Aber auch in anderen Regionen der Welt rechnen wir mit einer zunehmenden Bedeutung von ESG-Aspekten und wirkungsorientierten Investitionen.

 

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.

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