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Covid-19: ein Wendepunkt im Klimawandel? Mit unserem Climate Progress Dashboard messen wir die globalen Auswirkungen

Die politischen Entscheidungsträger sollten die aktuelle Krise nutzen, um die Klimapolitik mit derselben Dringlichkeit anzugehen und den Umstieg auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft zu beschleunigen.

30.04.2020
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Authors

Andy Howard
Global Head of Sustainable Investment
  • Wir weisen schon seit Jahren darauf hin, dass drastische Massnahmen erforderlich sind, um die Weltwirtschaft auf ein kohlenstoffarmes Modell umzustellen.
  • Aufgrund der verheerenden Auswirkungen von Covid-19 kam es innerhalb von wenigen Wochen – nicht Jahrzehnten – zu enormen sozialen und politischen Veränderungen. Die Dringlichkeit des Problems hatten zur Folge, dass die politischen Entscheidungsträger schlagartig aktiv wurden.
  • In Anbetracht der unmittelbaren Bedrohung durch Covid-19 haben Politiker aus gutem Grund einen Kraftakt vollzogen, um die Krise abzuwenden. Der Klimawandel stellt potenziell jedoch eine noch grössere Bedrohung dar.
  • Die Regierungen sollten die gegenwärtige Krise nutzen, um in der Klimapolitik einen Richtungswechsel vorzunehmen und neue Ziele festzulegen.

Klimawandel potenziell gefährlicher als Covid-19

Es gibt kaum einen Zweifel daran, dass die Covid-19-Pandemie hunderttausenden Menschen das Leben kosten wird. So verheerend das auch ist: Der Klimawandel könnte noch schwerwiegendere Auswirkungen auf Gesundheit und Mortalität haben.

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation wird die globale Erwärmung durch Hitzebelastung, Mangelernährung, Malaria und Durchfall – sofern sie nicht ausgebremst wird – zwischen 2030 und 2050 zusätzlich 250.000 Todesopfer pro Jahr fordern. Die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels werden auf lange Sicht ähnlich gravierend sein.

Die jüngsten Massnahmen zur Eindämmung von Covid-19 sind weitaus drastischer als die Massnahmen, die bislang zur Bekämpfung des Klimawandels ergriffen wurden. Die grossen Volkswirtschaften der Welt haben Konjunkturpakete mit einem Gesamtwert von über 4 Bio. US-Dollar angekündigt. Das Ausmass dieser fiskalpolitischen Massnahmen ist etwa doppelt so gross wie die Mittel, die diese Länder in Reaktion auf die globale Finanzkrise insgesamt aufgebracht haben.

Es ist auch mehr als zehnmal so hoch wie die jährlichen globalen Ausgaben, die von den Regierungen weltweit zur Bekämpfung des Klimawandels vorgenommen wurden.

Politische Führungsstärke bewirkt Verhaltensänderungen

Die mit dem Virus einhergehende Bedrohung hat deutlich gemacht, wie wichtig eine robuste politische Führung ist. Nachdem in Großbritannien der Lockdown verhängt wurde, sprachen sich mehr als 90 % der Briten für diese Maßnahmen aus, obwohl davor nur wenige dazu bereit waren, freiwillig den Empfehlungen zu folgen. Die Gesellschaften reagierten umgehend, als sie es mit einer klaren und erkennbaren Gefahr zu tun hatten und die Politiker entschieden handelten.

Das Klima hat von dieser Verhaltensänderung profitiert. Die CO2-Emissionen in China sind in einem vierwöchigen Zeitraum im Februar um ein Viertel gesunken. Industrie und Transportwesen, die mehr als ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen, sind praktisch zum Erliegen gekommen. 2020 dürfte das vierte Jahr in drei Jahrzehnten sein, in dem die weltweiten Emissionen zurückgehen – und dies in einem noch nie da gewesenen Ausmass.

Es ist jedoch wahrscheinlich, dass diese Effekte nur vorübergehender Natur sind. Wenn Industrie und Transport wieder hochgefahren werden, steigen auch die weltweiten CO2-Emissionen wieder. Dieses Phänomen ist nicht neu: Laut Global Carbon Project sind die Emissionen während der Finanzkrise 2008/2009 um 1,4 % gesunken. Als die Konjunktur in den grossen Volkswirtschaften dank fiskalpolitischer Hilfspakete wieder in Gang kam, stiegen die Emissionen im Jahr 2010 jedoch sprunghaft um fast 6 % an.

Einige Verhaltensänderungen, die uns das Virus aufgezwungen hat, dürften auch künftig beibehalten werden. Wir haben kürzlich darauf hingewiesen, dass auf lange Sicht eine nachhaltige Verlagerung auf Videokonferenzen und Telearbeit stattfinden dürfte. Die Emissionen werden aufgrund einer geringeren Anzahl an Geschäftsreisen zurückgehen. Solche Verhaltensänderungen sind wichtig. Trotzdem sind sie nur ein Bruchteil dessen, was noch geleistet werden muss. 

Bis zur Erreichung der Klimaziele ist es noch ein weiter Weg

Die weltweiten Regierungen haben nur langsame und schleppende Fortschritte bei der Umsetzung ihrer Umweltverpflichtungen erzielt, auf die sie sich 2015 in Paris geeinigt hatten – die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau.

Das Schroders Climate Progress Dashboard dient als objektiver Massstab dafür, wie schnell und in welchem Umfang Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Aktuell zeigt das Dashboard, dass nur wenige der potenziellen Veränderungen, die wir oben beschrieben haben, eingetreten sind. Der von zwölf Faktoren implizierte Temperaturanstieg deutet auf eine langfristige Erwärmung von 3,9 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau hin. Damit wurde gegenüber dem Vorquartal keine Änderung erzielt. 

Im ersten Quartal 2020 heben sich die zwei grössten Veränderungen gegenseitig auf: 

  • Die durchschnittlichen globalen Kohlenstoffpreise sind auf 15 Euro pro Tonne eingebrochen. Unseren Schätzungen zufolge spricht ein solches Niveau für einen weltweiten Temperaturanstieg von knapp 4 °C.
  • Ende 2019 und Anfang 2020 sind die Investitionen in fossile Brennstoffe stark geschrumpft. Somit nahm das industrielle Produktionswachstum Kurs auf einen langfristigen Temperaturanstieg von rund 3,6 °C.

Die Regierungen müssen jetzt handeln

Klimapolitische Massnahmen sind erwünscht. Die Klimasorgen der Gesellschaft sind vergleichbar mit deren Ängsten bezüglich des Coronavirus. Aus einer Umfrage, die Mitte März in Grossbritannien durchgeführt wurde, ging hervor, dass sich weitaus mehr Teilnehmer über die Folgen des Klimawandels sorgen als über die Auswirkungen, die das Coronavirus auf die Menschen haben könnte. Umfragen in den USA haben in den letzten Jahren durchweg gezeigt, dass der Klimawandel den Menschen genauso viel oder mehr Sorgen bereitet als mögliche Pandemien.

Es wird darauf ankommen, welche Entscheidungen die Politiker in den nächsten Monaten treffen. Sie können die Gelegenheit nutzen, um die Klimapolitik mit derselben Dringlichkeit anzugehen wie den Virus und den Umstieg auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft zu beschleunigen. Ein erster Schritt könnte darin bestehen, die Konjunkturmaßnahmen auf die Klimaziele auszurichten.

Es besteht jedoch die Gefahr, dass die Höhe der geplanten Regierungsausgaben zukünftige Investitionen in klimafreundliche Lösungen erschwert. Bei einer stärkeren Belastung der öffentlichen Haushalte könnte der Fortschritt erneut gehemmt werden. Wir werden die Entwicklungen genau beobachten und nach Möglichkeit Unterstützung leisten.

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