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Das Climate Progress Dashboard: Untätigkeit erhöht das Risiko für künftige Disruption

Der fehlende Fortschritt bei der Eingrenzung steigender Temperaturen bedeutet, dass der Handlungsbedarf in den kommenden Jahren immer dringender wird.

14.11.2019
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Authors

Andy Howard
Global Head of Sustainable Investment

Das Climate Progress Dashboard (CPD) von Schroders deutet im vierten Quartal 2019 weiterhin auf einen langfristigen Temperaturanstieg von 3,8 °C hin. Im Jahr 2015 hatten sich Regierungen weltweit verpflichtet, den Temperaturanstieg auf 2 °C, dem vorindustriellen Niveau, zu begrenzen. Die Diskrepanz zwischen der Realität und diesem Ziel zeigt, wie viel noch zu leisten ist. Der schleppende Fortschritt bedeutet, dass beträchtliche Disruption inzwischen unvermeidbar sein könnte.

Das CPD gibt eine Übersicht darüber, wie schnell und in welchem Umfang Klimaschutzmaßnahmen in den Bereichen umgesetzt werden, die die Dekarbonisierung voranbringen werden. Schroders entwickelte das Dashboard, um unseren Analysten, Fondsmanagern und Kunden ein objektives Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sich die Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel messen lassen. Das Dashboard unterstützt sie bei der Bewältigung dieser Herausforderung, die dramatische Auswirkungen auf die Finanzmärkte hat, aber allzu oft von hohlen Phrasen, Emotionen und Rhetorik dominiert wird.

Wie seit Einführung des Dashboards der Fall, ließen sich auch in diesem Quartal sowohl positive als auch negative Trends in verschiedenen Bereichen identifizieren. In den vergangenen drei Monaten glichen die Fortschritte die negativen Entwicklungen aus, sodass das Dashboard unverändert auf einen langfristigen Temperaturanstieg von 3,8 °C deutet. 

Geringere Investitionen in Öl und Gas: Ein großer Schritt nach vorne

Den größten Fortschritt im vergangenen Quartal stellten die relativ verhaltenen Investitionsausgaben in der Öl- und Gasindustrie dar. Da Öl- und Gasfelder endliche Ressourcen sind, muss die Branche ständig neue Felder erschließen, um den Status quo zu bewahren. Zwar wird im Pariser Abkommen mit einer sinkenden Nachfrage nach fossilen Brennstoffen gerechnet, die im Verlauf der nächsten 50 Jahren auf null sinken müsste. Dennoch werden einige weitere Investitionen für die Branche notwendig sein. 

Um den Temperaturanstieg abzuschätzen, der sich durch die Investitionsausgaben ergibt, verglichen wir die Investitionen von Öl-, Gas- und Kohleunternehmen mit ihren kombinierten Vermögenswerten, wovon wir die natürliche Abbaurate bestehender Felder abzogen. Damit schätzen wir das Produktionswachstum, das durch die Ausgaben der Unternehmen impliziert wird, sowie den Temperaturanstieg, der auf lange Sicht durch dieses Wachstum bedingt wird. 

In der Regel nehmen Investitionsausgaben bei steigenden Ölpreisen zu. In diesem Zyklus war der Anstieg bislang gering, wobei die Rohstoffpreise weiterhin relativ niedrig bleiben. 

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Nach unseren Berechnungen investiert die Branche weiterhin wesentlich mehr in die Entwicklung neuer Kapazitäten, als dies unter dem Pariser Abkommen erforderlich wäre. Jedoch ist diese scheinbare Disziplin ein Schritt in die richtige Richtung, unabhängig davon, ob sie durch Einschränkungen bei der Finanzierung erzwungen wurde oder die vorausdenkende Planung im Hinblick auf eine kohlenstoffarme Weltwirtschaft widerspiegelt. 

Drei kleine Schritte rückwärts

Andererseits wurde jeglicher Fortschritt durch drei kleinere Schritte rückwärts zunichte gemacht.

  • Die Kohlenstoffpreise in Europa sind nach den Höchstständen der Jahresmitte gesunken. Wir halten den Rückgang (auf knapp über 25 Euro/Tonne nach Höchstständen von nahezu 30 Euro/Tonne zur Jahresmitte) nicht für einen großen Rückschritt im Kontext des dreifachen Anstiegs seit Beginn des Vorjahres.
  • Fossile Brennstoffreserven stiegen den neuesten Daten zufolge an, was vor allem statistische Aktualisierungen widerspiegelt. Auch diese Entwicklung erachten wir nicht als wesentliche Änderung.
  • Änderungen des Ausblicks, auf die die Unternehmensplanung hindeutet, trugen in diesem Quartal ebenfalls zu einer leichten Eintrübung bei. Wir untersuchen die Daten, die Unternehmen dem CDP (Carbon Disclosure Project) vorlegen, um einzuschätzen, wie sehr sie sich im Kampf gegen den Klimawandel einsetzen und wie gut sie auf seine Auswirkungen vorbereitet sind (mehr über das CDP erfahren Sie hier). Unsere Analyse basiert auf den umsatzgewichteten Performance-Ratings, die das CDP für über 7.000 Unternehmen berechnet, die seinen jährlichen Fragebogen beantworten. Die aktuellen Antworten zeigen eine etwas rückläufige Entwicklung der Kennzahl zur Vorbereitung der Unternehmen. Zwar sind die Auswirkungen auf das CPD gering, die Kehrtwende nach einer anfänglich positiven Entwicklung ist jedoch bedenklich. 

Unter dem Strich sorgen diese Positiv- und Negativentwicklungen dafür, dass die Prognose für den langfristigen Temperaturanstieg gegenüber dem Vorquartal im Grunde unverändert bleibt. Um die Ziele zu erreichen, die vor fast vier Jahren in Paris festgelegt wurden, werden dringende Maßnahmen immer notwendiger. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen werden immer größere Disruption zufolge haben.

Klimakonferenz gibt Grund zur Hoffnung

Die Klimakonferenz COP25.der UN war für die ersten beiden Dezemberwochen im chilenischen Santiago angesetzt. Nun hat Chile die Gastgeberrolle aufgrund sozialer Unruhen aber an Spanien abgegeben. Auf der Konferenz, die jedes Jahr stattfindet, sprechen Politiker aus der ganzen Welt über die Maßnahmen, die sie ergreifen, um das Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen, den Temperaturanstieg auf das vorindustrielle Niveau von höchstens 2 °C zu begrenzen.

Das Abkommen aus dem Jahr 2015 legte einen Zeitrahmen fest, demzufolge es 2020 in Kraft tritt. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen die einzelnen Länder die Maßnahmen überprüfen, die sie zur Senkung der Treibhausemissionen ergreifen. Ab 2020 müssen sie regelmäßig über diese Emissionen Bericht erstatten und ihre Maßnahmen alle fünf Jahre verschärfen. Angesichts der wissenschaftlichen Belege dafür, dass Treibhausemissionen schon ab 2030 sinken müssen, um die Verpflichtungen des Pariser Abkommens zu erfüllen, besteht ein klares Gebot für größeren Ehrgeiz und eine größere Bereitschaft, diesen Ehrgeiz auch in die Tat umzusetzen. 

Seit der Ratifizierung des Pariser Abkommens im Jahr 2016 pflegt die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) eine Datenbank der nationalen Ziele im Kampf gegen den Klimawandel. Wir haben diese Datenbank analysiert und die Daten der neusten offiziellen Ziele verfolgt, zu denen sich die Länder im Laufe der Zeit verpflichtet haben (Abbildung unten links). Viele Länder haben Ziele angekündigt, die über diese Unterlagen hinausgehen. Daher sind positive Überraschungen möglich, wenn diese ehrgeizigeren Ziele in die offiziellen Unterlagen aufgenommen werden (so die Verpflichtung Großbritanniens zur Karbonneutralität bis 2050). 

Es ist aber auch klar, dass noch viel mehr zu tun bleibt. Der Climate Action Tracker fasst die nationalen Ziele zusammen, um den langfristigen Temperaturanstieg zu messen, der sich aus diesen Zielen und Richtlinien ergeben würde. Dieser Temperaturanstieg ist in den vergangenen Jahren leicht gesunken, ist aber noch weit von den 2 °C entfernt, auf die sich die Länder geeinigt hatten. 

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Ein deutlich härteres politisches Vorgehen gegen den Klimawandel scheint unvermeidlich, da die Kluft zwischen den einzelnen Zusagen und dem globalen Engagement immer größer wird. Der zeitliche Rahmen dieser Maßnahmen ist nach wie vor unklar.

Fazit

Unsere Analyse des Fortschritts in den Bereichen, in denen Veränderungen notwendig sind, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und den langfristigen Temperaturanstieg zu begrenzen, zeigt, dass härtere Maßnahmen notwendig sind. Da die Zeit für einen reibungslosen Übergang ausläuft, steigt die Wahrscheinlichkeit eines schnelleren Wandels mit unvermeidlich störenden Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Noch ist vieles unklar und es ist schwer zu sagen, wann eine Neubewertung an den Finanzmärkten eintritt. Klar ist aber: Je länger wir warten, desto größer werden die Risiken. 

Überblick über die Änderungen

Die folgende Abbildung stellt die Änderungen der einzelnen Indikatoren gegenüber der letzten Aktualisierung im zweiten Quartal 2019 dar.

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Die folgende Abbildung zeigt die Veränderungen der einzelnen Indikatoren seit Einführung des Climate Progress Dashboards Mitte 2017.

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