IN FOCUS6-8 Min. Lesezeit

Wie die russische Invasion der Ukraine die globale Lebensmittelversorgung bedroht

Der entsetzliche Krieg in der Ukraine verschlechtert die bereits fragile Versorgungslage mit Lebensmitteln in der Welt.

08.03.2022
wheat-field-blue-sky

Authors

Felix Odey
Analyst für erneuerbare Energien
Alexander Monk
Analyst für erneuerbare Energien
Mark Lacey
Leiter Global Resource Equities, Portfoliomanager

Es ist in erster Linie die Bevölkerung der Ukraine, die die schwerwiegenden Folgen des russischen Überfalls zu spüren bekommt. Doch schon bald wird diese Krise die Nahrungsmittelversorgung gefährden, was weitreichendere Folgen rund um den Globus haben wird.

Russlands Rolle als Öl- und Gaslieferant weltweit ist ein viel besprochenes Thema. Der Status des Landes als wichtiger Erzeuger von Agrarrohstoffen bedeutet jedoch, dass ein reales Risiko einer künftigen Knappheit an Lebensmitteln besteht. Dieser Umstand unterstreicht die Notwendigkeit, eine nachhaltige Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser zu gewährleisten.

Russland, ein wichtiger Erzeuger von Getreide und Düngemitteln

Auf Russland und die Ukraine entfallen rund 30 % der weltweiten Weizenexporte, wie die folgende Abbildung zeigt. 

how_russia_DE_01

Eine Unterbrechung der Weizenexporte hat Auswirkungen für Verbraucher sowohl im Hinblick auf die Verfügbarkeit als auch den Preis. Es sind die Schwellenländer, die höchstwahrscheinlich am stärksten davon betroffen sein werden, denn der russische Weizen wird gewöhnlich an diese Märkte geliefert. Die Hauptabnehmer in den vergangenen Jahren waren Ägypten, die Türkei und Bangladesch.

Die Situation könnte sich noch zusätzlich verschlimmern, wenn reichere Staaten wie beispielsweise die EU beschließen, auf den Agrarmärkten einzugreifen und Lebensmittelpreise zu subventionieren, um die Teuerung für ihre Bürger zu begrenzen. In diesem Fall wird das Ungleichgewicht bei der Versorgung mit Lebensmitteln zwischen reicheren und ärmeren Ländern noch größer, denn in letzteren, die bereits an einer Knappheit leiden, steigen die Preise über das Niveau, das sich die dortige Bevölkerung leisten kann.

Der norwegische Düngemittelhersteller Yara machte unlängst eine besorgniserregende Ankündigung in Bezug auf das mögliche Ausmaß des Getreidemangels infolge der Störung der Landwirtschaft.

Yara äußerte sich so: „Landwirte befinden sich jetzt in einer äußerst wichtigen Phase der Anbausaison, in der Inputfaktoren wie Dünger, Saatgut und Wasser den Ertrag der kommenden Ernte entscheiden. Die Berechnungen des schlimmsten Szenarios ergeben, dass die nächste Ernte um 50 % geringer ausfällt, wenn der Boden nicht gedüngt wird.”

Selbst wenn die Unterbrechung in der Versorgung nur auf die Ukraine beschränkt wäre, wären die Auswirkungen äußerst alarmierend. Doch das Ausmaß des Problems ist um einiges größer. So ist Russland nicht nur ein wichtiger Erzeuger von Weizen, sondern liefert auch die Rohstoffe für Düngemittel, so Stickstoff, Phosphat und Kali.

Insbesondere der Kalimarkt ist stark konzentriert. 80 % aller Kaliexporte entfallen auf nur drei Länder: Kanada, Weißrussland und Russland; 40 % stammen von den letzten beiden (Zahlen von Yara).

Die wirtschaftlichen Sanktionen, die der Westen gegen Russland und Weißrussland verhängt hat, werden den Handel mit diesen Rohstoffen unterbrechen. Im Ergebnis wird sich das auf die Getreideerträge in Ländern auf der ganzen Welt auswirken.

Die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln ist bereits durch den Klimawandel gefährdet

Die landwirtschaftlichen Anbauflächen geraten bereits durch den Klimawandel und extreme Wetterereignisse unter Druck. So fiel bereits im vergangenen Jahr Kanadas Weizenproduktion aufgrund des heißen und trockenen Sommers geringer aus. Wissenschaftlichen Prognosen zufolge werden bei einer Erderwärmung von unter 2 °C die Maisernten um 14 % und die von Weizen um 12°% sinken.

Gleichzeitig benötigt die wachsende Erdbevölkerung größere Mengen an Lebensmitteln.

Der kürzlich veröffentlichte Klimabericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses der Vereinten Nationen für Klimawandel stellt kategorisch fest, dass „der Klimawandel zunehmend Druck auf die Nahrungsmittelerzeugung und den Zugang zu Lebensmitteln ausüben wird, insbesondere in gefährdeten Regionen, was ein Risiko für die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln und die Ernährung darstellt.

Eine Erderwärmung von 2 °C oder mehr würde die Gesundheit der Böden und Aktivitäten des Ökosystem (wie Bestäubung) schwächen, Probleme durch Schädlinge und Krankheiten verstärken und die Biomasse der Meereslebewesen reduzieren, was in vielen Regionen die Erzeugung von Lebensmitteln an Land und im Meer beeinträchtigen würde.”

Der Überfall auf die Ukraine und dessen Folgen für die Versorgung mit Dünger und Nahrungsmitteln macht die Schwächen der Lebensmittel- und Wasserversorgungsysteme sichtbar und verstärkt sie weiter.

Wenn nichts dagegen unternommen wird, könnten die Folgen für die Welt äußerst negativ sein. Lebensmittelengpässe werden eine Kriegsfolge sein, aber die unzureichende Versorgungssicherheit mit Nahrung selbst kann eine Ursache für weitere Konflikte sein.

Wir kehren noch einmal zum Statement von Yara zurück: „Eine instabile Versorgung mit Nahrungsmitteln führt in Teilen der Welt zu Hungersnöten, erhöhter Sterblichkeit, bewaffneten Konflikten, Migration, Unruhen und destabilisierten Gesellschaften. Dadurch können sich geopolitische Spannungen noch weiter verschlimmern.” Wir vertreten dieselbe Ansicht.

Eine nachhaltige Lebensmittel- und Wasserversorgung muss weltweit Priorität sein

Heute ist die Welt nach unserer Einschätzung mit einer der dringendsten Herausforderungen konfrontiert: eine nachhaltige Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser sicherstellen. Wir brauchen Unternehmen, die die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln und deren Nachhaltigkeit gewährleisten, um der Entwicklung schnell gegenzusteuern und diese negativen Folgen zu verhindern.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen unseres Erachtens bis 2050 30 Bio. US-Dollar investiert werden. Der Strukturwandel beruht auf drei Säulen: 1) Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge und Effizienz, was durch Technologie ermöglicht werden kann; 2) Änderung der weltweiten Ernährungsweise, darunter Senkung des Fleischkonsums; 3) Reduzierung von Abfall und Emissionen in großem Umfang.

 

Wichtige Informationen:

Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht. Das Material ist nicht als Buchhaltungs-, Rechts- oder Steuerberatung oder als Anlageempfehlung gedacht und sollte auch nicht als solche angesehen werden. Schroders geht davon aus, dass die hierin enthaltenen Informationen zuverlässig sind, übernimmt jedoch keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Für Irrtümer in Bezug auf Fakten oder Meinungen kann keine Verantwortung übernommen werden. Bei individuellen Investitions- und/oder strategischen Entscheidungen sollte man sich nicht auf die Ansichten und Informationen in diesem Dokument verlassen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, die Kurse von Aktien und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und Investierende erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.

Abonnieren Sie unsere Insights Artikel

Wählen Sie die Kategorien aus, die Sie am meisten interessieren und erhalten Sie unsere Insights Artikel direkt per E-Mail.

Wichtige Informationen:


Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht. Das Material ist nicht als Buchhaltungs-, Rechts- oder Steuerberatung oder als Anlageempfehlung gedacht und sollte auch nicht als solche angesehen werden. Schroders geht davon aus, dass die hierin enthaltenen Informationen zuverlässig sind, übernimmt jedoch keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Für Irrtümer in Bezug auf Fakten oder Meinungen kann keine Verantwortung übernommen werden. Bei individuellen Investitions- und/oder strategischen Entscheidungen sollte man sich nicht auf die Ansichten und Informationen in diesem Dokument verlassen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, die Kurse von Aktien und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und Investierende erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.

Authors

Felix Odey
Analyst für erneuerbare Energien
Alexander Monk
Analyst für erneuerbare Energien
Mark Lacey
Leiter Global Resource Equities, Portfoliomanager

Themen

Im Fokus
Aktien
Rohstoffe
Alexander Monk
Felix Odey
Mark Lacey
Alpha
Marktansichten
Welt
Themengebiete
Globale Transformation
Sustainable food and water
Ihr Kontakt zu Schroders
Folgen Sie uns

Nur für professionelle Investoren. Diese Seite ist nicht für Privatanleger geeignet.

Die auf dieser Website und all unseren Social Media Kanälen gewählte männliche Form bezieht sich immer zugleich auf weibliche, männliche und diverse Personen.

Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch Taunustor 1 (TaunusTurm) 60310 Frankfurt am Main Deutschland

Schroders ist ein weltweit führender Vermögensverwalter mit Standorten in 37 Märkten in Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika, Asien-Pazifik und im Nahen Osten.

Schroder ISF steht im gesamten Text für Schroder International Selection Fund. Schroder AS steht im gesamten Text für Schroder Alternative Solutions. Schroder SSF steht im gesamten Text für Schroder Special Situations Fund. Schroders hat in diesem Dokument eigene Ansichten und Meinungen zum Ausdruck gebracht. Diese können sich ändern.

Die in der Vergangenheit erzielte Performance gilt nicht als zuverlässiger Hinweis auf künftige Ergebnisse. Anteilspreise und das daraus resultierende Einkommen können sowohl steigen als auch fallen; Anleger erhalten eventuell den investierten Betrag nicht zurück.

Das dient nur zur Veranschaulichung und stellt keine Anlageempfehlung für die oben genannten Wertpapiere/Branchen/Länder dar.

Schroder Investment Management (Europe) S.A. unterliegt dem luxemburgischen Gesetz vom 17. Dezember 2010.

Schroder Real Estate KVG mbH, Taunustor 1 (Taunusturm), 60310 Frankfurt am Main Deutschland

Schroder Real Estate Asset Management GmbH, Maximilianstraße 31, 80539 München Deutschland

Schroder Real Estate stellt seinen Kunden eine breite Palette an Pan-Europäischen Immobilienprodukte wie offene und geschlossene Immobilienfonds, Spezialfonds und Dachfonds oder börsennotierte REITs und Immobilienaktienfonds zur Verfügung.

© Copyright 2024 Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch. Alle Rechte in allen Ländern.