IN FOCUS6-8 Min. Lesezeit

Kann man wirklich nachhaltig investieren und trotzdem gute Erträge erzielen?

Es herrscht immer noch die Ansicht vor, dass ESG-Investments in zunehmendem Maße unvereinbar sind mit laufenden Erträgen. Wir sind anderer Meinung.

23.04.2020
deforestation

Authors

Lesley-Ann Morgan
Global Head of Pensions and Retirement
Jingjing Cui
Fund Manager

Für Anleger wird es immer schwieriger, ansehnliche Erträge zu erzielen und gleichzeitig ein gutes Gewissen zu haben.

Der Grund hierfür ist recht einfach: Die Anleger möchten nicht in Unternehmen und Länder investieren, die in ihren Augen Schäden anrichten. Das ist eine ethische Haltung, aber auch der Grund, weshalb diese Anleger die Aussichten bestimmter Branchen infrage stellen.

Die Renditen von Energie- und Tabakunternehmen gehören beispielsweise zu den höchsten am Markt. Dasselbe gilt für Versorgungsunternehmen, die zu den größten Verbrauchern fossiler Brennstoffe zählen.

Dadurch hat sich bis zu einem gewissen Grad die Ansicht durchgesetzt, dass laufende Erträge unvereinbar sind mit ESG-Investments (deren Schwerpunkt auf den Themen Umwelt, Soziales und Governance liegt). Wir sind anderer Meinung.

Unseres Erachtens gibt es drei Methoden, mit denen ertragsorientierte Anleger sicherstellen können, dass ihre Erträge nachhaltig sind.

1. Hinter die Gesamtzahlen blicken

Auf den ersten Blick hat es den Anschein, dass Aktiensektoren mit den höchsten Dividendenrenditen normalerweise niedrigere „Nachhaltigkeits-Scores“ aufweisen. Dagegen zeichnen sich Sektoren mit den niedrigsten Dividendenrenditen durch etwas höhere „Nachhaltigkeits-Scores“ aus (Abb. 1).

Der „Nachhaltigkeits-Score“ bezieht sich auf die Bewertung durch unser eigenes Tool, SustainEx. Mit diesem Tool analysieren und quantifizieren wir die Auswirkungen, die Unternehmen in dem Sektor auf ihre Stakeholder und den Planeten haben. Dabei gehen wir über die reinen Geschäftsberichte der Unternehmen hinaus und erfassen sowohl positive als auch negative externe Effekte.

Beispielsweise sind Versorgungsunternehmen häufig in der Lage, hohe Dividenden auszuschütten, da sie über regulierte Anlagen verfügen, der Wettbewerb in der Branche begrenzt ist und die Versorger mit einer höheren Sicherheit die Preise anheben können als Unternehmen aus anderen Sektoren.

Unternehmen aus dem Basiskonsumgütersektor zeichnen sich dagegen durch beständige Erträge aus, die nicht auf neue Konsumtrends oder gesamtwirtschaftliche Schwankungen reagieren. In puncto Nachhaltigkeit schneiden beide Sektoren jedoch schlecht ab. Bei Versorgern liegt dies darin begründet, dass sie nicht erneuerbare Energien verbreiten und nutzen. Anbieter von Basiskonsumgütern stehen indes schlecht da, weil sie von gesundheitsschädlichen Produkten oder Suchtmitteln wie Alkohol und Tabak profitieren.

image2

image3

Diese Gesamtzahlen verschleiern die Unterschiede zwischen den Unternehmen, die erst auf den zweiten Blick sichtbar werden.

Um noch einmal auf die zwei Sektoren zurückzukommen, die als Beispiele angeführt wurden: Aus Abbildung 2 geht hervor, dass es viele Unternehmen gibt, die hohe Renditen und gleichzeitig Nachhaltigkeits-Scores von Null oder über Null erzielen – was bedeutet, dass es unwahrscheinlich ist, dass diese Unternehmen wesentliche negative Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Tatsächlich haben viele Versorgungsunternehmen positive Auswirkungen auf die Gesellschaft, und viele von ihnen verbuchen hohe Renditen. Das Kunststück besteht darin, in und zwischen den Sektoren selektiv vorzugehen.

2. Einen Multi-Asset-Ansatz verfolgen

Mit einem Multi-Asset-Ansatz können Anleger ihre Ertragsquellen diversifizieren.

Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels können entlang des gesamten Anleihespektrums sowie mit Anleihen aus den Schwellenländern und alternativen Anlagen – wie Vorzugsaktien, versicherungsbezogenen Anlagen (ILS) und Immobilien (Abb. 3) – attraktive Renditen erwirtschaftet werden. Das Risikoprofil dieser Anlagen unterscheidet sich vom Risikoprofil herkömmlicher ertragsorientierter Anlagen wie hochverzinsliche Aktien und Staatsanleihen. Dank der Diversifizierung können Anleger auch Strategien anwenden, die auf eine höhere Nachhaltigkeit abzielen, beispielsweise thematische Investments wie Aktien aus dem Sektor für erneuerbare Energien oder grüne Anleihen.

image4

Es geht jedoch nicht nur um die Diversifizierung zwischen den Anlageklassen. Anleger müssen sich auch darüber Gedanken machen, wo sich innerhalb der Anlageklassen Ertragschancen bieten.

Dies lässt sich auch unter einem anderen Aspekt betrachten: Um höhere Renditen zu erzielen, müssen Anleger in der Regel höhere Risiken eingehen. Dies liegt darin begründet, dass Anleger für ihre höhere Risikobereitschaft mit höheren Renditen entschädigt werden. Anleger können ihre Portfolios in Marktsegmenten positionieren, die sowohl höhere Erträge als auch bessere Nachhaltigkeits-Scores erzielen, indem sie etablierte Risikokennzahlen mit neuen nachhaltigen Ansätzen kombinieren, die dem Risiko Rechnung tragen.

Ein Multi-Asset-Ansatz bietet auch vielfältige Möglichkeiten für den Aufbau nachhaltiger Portfolios. Über Aktien sprachen wir bereits. Dasselbe gilt für Unternehmensanleihen, bei denen Anleger Unternehmen Geld leihen, anstatt Aktien des Unternehmens zu erwerben. Letztendlich werden Unternehmen, die der Gesellschaft oder der Umwelt schaden, als weniger nachhaltig betrachtet als jene, die eine positive Auswirkung erzielen.

Schwieriger wird es, wenn es um Kredite an Regierungen geht. Das Urteil hinsichtlich der Nachhaltigkeit ist hier subjektiver. Wir verfügen jedoch über Tools, mit denen wir die Länder anhand ihrer Nachhaltigkeit in eine entsprechende Rangfolge bringen können. Beispielsweise verwenden wir ein Tool, das wir als „Country Sustainability Dashboard“ bezeichnen. Dieses gibt uns einen ersten Hinweis darauf, wo die Länder in der Nachhaltigkeits-Rangliste angesiedelt sind. In Abbildung 4 werden die Nachhaltigkeits-Scores ausgewählter Länder mit den Anleiherenditen verglichen.

image5

Bei nachhaltigen Investments geht es jedoch nicht nur darum, Kapital bereitzustellen und abzuziehen. Bei Aktien lässt sich Nachhaltigkeit besser mit einer aktiven Beteiligung als mit einer Veräußerung des Titels erzielen. Hierfür stehen die Anleger im Dialog mit den Geschäftsleitungen und fordern diese zu einem Wandel auf.

Bei Unternehmensanleihen vergeben Anleger Kredite an Unternehmen, die von den Geschäftsleitungen für nachhaltige Projekte genutzt werden sollen. Wenn entsprechende Projekte ausbleiben, können die Anleger ihre Mittel abziehen.

Schwieriger ist es, auf Regierungen oder ihre Kapitalbasis einzuwirken. Es ist jedoch möglich, dass ein großer Anlegerstamm kollektive Maßnahmen ergreift. Staatsanleihen werden häufig als Tool für das Risikomanagement und nicht als Mittel zur Generierung von Erträgen eingesetzt. Abbildung 3 oben veranschaulicht die relativ niedrigen Renditen.

3. Flexibel bleiben

Mit einem dynamischen Ansatz können Anleger ihr Portfolio gegenüber dem Bewertungsrisiko absichern und Bewertungschancen nutzen. Gleichzeitig können sie damit die Risiken und Chancen meistern, die mit der Unsicherheit des Konjunkturzyklus einhergehen.

Die Anfangsrenditen sind nicht immer ein guter Anhaltspunkt für zukünftige Erträge. Tatsächlich kann eine hohe Anfangsrendite darin begründet liegen, dass die Anlage mit einem höheren Risiko einhergeht (siehe Abb. 5).

image6

Deshalb sollte man Kennzahlen wie die Ausschüttungsquoten und die Dividendendeckung (bei Aktien) sowie die Zinsdeckung und das Verhältnis zwischen EBITDA und Verschuldung (bei Unternehmensanleihen) im Auge behalten. Da SustainEx zukunftsgerichtet ist, kann damit die Widerstandsfähigkeit von Dividenden beurteilt werden.

Mit einem dynamischen Ansatz können Anleger „Wertfallen“ vermeiden, die eine Gefahr für künftige Dividenden oder Kupons darstellen, und stattdessen auf Bereiche setzen, in denen attraktive Renditen von starken Fundamentaldaten untermauert werden.

Neben dem Bewertungsrisiko sind ertragsorientierte Strategien gegenüber Änderungen im Konjunkturzyklus anfällig. Aktien und Unternehmensanleihen sind zyklischer Natur. Ertragsreiche Segmente können von Dividendenkürzungen und Unternehmensausfällen betroffen sein. Mit einem dynamischen Ansatz können Anleger den Konjunkturzyklus meistern, indem sie bei einem Abschwung oder in rezessiven Phasen von zyklischen in defensive Strategien umschichten und in der Erholungs- und Wachstumsphase des Konjunkturzyklus umgekehrt vorgehen (siehe Abb. 6).

image7

Ein dynamischer Ansatz erweist sich auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit als wertvoll. Die Nachhaltigkeits-Ranglisten sind meistens recht beständig, wobei die Sektoren Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter durchweg am besten bzw. am schlechtesten abschneiden (siehe Abb. 7).

image8

Das bedeutet aber nicht, dass die Sektoren keine andere Position innerhalb der Nachhaltigkeits-Rangliste einnehmen können. Einige Branchen und Sektoren verändern sich und beeinflussen dadurch andere Branchen und Sektoren. So könnte sich die kontinuierliche Weiterentwicklung erneuerbarer Energien, die „versorgerähnliche“ Renditen erzielen, negativ auf die Cashflows im Öl- und Gassektor auswirken.

Zusammenfassung

Wir sind der Ansicht, dass anhand der folgenden Methoden ein Portfolio erstellt werden kann, das nachhaltige und laufende Erträge erzielt:

  • Die Zahlen zu Erträgen und Nachhaltigkeit müssen differenziert betrachtet werden, und das Portfolio sollte aktiv in und zwischen den Anlageklassen positioniert werden.
  • Ein Multi-Asset-Ansatz sollte verfolgt werden, um mit vielfältigeren Tools sowohl die Ertrags- als auch die Nachhaltigkeitsziele des Portfolios zu erreichen.
  • Die Positionierung des Portfolios sollten dynamisch verändert werden, um von den unterschiedlichen Ertrags- und Nachhaltigkeitseigenschaften auf dem Markt zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu profitieren.

 

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.

Wichtige Informationen: Bei dieser Mitteilung handelt es sich um Marketingmaterial. Die Einschätzungen und Meinungen in diesem Dokument geben die Auffassung des Autors bzw. der Autoren auf dieser Seite wieder und stimmen nicht zwangsläufig mit Ansichten überein, die in anderen Veröffentlichungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck kommen. Dieses Material dient ausschliesslich zu Informationszwecken und ist in keiner Hinsicht als Werbematerial gedacht.

Das Dokument stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments dar. Es ist weder als Beratung in buchhalterischen, rechtlichen oder steuerlichen Fragen noch als Anlageempfehlung gedacht und sollte nicht für diese Zwecke genutzt werden.

Die Ansichten und Informationen in diesem Dokument sollten nicht als Grundlage für einzelne Anlage- und/oder strategische Entscheidungen dienen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Der Wert einer Anlage kann sowohl steigen als auch fallen und ist nicht garantiert. Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden. Dazu gehört unter anderem der mögliche Verlust des investierten Kapitals. Die hierin aufgeführten Informationen gelten als zuverlässig. Schroders garantiert jedoch nicht deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Einige der hierin enthaltenen Informationen stammen aus externen Quellen, die von uns als zuverlässig erachtet werden. Für Fehler oder Meinungen Dritter wird keine Verantwortung übernommen.

Darüber hinaus können sich diese Daten im Einklang mit den Marktbedingungen ändern. Dies schliesst jedoch keine Verpflichtung oder Haftung aus, die Schroders gegenüber seinen Kunden gemäss etwaig geltender aufsichtsrechtlicher Vorschriften wahrnimmt. Die aufgeführten Regionen/Sektoren dienen nur zur Veranschaulichung und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Die im vorliegenden Dokument geäusserten Meinungen enthalten einige Prognosen. Unseres Erachtens stützen sich unsere Erwartungen und Überzeugungen auf plausible Annahmen, die unserem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass sich etwaige Prognosen oder Meinungen als richtig erweisen. Diese Einschätzungen oder Meinungen können sich ändern. Herausgeber dieses Dokuments: Schroder Investment Management Limited, 1 London Wall Place, London EC2Y 5AU, Grossbritannien. Registriert in England unter der Nr. 1893220. Zugelassen und beaufsichtigt durch die Financial Conduct Authority.

Authors

Lesley-Ann Morgan
Global Head of Pensions and Retirement
Jingjing Cui
Fund Manager

Themen

Im Fokus
Multi-Asset
Multi-Asset-Lösungen
Nachhaltigkeit
Thematics
Klimawandel
ESG
Umwelt
Welt
Ihr Kontakt zu Schroders
Folgen Sie uns

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermassen für alle Geschlechter.

Die Webseite von Schroder Investment Management (Switzerland AG) (nachfolgend SIMSAG) ist ausschliesslich an qualifizierte Anleger mit Wohnsitz oder eingetragenem Firmensitz in der Schweiz gerichtet. Die Webseite enthält auch Informationen zu kollektiven Kapitalanlagen, welche nicht zum Vertrieb an nicht-qualifizierte Anleger zugelassen sind.

Dient nur zur Veranschaulichung und stellt keine Anlageempfehlung für die oben genannten Wertpapiere/Branchen/Länder dar.