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Lebensmittel, Wasser, Energie – wie können sich Anleger vor dem Hintergrund des Klimawandels verhalten?

In diesem Jahr wollen die Kassandrarufe der potenziell verheerenden Konsequenzen der Klimaerwärmung nicht verstummen. Wir untersuchen, was es bedeutet, in diese Sektoren zu investieren.

15.06.2022
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Authors

Felix Odey
Analyst für erneuerbare Energien

Der Druck auf die Erzeuger von Lebensmittel sowie die Wasserversorgung weltweit nimmt aufgrund des Klimawandels zu. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, Massnahmen gegen die möglicherweise katastrophalen Konsequenzen zu ergreifen.

Unheilvolle Meldungen zu steigenden Temperaturen in der Welt hört man immer öfter. Der jüngsten Schätzung der Weltorganisation für Meteorologie zufolge, besteht eine 50 %-ige Wahrscheinlichkeit, dass der globale Temperaturanstieg vor 2026 den entscheidenden Grenzwert von 1,5 °C übersteigt.

Der aktuelle Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimawandel (IPCC) betonte, dass wir bereits irreparable Auswirkungen der Klimaänderung sehen. Wenn man keine substanziellen und unverzüglichen Massnahmen in allen Sektoren und Ländern ergreift, könnten die Folgen katastrophal sein, wurde hervorgehoben.

Eine rasche Beendigung der Emissionen von Kohle und Methan ist erforderlich. Ebenso sind ein massiver Anstieg der Kapitalinvestitionen in den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Welt sowie in die Kohlenstoffbindung und die Wiederaufforstung ein Muss. Bleiben diese Schritte aus, sind ein rasch ansteigender Meeresspiegel, extremere Wetterereignisse, Verlust von Lebensräumen sowie ausserordentlich belastende Ereignisse für die weltweite Versorgungslage mit Lebensmitteln zu erwarten.

Laut IPCC sind 40 % der Weltbevölkerung für den Wandel des Klimas „äusserst anfällig“ geworden. Im Jahr 2050 übersteigt die Bevölkerung der Erde vermutlich 10 Milliarden Menschen. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser wird, verglichen zum Stand von 2010, einen Anstieg von 70 % ausmachen (Quelle: FAO, USDA, OECD, Our World in Data). Gleiches gilt für den erhöhten Energiebedarf.

Die Welt wird sich auf dem Weg dorthin, insbesondere mit den Änderungen, die wir im kommenden Jahrzehnt durchführen, tiefgreifend transformieren.

Naturbasierte Lösungen und Technologien spielen eine entscheidende Rolle

Ein ganz wesentlicher Punkt des IPCC-Berichts ist, dass wir das Problem des Klimawandels nicht isoliert betrachten. Der Ausgleich oder die Verringerung von Kohlenstoffemissionen ist keine Patentlösung. Die globale Umwelt ist inhärent miteinander verbunden, und eine umfangreichere Landnutzung ist eine grundlegende Variable.

Annahmen zur Klimamodellierung des IPCC und ähnlicher Organisationen ziehen eine bestimmte Landnutzung und die natürliche Kohlenstoffstabilisierung aus Ökosystemen wie Mooren, Wäldern und Ozeanen in Betracht. Natürliche Umweltstabilisatoren werden mit alarmierender Geschwindigkeit zerstört und nähern sich einem Wendepunkt, an dem negative Rückkopplungsschleifen einen unwiederbringlichen Abbau dieser wesentlichen natürlichen Ressourcen verursachen.

Auf die Lebensmittelproduktion entfallen 25 % der Treibhausgasemissionen, 65 % des Süsswasserverbrauchs und 40 % der Landnutzung, so die FAO. Die Nahrungsmittelproduktion erfolgt oft in der Nähe von wichtigen stabilisierenden Ökosystemen wie dem Ozean oder den Regenwäldern oder nutzt diese sogar. Der IPCC betont, dass die Unternehmen die von ihnen verursachten Umweltschäden nicht nur minimieren, sondern sie auch angehalten werden müssen, die Regeneration dieser natürlichen Ressourcen zu fördern.

Ein grosser Nutzen für die Eindämmung des Klimawandels wäre die Einführung bestimmter Landnutzungspraktiken. Hierzu gehören Mischkulturen (Anbau von mehr als einer Kultur in unmittelbarer Nähe), Bodenbedeckung im Winter, um Böden mit einem höheren Organikanteil zu fördern, und die Steigerung des organischen Eintrags.

Zum Ausgleich bzw. zum Ersatz der CO2-Emissionen der Energieversorgung und Verkehrssysteme gelangen Forstwirtschaft und Biokraftstoffe vermehrt zum Einsatz. Bei fehlerhaftem Management erhöht sich dadurch der Druck auf Landnutzung und natürliche Stabilisatoren. Die Bedeutung, die naturbasierten Problemlösungen und Technologien zukommt, wird hiermit in den Vordergrund gestellt. Denn sie heben den Ertrag und die Effizienz der Ressourcen an, um lebensnotwendige Dinge wie Nahrungsmittel herzustellen und Energie zu erzeugen.

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Anleger?

Der Wandel in den Wertschöpfungsketten Energiewende, Lebensmittel und Wasser verlangt eine gewaltige Umverteilung von Kapital. Laut den Prognosen von BNEF, WRI und UN beläuft sich der Kapitalbedarf der kommenden dreissig Jahre auf über 130 Bio. US-Dollar. In der Vergangenheit hat diese Umschichtung des Kapitals bei Unternehmen, die erfolgreich Erträge aus höheren Kapitalausgaben erwirtschafteten, zu einem Kursanstieg geführt.

Es lassen sich verschiedene Impulsgeber sowie Kapitalquellen feststellen. Des Weiteren betont der IPCC-Bericht, dass Lösungen sowie Auslöser für den Wandel genauso weitreichend sein müssen, wie die Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert werden.

Doch für Anleger lautet die Lösung nicht einfach die Veräusserung bestimmter Unternehmen oder die Umschichtung in ein oder zwei ESG-Spitzenreiter. Dieser sich über Jahrzehnte erstreckende Trend wird weit verbreitet sein und erfordert eine Anlageperspektive. Also eine Sichtweise, die die Nuancen innerhalb und die Verbindungen zwischen den einflussreichsten Teilsektoren des sich ändernden Systems einbezieht.

Wir folgen, als Anleger in die Anlagethemen des Übergangs – Lebensmittel, Wasser und Energie – einem Nachhaltigkeitsansatz, der sich auf drei Säulen stützt:

  • 1) Schaffung eines Anlageuniversums potenzieller Beteiligungsunternehmen, das sich über die gesamte Wertschöpfungskette dieses Themenbereichs erstreckt. Gleichzeitig wird jedoch der Fokus auf die Problemstellung gelegt, die diese Anlagen lösen sollen.
  • 2) ESG- und Nachhaltigkeitsanalyse von Unternehmen zu Unternehmen, damit wir zwischen Unternehmen im Hinblick auf ihre Arbeitsweise und ihren Geschäftszweck unterscheiden.
  • 3) Engagement mit den etablierten sowie den Unternehmen, die die von uns benötigten Produkte und Dienstleistungen anbieten.

Der IPCC-Bericht bringt es auf den Punkt: Falsche Massnahmen sind zu vermeiden, die negative und ungewollte Konsequenzen haben.

Der Bericht empfiehlt hingegen eine Politik sowie Investitionen, die Unternehmen unterstützen, die gesamte Bandbreite der Bedürfnisse der Interessengruppen und Ziele, darunter auch die soziale Gerechtigkeit, in den Griff zu bekommen. Die Ziele der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Entwicklung bieten eine greifbare Möglichkeit, um zu eruieren, welche Unternehmen umfassendere Umweltziele mit wichtigen sozialen Zielsetzungen in Einklang bringen.

Der IPCC-Bericht ist ein Menetekel vor den Gefahren der Untätigkeit. Er zeigt auf, dass wir nur den allerersten Anfang des Wandels gesehen haben, der in den Bereichen Energie, Lebensmittel und Wasser erforderlich ist. Zur wirkungsvollen Bekämpfung des Klimawandels müssen die Investitionen in die Landwirtschaft und den Landbereich gegenüber dem aktuellen Stand um das Drei- bis Sechsfache steigen.

Es ist die Aufgabe von Anlegern, Unternehmen, Staaten und Organisation wie der IPCC Daten, Kapital und Vorschriften aufeinander abzustimmen. Nur so lassen sich die erforderlichen Änderungen bewerkstelligen, ehe deren Durchführung noch belastender und schwieriger wird.

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