Private Assets-Views Q2 2023 – Durch den Abschwung navigieren

Ein regelmässiges Update aus unserem Geschäftsbereich Private Assets mit einer detaillierten Betrachtung der Risiken und Chancen für die einzelnen Private-Asset-Klassen

10.05.2023
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Authors

Dr. Nils Rode
Chief Investment Officer, Schroders Capital

Seit dem vergangenen Oktober sind wir der Meinung, dass 2023 eine Rezession sehr wahrscheinlich ist. Wir sind weiter dieser Meinung.

Aktuelle Ereignisse wie der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank und der Credit Suisse haben uns hinsichtlich unseres Ausblicks bestärkt. Wir wissen auch, dass es nach den Insolvenzen während der Rezessionen 2001 und 2008 ein weiteres Jahr dauerte, bis die Aktienmärkte abstürzten. Daher sind wir der Meinung, dass die aktuellen Zusammenbrüche von Banken möglicherweise nicht notwendigerweise auf ein Ende des aktuellen wirtschaftlichen Abschwungs hinweisen.

Wir sind der Meinung, dass Rezessionen attraktive Anlagechancen für Private Assets bieten können. Historische Daten weisen darauf hin, dass Rezessionsjahre häufig positive Ergebnisse für Private Assets generieren.

Im aktuellen Wirtschaftsklima empfehlen wir Anlegern, ihre neuen Investitionen in Anlagen zu lenken, die sich an langfristigen Trends orientieren und eine geringe Korrelation mit herkömmlichen Anlagestrategien aufweisen.

Zusätzlich sollten Anleger zyklische oder konträre Anlagechancen bei taktischen Anpassungen ihrer Vermögensaufteilung berücksichtigen und gleichzeitig Anlagen vermeiden, die möglicherweise einer konjunkturellen Eintrübung ausgesetzt sind.

Rückenwind aus langfristigen Trends

Wir erkennen vielversprechende Anlagechancen in Bereichen wie nachhaltigkeitsorientierte und Impact-Aligned-Anlagen, erneuerbare Energien, generative künstliche Intelligenz sowie Anlagen in Indien. Wir erwarten, dass sich diese langfristigen Trends in den nächsten Jahren fortsetzen und Anlegern ein Potenzial für attraktive Renditen bieten.

Fokus auf weniger korrelierten Anlagen

Wir erkennen attraktive Chancen bei kleinen und mittleren Buyouts in bestimmten Industriesektoren (vor allem im Gesundheitswesen) sowie bei Seed- und Early-Stage-Kapitalanlagen, Direktkrediten und Mikrofinanzierung. Diese Anlagen besitzen ein Potenzial für attraktive Renditen und können gleichzeitig zur Portfolio-Diversifizierung beitragen.

Berücksichtigung von Anlagestrategien mit zyklischen oder konträren Chancen

Angesichts der jüngsten Verschärfung der Kreditbedingungen sehen wir zyklische Chancen bei Private Debt und Alternative Credit für verschiedene Strategien. Zusätzlich betrachten wir Sekundärinvestitionen im Immobilienbereich als konträre Chance. Diese potenziellen Anlagechancen können für taktische Anpassungen der Vermögensaufteilung genutzt werden.

Vermeidung von Anlagestrategien, die einer konjunkturellen Eintrübung ausgesetzt sind

Wir warnen vor Strategien, für die wir ein erhöhtes Risiko für Bewertungskorrekturen erkennen. Dies umfasst Late-Stage-Anlagen im Bereich Venture- und Wachstumskapital, grössere Transaktionen in Buyout-Märkten und Anlagen in gewerblichen Immobilien. Durch die Vermeidung dieser Strategien können Anleger Risiken minimieren und sich auf vielversprechendere Chancen konzentrieren. Unsere Bewertung der Chancen für Private Assets ist in den letzten Quartalen überwiegend unverändert geblieben. Im Folgenden untersuchen wir diese Chancen detaillierter.

Private Equity

Wir sind der Meinung, dass die äusserst sorgfältige Auswahl von Private-Equity-Anlagen einen kritischen Erfolgsfaktor darstellt. Insbesondere empfehlen wir die Fokussierung auf Anlagen, die an langfristigen Trends ausgerichtet sind und das Potenzial bieten, Komplexitätsprämien zu nutzen, indem sie mittels spezifischer Kompetenzen das organische und anorganische Wachstum der Portfoliounternehmen fördern.

Wir erwarten für die nächsten Quartale, dass kleine und mittlere Buyouts bessere Ergebnisse als grosse Buyouts liefern werden. Dies ist teilweise auf ein günstigeres Umfeld hinsichtlich des verfügbaren Kapitals für kleinere Transaktionen zurückzuführen. Aufgrund der gleichen Dynamik sollten disruptive Seed- und Early-Stage-Anlagen ebenfalls resilienter als Later-Phase- oder Wachstumsanlagen sein.

Der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank könnte zu einer geringeren Verfügbarkeit von Risikokrediten und Kreditlinien führen. Dies könnte die aktuell stattfindenden Wertberichtigungen bei Later-Stage- und Wachstumsanlagen beschleunigen.

Auf Sektorebene halten wir vor allem Chancen im Gesundheitssektor für attraktiv. Auf regionaler Ebene halten wir nach wie vor Nordamerika, Westeuropa, China und vor allem Indien für attraktiv.

GP-geführte Transaktionen werden wahrscheinlich weiter an Bedeutung gewinnen. GP-geführte Transaktionen haben den Vorteil, dass bevorzugte Portfoliounternehmen vom selben Managementteam gehalten und weiterentwickelt werden können. Da die IPO-Märkte praktisch tot sind, rechnen wir mit einem Rückgang der M&A-Exits, weshalb GP-geführte Transaktionen zunehmen sollten.

Private Debt und Alternative Credit

Wir erkennen weiter günstige Kreditbedingungen für Kreditgeber, was attraktive risikobereinigte Renditen bietet. Die aktuellen Wertschwankungen an den Märkten hat dazu geführt, dass sich herkömmliche Banken aus der Kreditvergabe zurückziehen. Dies schafft weitere Chancen und Verhandlungspotenzial für alternative Kreditgeber. Die Kreditbedingungen enthalten jetzt strengere Vereinbarungen und sind konservativer, was Kreditgeber begünstigt. Zusätzlich führten breitere Spreads und höhere Basiszinsen in den vergangenen 12 Monaten zu höheren Renditen.

Unter den verschiedenen verfügbaren Private-Debt-Strategien bevorzugen wir Anlagen mit variablen Zinssätzen und die Besicherung durch Sachwerte. Insbesondere sind Infrastruktur- und Immobilienanleihen direkt mit Vermögenswerten unterlegt. Ausserdem sind viele Chancen vertraglich oder direkt an die Inflation gekoppelt. Beide Anlageklassen haben in der Vergangenheit einen robusten Schutz vor Abwärtsbewegungen geboten.

Variabel verzinsliche Wertpapiere überwiegen ausserdem in den Sektoren hypothekenbesicherte Wertpapiere, forderungsbesicherte Wertpapiere und Collateralised Loan Obligations (CLO). Diese Wertpapiere werden durch Wohnbau-, Immobilien- und Verbraucherkredite besichert und können zur Diversifizierung innerhalb einer variabel verzinsten Allokation beitragen. Gleichzeitig sind Anleger jedoch auch verschiedenen Arten von Unternehmensrisiken über Leveraged Loans oder Direktkredite ausgesetzt.

Der Leveraged-Loan-Markt pendelte sich aufgrund einer geänderten wirtschaftlichen Umgebung mit höheren Zinsen und reduzierter Kreditverfügbarkeit neu ein. Daher erwarten wir für neue Transaktionen und Refinanzierungsaktivitäten eine konservativere Strukturierung.

Versicherungsbezogene Anlagen (Insurance Linked Securities, ILS) können die Diversifikation von Anleiheportfolien verbessern, da sie nicht mit traditionellen Anlagen korrelieren. Zusätzlich haben ILS-Renditen kürzlich historische Höhen erreicht, vor allem aufgrund von Naturkatastrophen und der Dynamik auf dem Versicherungsmarkt, was zu erheblichen Steigerungen bei Risikoprämien geführt hat. Wir erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Die Mikrofinanzierung stellt eine weitere Strategie dar, die Diversifikation und gering korrelierte Renditen bietet. Mikrofinanzierungsportfolios mit variablen Zinssätzen können stabile Renditen liefern. Damit werden sie zu einer attraktiven Option für Anleger, die alternative Einkommensquellen suchen.

Infrastruktur

Der andauernde Krieg in der Ukraine hat Überlegungen zur Energiesicherheit in den Vordergrund gerückt und die Bemühungen beschleunigt, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Die Entwicklung der notwendigen Infrastruktur ist für eine erfolgreiche Umstellung auf erneuerbare Energien unerlässlich. Dabei spielen Investitionen in Wind- und Solarenergie eine wichtige Rolle. Erneuerbare Energien stellen aufgrund ihrer engen Kopplung an die Inflation und der sicheren Einnahmesituation eine besonders attraktive Option dar. Anleger können dadurch besser mit Herausforderungen umgehen, die eine hohe Inflation und höhere Zinsen mit sich bringen.

Auf globaler Ebene haben positive Stimuli wie der Inflation Reduction Act in den USA und der Green Deal Industrial Plan in Europa in Verbindung mit der reduzierten Verfügbarkeit von Finanzierungen aus herkömmlichen Quellen zu höheren Renditen für erneuerbare Energien geführt. Dieser Trend ist in den USA, in Grossbritannien und in vielen Teilen Europas zu erkennen.

Wir sehen auch attraktive Möglichkeiten in anderen Infrastrukturbereichen im Zusammenhang mit der Digitalisierung und anderen wichtigen Infrastrukturen.

Viele der attraktivsten Anlagemöglichkeiten im Infrastrukturbereich befinden sich in Europa. Wir erkennen jedoch auch die Möglichkeit, auf sehr selektiver Basis nachhaltige Infrastrukturanlagen in Schwellenländern zu tätigen.

Immobilien

Auf den Immobilienmärkten haben die höheren Zinsen zu einer deutlichen Verlangsamung der Transaktionsaktivitäten geführt. Seit dem dritten Quartal 2022 können wir einen Bewertungsrückgang im zweistelligen Bereich beobachten. Wir erwarten für 2023 weitere Preisanpassungen, vor allem in Randmärkten und für sekundäre, nicht nachhaltige Anlagen.

Die beobachtete Preisanpassung hat an einigen Stellen bereits attraktiv umbasierte Anlagen geschaffen. Wir erwarten für 2023 weitere Kaufchancen. Dieser Trend wird sich aufgrund von Notverkäufen im Zusammenhang mit Refinanzierungen und anderem Liquiditätsbedarf weiter verstärken, was gut kapitalisierten Käufern Chancen bietet.

Dies findet vor dem Hintergrund von Arbeitsmärkten statt, die weiterhin durch ein knappes Angebot charakterisiert werden. Diese Situation wird aufgrund höherer Bau- und Finanzierungskosten fortbestehen und stellt damit eine vorteilhafte Basis für weitere Inflationsanpassungen und Mietwachstum dar, sobald sich die Volkswirtschaften erholen.

Die höheren Zinsen werden die Finanzsteuerung zukünftig erschweren. Die Wertentwicklung wird stattdessen von einem effizienten operativen Management in den verschiedenen Sektoren abhängig sein, das einen vertragsbasierten oder indirekten Inflationsschutz bietet. Dies umfasst operative Sektoren, die von strukturellen statt konjunkturellen Trends abhängig sind und in denen der langfristige Erfolg der Mieter im Interesse der Immobilieneigentümer ist.

Nachhaltigkeit und Überlegungen zu den Auswirkungen sollten priorisiert werden, um sicherzustellen, dass Portfolien vor schnell wechselnden Mieterpräferenzen und neuen gesetzlichen Bestimmungen geschützt sind. Auf diese Weise werden sich zusätzliche Investitionsausgaben wahrscheinlicher in den Bewertungen widerspiegeln.

Das knappe Angebot an nachhaltigen Büroflächen an guten Standorten, die die künftige Nachfrage befriedigen können, und die voraussichtliche Veralterung nicht nachhaltiger Immobilien werden zu einer deutlichen Zweiteilung bei der Wertentwicklung in „Gewinner und Verlierer“ führen. Wir sehen derzeit absoluten und relativen Wert im Einzelhandel, in urbanen Industrie- und Logistikanlagen, in Mehrfamilienhäusern im mittleren Marktsegment (trotz bevorstehender Änderungen bei Mietdeckeln zum Schutz von Verbrauchern) und in weiteren operativ intensiven Sektoren wie Budget- und Luxushotels und Mietlager.

Fazit

Schroders Capital betrachtet Rezessionen als Chance für Private-Asset-Anlagen und rät zur Beibehaltung eines konsistenten Anlagerhythmus. Unter Marktbedingungen mit einer hohen Rezessionswahrscheinlichkeit ist es für Anleger besonders empfehlenswert, sich auf Private-Asset-Anlagen zu konzentrieren, die an langfristigen Trends ausgerichtet sind und eine geringe Korrelation mit anderen Private-Asset-Strategien aufweisen. Wir raten dringend zur Vorsicht bei Strategien, die von einer konjunkturellen Eintrübung betroffen sein könnten. Wir sind der Meinung, dass das Long-Tail-Ende des Private-Asset-Markts, der überwiegend von kleinen bis mittleren Transaktionen geprägt ist, besonders vielversprechende Anlagechancen bietet.

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