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Was bedeutet Bidens Wahlsieg für die Energiewende?

Der Wahlsieg Joe Bidens in den USA bahnt den Weg für einen koordinierteren Ansatz beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Welt.

09.12.2020
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Authors

Mark Lacey
Leiter Global Resource Equities, Portfoliomanager
Alexander Monk
Analyst für erneuerbare Energien
Felix Odey
Analyst für erneuerbare Energien

Der Wahlsieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden bringt die Energiewende voran. Biden will sich für den Kampf gegen den Klimawandel einsetzen und befürwortet saubere Energie.

Die Republikaner könnten erneut die Mehrheit im Senat erhalten – die Stichwahl im US-Bundesstaat Georgia um die letzten Senatssitze steht noch aus. Die fehlende Oberhand im Senat könnte der ehrgeizigen grünen Energiepolitik der Demokraten Grenzen setzen. Der Erfolg der Energiewende war jedoch unseres Erachtens nie von der Identität des Präsidenten oder der Zusammensetzung im Kongress abhängig.

Der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf grüne Energie hat in den USA in den vergangenen Jahren beträchtlich an Fahrt aufgenommen, was vor allem den Anstrengungen einzelner US-Bundesstaaten zu verdanken ist. Die Bundesstaaten wurden nicht nur aus Umweltfreundlichkeit aktiv, sondern auch, weil die wirtschaftlichen Argumente für saubere Energie schlichtweg zu überzeugend sind, um sie noch länger zu ignorieren. Auch steigt die Nachfrage vonseiten der Energieverbraucher.   

Drei grosse Mächte verpflichten sich zur Kohlenstoffneutralität   

Biden strebt in den USA bis 2035 kohlenstofffreien Strom an. Die Frist für eine klimaneutrale USA wurde für 2050 gesetzt. Die Europäische Union strebt die Klimaneutralität ebenfalls bis 2050 an. Währenddessen hat China vor Kurzem zum ersten Mal ein Ziel für die Klimaneutralität bekanntgegeben: Das Land will bis 2060 klimaneutral sein.  

Das bedeutet, dass sich die drei grössten Wirtschaftsblöcke der Welt zum ersten Mal einer kohlenstofffreien Zukunft verschrieben haben. Gemeinsam sind die EU, die USA und China für 55 % aller Kohlenstoffemissionen verantwortlich, weshalb ihre Klimapolitik so grosse Schlagkraft hat. Die gesetzten Fristen zur Jahrhundertmitte erfordern, dass viele Massnahmen zur Energiewende schon jetzt ergriffen werden. Eine grössere Akzeptanz von erneuerbarer Energie ist für den Erfolg ausschlaggebend.  

Biden hat versprochen, dem Pariser Klimaabkommen wieder beizutreten, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu beschränken. Präsident Trump war aus der Vereinbarung ausgestiegen. Das offizielle Datum des Ausscheidens der USA war der Tag nach der Wahl in diesem Monat.

Wir rechnen nicht nur auf globaler Ebene mit mehr Zusammenarbeit. Die Amtszeit Bidens sollte in den USA eine einheitlichere Perspektive auf nationaler und bundesstaatlicher Ebene in Bezug auf die Energiewende zufolge haben.

Anleger in die Energiewende begrüssen diese Entwicklung. Wir verweisen jedoch darauf, dass der Sektor in den USA seit Kurzem bereits ein beträchtliches Wachstum verzeichnet, und dies trotz fehlender politischer Unterstützung auf nationaler Ebene. Tatsächlich zeigen die Abbildungen unten, wie schnell die Wind- und Solarkapazität in den USA in den vergangenen Jahren gewachsen sind.

Bundesstaaten übernehmen die Führung

Bedingt ist dieses Wachstum dadurch, dass viele US-Bundesstaaten ihre eigenen Ziele gesetzt haben, was grüne Energie betrifft, anstatt darauf zu warten, dass die Regierung die Initiative ergreift. Beispielsweise schloss sich Arizona kurz vor der Wahl am 3. November der steigenden Zahl von Staaten an, die sich bereits einer zu 100 % kohlenstoffneutralen Energieversorgung bis 2050 verpflichtet hatten.

Auch auf Unternehmensebene werden Massnahmen ergriffen, um die Energiewende in den USA voranzubringen. So kündigte im Juni dieses Jahres Tucson Electric Power an, dass das Unternehmen seine Kohlekraftwerke in Arizona bis 2023 schliessen würde. Geplant ist, bis 2035 70 % des Energiebedarfs über erneuerbare Energien zu decken.

In Staaten wie Arizona sind die Auswirkungen des Klimawandels in Form von zunehmenden Hitzewellen offensichtlich. Viele Bundesstaaten und Unternehmen haben sich jedoch nicht allein aus Umweltfreundlichkeit an die Spitze des Energiewandels gestellt – sondern auch aus Berechnung.

Erneuerbare Energiequellen haben bereits Kostenparität mit fossilen Brennstoffen erreicht. Wie die untenstehende Abbildung zeigt, können insbesondere Solar- und Onshore-Windenergie mit Öl und Gas mithalten, und Offshore-Windenergie mit Kohle. Das bedeutet, dass erneuerbare Energie nicht nur die richtige Wahl für die Umwelt ist. Auch aus wirtschaftlicher Sicht macht sie Sinn.

Bidens Pläne geben weiteren Auftrieb

Biden hat für die kommenden vier Jahren eine Investition in Höhe von 2 Bio. US-Dollar in saubere Energie und die Umwelt zugesagt. Wie so oft der Fall bei politischen Programmen werden breit gefasste Ziele angekündigt, die Einzelheiten für die Umsetzung sind jedoch bislang noch schwammig. Es gibt jedoch einige bestimmte Bereiche, in denen Fortschritte wahrscheinlich sind.

Elektrofahrzeuge sind ein Beispiel: Biden plant den Bau von mindestens 500.000 öffentlichen Ladestationen im Land. Ausserdem wird mit Steuervergünstigungen für den Kauf von Elektrofahrzeugen gerechnet.

Biden hat versprochen, Steuervergünstigungen für Solar- und Windkraftanlagen zu reformieren und zu verlängern. In den vergangenen Jahren wurden die bestehenden Vergünstigungen zurückgefahren.

Die Demokraten kämpfen im Kongress auch für eine „Direct-Pay“-Option, mit der Bundesmittel direkt – anstatt über Steuervergünstigungen – zur Finanzierung von grünen Energieprojekten eingesetzt werden können. Es wird davon ausgegangen, dass Biden ein Befürworter dieser Option ist. Insbesondere auf kurze Sicht könnte das sinnvoll sein, da die Covid-19-Krise bestehende Finanzierungswege unterbrochen hat.

Eine Verlängerung der Steuerbegünstigungen könnte besonders für die Offshore-Windbranche hilfreich sein. Projekte werden durch das Warten auf Genehmigungen oft hinausgezögert, sodass ein Entwickler eine Steuervergünstigung nicht wie geplant in einem bestimmten Jahr beantragen kann.

Tatsächlich sind Genehmigungen für Offshore-Windprojekte ein weiterer Bereich, in dem Biden Änderungen einführen könnte. Präsident Trump hat vor Kurzem über eine Exekutivanordnung eine Zehn-Jahres-Sperre für neue Offshore-Energieprojekte in North Carolina, South Carolina, Georgia und Florida verhängt. Die Sperre gilt sowohl für Windenergie als auch für Öl- und Gasunternehmen. Biden könnte diese Sperre möglicherweise aufheben.

Das wären gute Nachrichten für die Entwickler in diesen Bundesstaaten. Andernorts haben Bundesstaaten bereits die Initiative bei Offshore-Windenergieprojekten ergriffen. Wie die Abbildung unten zeigt, befinden sich viele Projekte schon in der Planung.  

Ohne eine Mehrheit der Demokraten im Senat hängt der Spielraum Bidens bei den Bundesausgaben von einer Einigung mit dem Kongress ab. Den Verhandlungsprozess mit dem Kongress kann der Präsident über Exekutivanordnungen umgehen. Allerdings nehmen wie bereits beschrieben rote und blaue Bundesstaaten die Initiative beim Energiewandel in die Hand.

Auf dem Weg zur Nullemission

Wir argumentieren seit Langem, dass drei Faktoren gemeinsam den Wendepunkt für die Energiewende stellen: politische Bereitschaft, wirtschaftliche Argumente und die Nachfrage der Verbraucher. Die Unterstützung durch das Weisse Haus ist sicherlich ein wichtiges Element im Hinblick auf grössere politische Bereitschaft, sowohl auf internationaler Ebene als auch in den USA.

Die Energiewende ist jedoch eine langfristige strukturelle Entwicklung, die nicht nur von einer Person abhängt. Massnahmen wie der Wiedereintritt ins Pariser Klimaabkommen sind wichtig. Sie sind aber nur der Anfang eines jahrzehntelangen Prozesses, der von Grund auf ändern wird, wie Energie weltweit produziert und verbraucht wird. Für Anleger stellt dies eine langfristige Gelegenheit dar, die von der politischen Landschaft in den USA unabhängig ist.

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