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Wie sieht die neue Energieversorgung der Wirtschaft aus, und was bedeutet dies für Investoren?

Für diejenigen, die bereit sind, tiefer in die Materie einzutauchen und sich mit einem weniger glamourösen Aspekt der Energiewende zu befassen, bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für Investitionen in das Stromnetz.

09.06.2023
Ashley Thomas visits National Grid's London Power Tunnels project

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Ashley Thomas
Fund manager, Equities

Die Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben die Grenzen aller Arten von Versorgungsketten ausgetestet. In ähnlicher Weise erwarten wir, dass die Risiken eines ungebremsten Klimawandels die Aufmerksamkeit auf eine weitere Versorgungskette lenken werden, die für unser tägliches Leben und das reibungslose Funktionieren der Wirtschaft von entscheidender Bedeutung ist: die Stromnetze.

Hochspannungskabel sind das Herzstück dieser Netze, wie die neuen Kabel, die derzeit in speziell gebauten, drei Meter breiten Tunneln bis zu 50 Meter unter den Strassen Londons verlegt werden. Vor kurzem habe ich die London Power Tunnels besucht, um mich von den grossen Fortschritten zu überzeugen (siehe Video oben).

Neue Leitungen wie diese sind unerlässlich, um den dramatisch steigenden Strombedarf zu decken, wenn im kommenden Jahrzehnt die auf fossilen Brennstoffen basierenden Heiz- und Verkehrssysteme elektrifiziert werden. Die Modernisierung der Netze ist auch zu einer nationalen Sicherheitspriorität geworden: Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hat die ungesunde Abhängigkeit Europas von russischem Gas deutlich gemacht.

Die Tunnel sind zwar eines der derzeit grössten Investitionsprogramme Londons, aber nur ein Teil einer weitaus ehrgeizigeren grundlegenden Sanierung des gesamten britischen Stromnetzes, die Investitionen in Höhe von mehreren Milliarden Pfund erfordert.

Rasant steigender Investitionsbedarf im Stromnetz

Diese Entwicklungen bieten Investoren erhebliche Wachstumschancen. Auch wenn sie vielleicht nicht so fotogen sind wie die riesigen Windparks, die derzeit vor den Küsten Schottlands und Ostenglands entstehen, ist das Stromnetz für die Energiewende genauso wichtig.

Aber ich denke, wenn Sie mein Video über die London Power Tunnels gesehen haben, werden Sie mir zustimmen, dass es sich hier um eine technische Meisterleistung handelt.

Weltweit arbeiten die Staaten mit Hochdruck daran, die ehrgeizigen Netto-Null-Ziele bei Treibhausgasemissionen zu erreichen, um eine ungebremste Erderwärmung zu verhindern. Eine notwendige Voraussetzung dafür ist die Dekarbonisierung der Stromnetze.

Das Netz muss nicht nur mit der steigenden Stromnachfrage Schritt halten können. Es muss auch an eine Vielzahl neuartiger erneuerbarer Energiequellen angeschlossen werden, die in den nächsten zehn Jahren ans Netz gehen werden. Das bedeutet, dass eine ganze Reihe neuer Anlagen benötigt werden, von Verbindungsleitungen bis hin zu Batteriespeichern. Letztere sollen helfen, die Schwankungen der erneuerbaren Energien auszugleichen.

Ein Netz, das mit Strom aus erneuerbaren Energien gespeist wird, muss auch grundsätzlich andere Eigenschaften aufweisen als das bestehende Netz, das hauptsächlich mit Strom aus Gasturbinen versorgt wird. Daher sind neue Investitionen in Technologien zur Aufrechterhaltung der Systemstabilität erforderlich.

So prognostiziert die Internationale Energieagentur, dass für jeden US-Dollar, der für erneuerbare Energien ausgegeben wird, bald ein US-Dollar für Netzinvestitionen benötigt wird (gegenüber 70 Cent in der Vergangenheit). Die Investitionen werden sich demnach nach 2030 weltweit auf rund 800 Mrd. US-Dollar pro Jahr belaufen.

Grossbritannien verfolgt ambitionierte Dekarbonisierungsziele

Grossbritannien ist zweifellos ehrgeizig, wenn es um den Ausbau der erneuerbaren Energien geht: Die derzeitige Regierung hat sich verpflichtet, das Stromsystem bis 2035 zu dekarbonisieren, und die Labour-Partei strebt eine noch ehrgeizigere Frist bis 2030 an.

Das britische Stromnetz wurde grösstenteils in den 1960er Jahren gebaut, um Strom von den grossen Kohle- und Kernkraftwerken, die sich in der Regel im Norden Englands befinden, zu den Gebieten mit höherem Strombedarf im Süden zu transportieren.

Jetzt muss das Netz an grosse, abgelegene Offshore-Windparks und eine Vielzahl kleiner, dezentraler Solar- und Batteriespeichersysteme angepasst werden, einschliesslich kleiner Anlagen auf der Verteilungsebene in Haushalten und Unternehmen.

Die Zahl der jährlichen Anträge auf Anschluss an das Fernleitungsnetz hat sich im Vergleich zu vor fünf Jahren etwa verzehnfacht (siehe Abbildung unten).

Wie sieht die neue Energieversorgung der Wirtschaft aus, und was bedeutet dies für Investoren

Nach Schätzungen des Stromnetzbetreibers National Grid Electricity System Operator (ESO), der für die Verwaltung des Stromnetzes zuständig ist, wird der Strombedarf in Grossbritannien bis 2035 um etwa 50 % steigen und könnte sich bis 2050 verdoppeln, was durch die Dekarbonisierung der Sektoren Heizung und Verkehr bedingt ist.

Daher der Ansturm auf die Anschlüsse und die Berichte, dass Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien erst im Jahr 2037 oder später an das Netz angeschlossen werden können.

Um das Ziel der britischen Regierung zu erreichen, bis 2030 50 GW Offshore-Windenergie ans Netz zu bringen, muss National Grid – das grösste der drei Übertragungsunternehmen in Grossbritannien, die die Hochspannungsleitungen einschliesslich der London Power Tunnels besitzen und betreiben – seine Investitionen deutlich steigern.

Der Konzern muss in den nächsten sieben Jahren mindestens fünfmal so viele Übertragungsleitungen an Land verlegen wie in den vergangenen 30 Jahren und viermal so viele Unterseekabel verlegen, als er derzeit besitzt.

Tatsächlich übersteigt der Umfang der erforderlichen Netzinvestitionen in vielen Fällen die Finanzierungsmöglichkeiten der einzelnen Unternehmen. Dies ist zum Teil der Grund, warum die schottische SSE, der zweite der beiden börsennotierten britischen Übertragungsnetzbetreiber (der dritte Betreiber ist die spanische Iberdrola), unlängst 25 % seines Stromübertragungsgeschäfts an einen kanadischen Pensionsfonds verkauft hat.

Auch die Entwickler kohlenstoffarmer und erneuerbarer Energiequellen (Wind, Sonne, Kernkraft, Wasserstoff und Technologien zur Kohlenstoffabscheidung) sowie die Betreiber von Verteilernetzen, die den Teil des Netzes zwischen den Hochspannungsleitungen und den Haushalten und Unternehmen besitzen, werden Geld in die Hand nehmen müssen.

Wenngleich die Investitionen in das Verteilnetz nicht die Grössenordnung der Investitionen in das Übertragungsnetz erreichen, sind erhebliche zusätzliche Investitionen erforderlich, um Ladestationen für Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und kleinere dezentrale Solar- und Batteriespeichereinheiten anzuschliessen.

Investitionen in letztere Einrichtungen werden die Energieverbraucher besser in die Lage versetzen, mit den Fluktuationen der erneuerbaren Energien fertig zu werden und/oder Strom zu bestimmten Zeiten in das Netz zurückzuspeisen.

Tief graben für die Chancen der Energiewende

National Grid plant im Rahmen seines Fünfjahresplans bis 2026 Investitionen von bis zu 40 Mrd. Pfund. Rund 29 Mrd. Pfund, also mehr als 70 %, sollen direkt in die Dekarbonisierung der Energienetze investiert werden, etwa zu gleichen Teilen in die unternehmenseigenen Netzanlagen in Grossbritannien und den USA.

Der Investitionsbedarf in den nächsten fünf Jahren wird voraussichtlich noch höher sein. In diesem Zeitraum werden Investitionen in 26 strategisch wichtige Netzprojekte anlaufen, darunter eine Reihe neuer Hochspannungsleitungen zur Anbindung von Offshore-Windparks, die demnächst in Betrieb genommen werden sollen und deren Netzanbindung der Schlüssel zur Erreichung des 50-GW-Ziels der Regierung ist.

Weitere Investitionen für ScotWind (die nächste Phase der Entwicklung von Offshore-Windparks vor der schottischen Küste) und Offshore-Windprojekte in der Irischen See müssen erst noch kalkuliert werden.

Die Modernisierung des britischen Stromnetzes ist eine gewaltige Aufgabe, bei der jedoch Umwelt- und Sicherheitsbedenken einen raschen Wandel herbeiführen dürften. Für diejenigen, die bereit sind, tiefer in die Materie einzutauchen und sich mit diesem weniger glamourösen Aspekt der Energiewende auseinanderzusetzen, dürften sich zahlreiche Investitionsmöglichkeiten ergeben.Die Nennung von Sektoren, Regionen, Wertpapieren und Ländern dient ausschliesslich zur Veranschaulichung und ist nicht als Kauf- oder Verkaufsempfehlung zu verstehen.

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