Perspektiven

Ändert der IPCC-Bericht etwas?


Der Klimarat (IPCC) hat am 9. August seinen Sechsten Sachstandsbericht (AR6) veröffentlicht. Der Bericht hat weltweit Schlagzeilen gemacht und bildet einen ernüchternden Hintergrund im Vorfeld zur 26. UN-Klimakonferenz im November. Dabei werden wichtige Entscheidungsträger*innen aus der ganzen Welt zusammenkommen, um globale Maßnahmen zur Bewältigung der größten Herausforderung unserer Zeit zu vereinbaren. 

Als globale Investierende ist der bevorstehende Weg klar. Der jüngste IPCC-Bericht unterstreicht das Ausmaß der vor uns liegenden Herausforderung und setzt die Politik und Gesellschaft unter Handlungsdruck. An dem Ziel, auf das wir zusteuern, ändert sich jedoch nichts.

Was sagt der Bericht?

Der Bericht enthält im Grunde wenig Neues. Wissenschaftliche Fortschritte haben die bisherigen Annahmen untermauert: Das Klima ändert sich, menschliches Handeln ist dafür verantwortlich und die Folgen dieser Veränderungen werden dramatisch sein. Diese Annahmen wurden von der Politik und der Gesellschaft aber bereits größtenteils akzeptiert. 

Trotz der trockenen, präzisen Sprache der Wissenschaftler*innen lässt der aktuelle Bericht keinen Zweifel an den bevorstehenden Gefahren. Der Klimarat hat die Folgen eines unterlassenen Handelns analysiert. Weitere physische Schäden sind unvermeidlich. In allen Szenarien des Berichts werden die Temperaturen bis in die 2030-Jahre auf 1,5° C steigen. 

Wenn die Emissionen bis 2050 reduziert werden, sinken auch die Temperaturen im Lauf des Jahrhunderts wieder. Ein anfänglicher Anstieg – das Ergebnis von Verzögerungen zwischen Emissionen und Temperaturanstiegen – ist jedoch unvermeidbar. Werden die Emissionen in den kommenden Jahrzehnten nicht reduziert, werden die Temperaturen um bis zu 4° C gegenüber dem Ende des 20. Jahrhunderts steigen. 

Was bedeutet das?

Der Unterschied zwischen 1,5° C und 4,0° C mag geringfügig klingen. Die Auswirkungen für die Menschheit sind jedoch enorm.  Ein Temperaturanstieg von 1,5° C erhöht das Auftreten von Dürren um das 2,4-Fache und von extremen Niederschlägen um das 1,5-Fache. Bei 4° C verdoppeln sich diese Risiken ungefähr auf das 5,1-Fache und das 2,8-Fache. Dadurch werden viele Teile der Welt unbewohnbar, Massenmigration wird unvermeidlich und die wirtschaftlichen Auswirkungen werden schwerwiegend sein. Diese Warnungen könnten der Katalysator sein, den die Regierungen brauchen, um ehrgeizige und umfassende Maßnahmen zu koordinieren, um bis Mitte des Jahrhunderts Netto-Null-Emissionen zu erreichen. 

Was muss getan werden?

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die globalen Emissionen in den nächsten zehn Jahren halbiert oder jährlich um 6 % bis 7 % reduziert werden. In den vergangenen 50 Jahren sind die CO2-Emissionen im Durchschnitt um 2 % pro Jahr gestiegen. 

Dieses Szenario ist zwar möglich, aber sehr optimistisch, sofern nicht wesentlich entschiedenere Maßnahmen getroffen werden. Ich könnte bei den nächsten Olympischen Spielen antreten, aber dafür muss ich meine Prioritäten und mein Trainingsprogramm von Grund auf überdenken.

Vielleicht bietet die Covid-19-Krise das nötige Sprungbrett. 2020 ist das einzige Jahr, in dem die globalen Emissionen annähernd in dem Tempo gesunken sind, das wir halten müssen, nämlich um 6 %. Selbst dieser Rückgang war jedoch zumindest teilweise vorübergehend – die globalen Emissionen sind bis Dezember 2020 um 2 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Die Politik hat jedoch ihren Fokus auf die Klimabedrohung beibehalten, Konjunkturpläne an Klimaziele geknüpft und nationale Dekarbonisierungsziele festgelegt, um Mitte des Jahrhunderts das Netto-Null-Ziel zu erreichen. 

Bislang haben Staaten, auf die über 70 % der weltweiten Emissionen und Wirtschaftsleistung entfallen, nationale Netto-Null-Ziele festgelegt. Zudem könnten sich die zugesagten Ausgaben für grüne Infrastrukturen in den nächsten zehn Jahren auf etwa 2 Bio. US-Dollar belaufen. Dabei dürfte die Finanzierung überwiegend aus privaten Quellen stammen.

Trotz dieses Ehrgeizes steht ein Großteil der harten Arbeit zur Erfüllung dieser Zusagen noch bevor und wird stark von technologischen Fortschritten für emissionsstarke Sektoren abhängen: Die IEA geht davon aus, dass knapp die Hälfte der CO2-Emissionsreduzierungen über 2030 Technologien zu verdanken sein werden, die sich derzeit noch in der Entwicklung befinden.

Unternehmen müssen mehr leisten

Die Unternehmen haben bereits begonnen, dem Beispiel der Politik zu folgen. Allerdings steht ihnen noch ein langer Weg bevor. Unternehmen, die rund 15 % des Werts der globalen Aktienmärkte ausmachen, haben sich zu einer Emissionsreduktion verpflichtet, um den langfristigen Temperaturanstieg auf 1,5° C zu begrenzen. Dies zeigt unsere Analyse von Unternehmen, die sich im Rahmen der Initiative „Science Based Target“ Ziele setzen.

Die Investitionen in saubere Technologien und neue Wachstumsprodukte nehmen ebenfalls zu. Allerdings konzentrieren sie sich allzu oft auf isolierte Produktkategorien, anstatt auf eine umfassende Neugestaltung der gesamten Produktpalette abzuzielen. 

Angesichts der erforderlichen enormen Veränderungen ist fraglich, ob die Weltwirtschaft in den nächsten drei Jahrzehnten das Netto-Null-Ziel erreichen wird. Während die Notwendigkeit des Übergangs nicht angezweifelt wird, ist dessen Zeitpunkt die grundlegende Frage. Weniger ehrgeizige Ziele, den langfristigen Temperaturanstieg auf etwa 2° C zu begrenzen, werden den Prozess um einige Jahrzehnte verlängern. Jedoch ändern sie nichts an der Notwendigkeit, Netto-Null-Emissionen erreichen und entschiedene Maßnahmen ergreifen zu müssen. 

Anfang dieses Jahres haben wir uns dazu verpflichtet, ein wissenschaftsbasiertes Ziel festzulegen. Wir sind dabei, die Einzelheiten auszuarbeiten. Wir haben uns auch anderen Asset Managern angeschlossen, um die Politik dazu anzuhalten, ihre Klimaambitionen zu verstärken. Am wichtigsten ist, dass wir den Pfad festlegen, mit dem wir dieses Ziel erreichen. Zudem müssen wir möglichst gut vorbereitet sein, um die Risiken steuern und die Chancen nutzen zu können, die sich für die Anlagen ergeben, die wir für unsere Kund*innen verwalten. 


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