Weitblick

Climate Progress Dashboard: Trotz neuer Emissionszusagen keine Änderung des Gesamtausblicks


Zum Start des dritten Quartals 2019 prognostiziert das Schroders Climate Progress Dashboard einen langfristigen Temperaturanstieg von etwa 3,8°C, identisch mit der Prognose des vergangenen Quartals. Begleitet von grossen Medienspektakeln (und etwas Skepsis) haben mehrere grosse Volkswirtschaften in den vergangenen Monaten Zielsetzungen zur Reduzierung des Kohlendioxidausstosses auf null gesetzlich verankert. Die im Rahmen des Klimaabkommens von Paris im Jahr 2015 gemachten Zusagen lassen sich jedoch nur dann erfüllen, wenn alle Länder diesem Beispiel folgen.

Obwohl die Entkarbonisierung des globalen Energieversorgungssystems bereits im Gange ist, werden die dadurch gemachten Fortschritte durch den beständig steigenden weltweiten Energiebedarf mehr als zunichte gemacht, und der Kohlendioxidausstoss erhöht sich weiter. Für die Zukunft scheint wesentlich mehr Disruption in allen Volkswirtschaften und Branchen weltweit unvermeidlich.

Das Climate Progress Dashboard bietet einen Überblick über Tempo und Ausmass der Klimaschutzmassnahmen in sämtlichen Bereichen, die für die Entkarbonisierung entscheidend sein werden. Schroders hat das Dashboard entwickelt, um unseren Analysten, Fondsmanagern und Kunden ein Tool an die Hand zu geben, das eine objektive Messung des Tempos der Klimaschutzmassnahmen ermöglicht. Es ist eine Orientierungshilfe bei diesem schwierigen Thema, das dramatische Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben wird, wobei die Diskussion aber allzu oft von Floskeln, Emotionen und Phrasen geprägt ist.

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Wie immer seit dem Start unseres Dashboards gab es auch im vergangenen Quartal positive und negative Entwicklungen. Diese positiven und negativen Effekte haben sich gegenseitig neutralisiert, was für die Wirkung der ergriffenen Klimaschutzmassnahmen letztendlich zu folgender Prognose führt: Ein langfristiger Temperaturanstieg von etwa 3,8°C[1]

Die Schlagzeilen gehen alle in dieselbe Richtung …

Der Klimawandel ist in den vergangenen Jahren immer mehr zum Nachrichtenthema geworden, angespornt durch Warnmeldungen zwischenstaatlicher Organisationen, zunehmend energischere Bürgeraktionen und die ersten zaghaften Reaktionen in der Politik einiger Regierungen

Wir haben die Intensität der Berichterstattung zu Umweltthemen im Lauf der Zeit in der Tabelle unten grafisch dargestellt. Unser Messwert „Intensität des Medieninteresses“ kombiniert die Anzahl an Nachrichtenmeldungen mit dem Dringlichkeitsniveau, das in diesen Meldungen zum Ausdruck kommt.

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Sowohl eine grössere Anzahl an als auch eine dringlichere Formulierung von Umweltnachrichten erhöhen die Intensitätsbewertung. Die immer dringlichere Berichterstattung macht deutlich, dass der Allgemeinheit mehr und mehr bewusst wird, welche Ausmasse das Problem hat, und dass die Zeit, die noch bleibt, um die Folgen des Temperaturanstiegs einzudämmen, bald abgelaufen ist. Die „Klima-Herausforderung“ ist inzwischen zum „Klima-Notstand“ geworden. 

Die Intensität dieses Medieninteresses erreichte ihren Höchststand gegen Ende 2015 (parallel zum Klimaabkommen von Paris) und fiel danach deutlich ab, da wieder andere Themen in den Vordergrund rückten. Trotz fehlender Medienspektakel hat das Thema Klimawandel in den vergangenen Jahren immer mehr Medienaufmerksamkeit beansprucht.

Regierungen geben zunehmend dem sozialen Druck nach, der sich in diesen Schlagzeilen widerspiegelt. Im Juni verabschiedete die britische Regierung ein Gesetz, durch das sich das Land zur Reduzierung seines Kohlendioxidausstosses auf null bis zum Jahr 2050 verpflichtet. Frankreich verabschiedete am selben Tag wie Grossbritannien ebenfalls ein Gesetz zur Reduzierung seiner Kohlendioxidemissionen auf null. Beide liegen hinter Kalifornien zurück, wo dieses Gesetz bereits im vergangenen September verabschiedet wurde. Die Energy and Climate Intelligence Unit schätzt, dass inzwischen insgesamt 16 % des weltweiten BIP von Null-Emissions-Zielen abgedeckt sind. 

Es muss mehr getan werden …

Trotz all dieser beeindruckenden Aktionen müssen sich noch viel mehr Länder anschliessen, um die 2015 in Paris eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen.  Um den langfristigen Temperaturanstieg bei „deutlich unter 2°C“ zu halten, muss der weltweite CO2-Ausstoss auf null absinken, bevor wir die Mitte dieses Jahrhunderts erreichen[2]

Der Climate Action Tracker verfolgt die Klimapolitik und die Klimaziele der grossen Volkswirtschaften, die im Rahmen des Climate Progress Dashboard untersucht werden. 

Mit dieser Analyse haben wir den globalen Anteil an BIP, Bevölkerungszahl und CO2-Ausstoss der Länder untersucht und eine Einteilung in verschiedene Klimaschutzsparten vorgenommen. Länder, deren Politik auf einen langfristigen Temperaturanstieg von höchstens 2°C hindeutet, repräsentieren nahezu 25 % der Weltbevölkerung, aber weniger als 10 % der Kohlendioxidemissionen und weniger als 5 % der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Anders ausgedrückt haben die ärmsten Länder am meisten unternommen, um ihre Politik an nachhaltige Klimaziele anzugleichen, während die reichsten Länder am wenigsten unternommen haben. Wenn auf globaler Ebene etwas erreicht werden soll, erfordert es wesentlich mehr von den grossen und meist hochentwickelten Volkswirtschaften, von denen die Geschicke der Finanzmärkte gelenkt werden. Globale Anleger müssen sich auf wesentlich mehr Disruption einstellen.CS1730-GDP-emissions-population.jpg

Im Hinblick auf das vergangene Quartal bedeutet der Kapazitätsanstieg bei den erneuerbaren Energien zwar einerseits ein besseres Klimaergebnis, andererseits lassen die gesteigerte Produktion von fossilen Brennstoffen und die kontinuierliche Erhöhung der fossilen Energiereserven eher auf höhere Temperaturen schliessen.

Die jährliche BP Statistical Review, die wir als die umfassendste und konsistenteste Analyse der globalen Energieversorgung betrachten, wurde im Juni aktualisiert und war der Hauptgrund für diese Änderungen. Der Bericht zeigt für das vergangene Jahr einen 15-%-Anstieg von Energie aus erneuerbaren Energiequellen, aber auch einen 2,5-%-Anstieg von Energie aus fossilen Brennstoffen. Trotz dieser höheren Wachstumsrate war der Anstieg der Energieproduktion aus fossilen Brennstoffen mehr als doppelt so hoch wie der Anstieg der Energieproduktion aus allen anderen Energiequellen zusammen.

Veränderter Energiemix, aber steigender Verbrauch

Das Nettoergebnis dieser beiden Entwicklungen – neben einigen kleineren Veränderungen in anderen Bereichen, wie in der Tabelle unten veranschaulicht – bedeutet, dass der insgesamt vom Dashboard prognostizierte langfristige Temperaturanstieg unverändert bei 3,8°C verbleibt.

In Kombination mit der Tatsache, dass sich die Nutzung erneuerbarer und sauberer Energiequellen schneller als bisher angenommen durchsetzt, hebt dies deutlich hervor, wie komplex die Herausforderung durch den Klimawandel tatsächlich ist. Die weltweite Versorgungskapazität von erneuerbaren Energien hat sich seit 2010 fast verdoppelt; was etwa einem Drittel des Gesamtanstiegs der Versorgungskapazität im selben Zeitraum entspricht. Obwohl sich dadurch die Kohlenstoffintensität des weltweiten Energieverbrauchs reduziert hat, wurde dieser Fortschritt durch den deutlich langsameren Fortschritt bei der Energieintensität der gesamten Weltwirtschaft vollkommen zunichte gemacht. 

Das Erfüllen langfristiger Klimaziele wird wesentlich mehr Strukturwandel erfordern als bislang umgesetzt wurde. Mit dem derzeitigen Tempo der Energiemix-Anpassung kann die Weltwirtschaft das Zwei-Grad-Klimaziel nicht erreichen, wenn nicht gemeinsam gezielte Massnahmen ergriffen werden, um die direkte Verbindung zwischen weltweitem Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch aufzulösen. Das öffentliche Interesse an politischen Massnahmen und der Handlungsdruck auf Regierungen nehmen beständig zu. Dies bedeutet jedoch unausweichlich eine drastische Neuausrichtung – sowohl der globalen Energieversorgung als auch jeder Wirtschaftsbranche.CS1730-GDP-emissions-population.jpg

CS1730-energy-intensity-global-gdp.jpgFazit

Auch wenn die Schlagzeilen, die strengere politische Richtlinien und eine zunehmende Nutzung sauberer Energiequellen verkünden, ein positives Bild vermitteln, zeigt unsere Analyse, wie wichtig es ist, konkrete Beweise für die Beurteilung der Umsetzung von Klimaschutzmassnahmen zu sammeln.

Das Climate Progress Dashboard ermöglicht eine solche objektive und umfassende Beurteilung, und sammelt klare Beweise für das mögliche Ausmass der Disruption, die noch vor uns liegt. Diese Arbeit ist Teil unseres Arsenals an Instrumenten, das wir entwickelt haben, um unsere Analysten, Fondsmanager und Kunden bei der Vorbereitung auf die kommenden Chancen und Herausforderungen zu unterstützen. 

Zusammenfassung der Veränderungen

Die Tabelle unten enthält eine grafische Darstellung der Veränderungen für jeden Messwert seit der letzten Aktualisierung:CS1730-temperature-change-vs-last-quarter.jpg

Die Tabelle unten enthält eine grafische Darstellung der Veränderungen für jeden Messwert seit dem Start des Climate Progress Dashboard Mitte 2017.CS1730-temperature-change-vs-inception.jpg

[1] Wir messen den Temperaturanstieg im Verhältnis zum Niveau vor der industriellen Revolution (prinzipiell ist damit die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gemeint). Seitdem hat bereits ein weltweiter Temperaturanstieg von etwa 1°C stattgefunden.

[2] Genaue Schätzungen variieren zwischen 2035 und 2070, nach Angaben der meisten Studien abhängig von der angenommenen Entwicklung der Emissionen, den Temperaturanstiegszielen und der erforderlichen Genauigkeit.

 

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