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Höhere Inflation: Was heisst das konkret und wie sollte man sich verhalten?


Amerikanische Verbraucher zahlen heute 8,5 % mehr für Waren des täglichen Bedarfs als noch vor einem Jahr. Dabei handelt es sich um die höchste Teuerungsrate seit über 40 Jahren.

In Grossbritannien liegt die jährliche Preissteigerung bei 6,2 % – erneut die höchste Inflationsrate seit Jahrzehnten.

Überall in der Welt ist die Teuerung spürbar: Die Preise für Lebensmittel, Kraftstoff, Strom und viele andere Dinge, die wir täglich benötigen, steigen schnell an. Diese aktuelle Preisbeschleunigung sticht ins Auge. In den meisten Industrieländern war die Inflation in den vergangenen Jahren niedrig.

Was hat sich in der Zwischenzeit geändert und was bedeutet das für Investoren?

Was ist Inflation?

Sie wird auch Teuerungsrate genannt und ist eine Änderung der Preise. Die offizielle Statistik der Verbraucherpreisinflation wird auf nationaler Grundlage veröffentlicht (wie die obigen Zahlen für die USA und Grossbritannien). In der Regel wird die Preissteigerung durch staatliche Stellen errechnet. Diese Stellen ermitteln die Preisveränderung eines üblichen Warenkorbs. Hierzu gehören beispielsweise Lebensmittel, Getränke, Kleidung, Schuhe, Transport- und Energiekosten.

Zudem werden Teuerungsraten für andere Bereiche errechnet. Die Inflation der Erzeugerpreise ist für Hersteller wichtig, denn sie informiert über die Preise, die Hersteller für die zur Warenproduktion benötigten Rohstoffe bezahlen. Des Weiteren gibt es die Preisbeschleunigung von Immobilien oder Energie.

Was bedeutet es nun, wenn die Inflation 5 % im Jahresvergleich beträgt? Zunächst heisst das, dass die Preise generell um 5 % höher sind als im Vorjahr.

In fünf Jahrzehnten von 5 Pence auf 50 Pence: realer Preisanstieg für einen halben Liter Milch

Der Durchschnittspreis in Grossbritannien für einen halben Liter Milch betrug im Januar 1971 5 Pence. Bis 1975 blieb er in etwa auf diesem Niveau, danach stieg er in den 1990er-Jahren allmählich auf knapp unter 40 Pence an. Die höchsten Preissteigerungen gab es zuletzt. Im April 2021 kostete ein halber Liter Milch 42 Pence. Im März 2022 zahlten die Verbraucher 50 Pence: Ein Preisanstieg von 19 % in weniger als zwölf Monaten!
Quelle: 
ONS – Office for National Statistics

 

Wodurch wird die Teuerung verursacht?

Es gibt mehrere mögliche Gründe. Die Volkswirte unterscheiden zwei Arten: „Kostendruck“ oder „Nachfragesog“. Verbraucher bezahlen mehr für Endprodukte, wenn die Herstellungskosten für die Waren und Dienstleistungen steigen. Das ist der sogenannte „Kostendruck“.

Reichen jedoch die Lieferkapazitäten aufgrund wachsender Nachfrage nicht aus, so spricht man vom „Nachfragesog“.

Aktuell wird die Teuerungsrate hauptsächlich auf den Kostendruck zurückgeführt. Die Energie ist ein wesentlicher Bestandteil der meisten Waren und Dienstleistungen. Wenn ihr Preis ansteigt, müssen die Hersteller und Anbieter die Kosten an ihre Kunden weitergeben. Eine ähnliche Auswirkung hatte die Pandemie, die zur Unterbrechung der Versorgungsketten in China und anderswo führte. Das Angebot an Komponenten, Unterhaltungselektronik und Autoteilen ging zurück, wodurch deren Preise stiegen.

Weshalb ist eine zu hohe Preisbeschleunigung ein Problem?

Die grösste Gefahr ist, dass die Preise schneller steigen als die Löhne und Gehälter. Konsumenten können sich dann weniger Waren und Dienstleistungen leisten. Dadurch kann der Lebensstandard fallen.

Die negativen Auswirkungen der Inflation sind in der Praxis nicht so offensichtlich. Verschiedene Gesellschaftsgruppen sind davon auf unterschiedliche Weise betroffen, und die Teuerung bringt breitere destabilisierende Folgen für die Gesellschaft mit sich.

Das sind nur einige negative Nebenwirkungen der Preissteigerung:

  • Am meisten betroffen sind die Personen mit festen Bezügen wie Rentner
  • Bargeld wird entwertet und es wird nicht mehr gespart
  • Arbeitnehmer verlangen höhere Löhne und Gehälter, wodurch die Lohn-Preis-Spirale die Inflation weiter anheizt
  • Die Kosten für Kredite ziehen an, wodurch sich der finanzielle Druck auf Privathaushalte und Unternehmen erhöht
  • Firmen halten sich mit Investitionen eventuell zurück, weil die künftigen Kosten schwer einzuschätzen sind
  • Der Devisenkurs gegenüber anderen Währungen fällt unter Umständen, wodurch sich Importe verteuern
  • Kosten und Kredite des Staates können steigen, da Rentner mehr Unterstützung benötigen und die Staatsausgaben sich erhöhen
  • Im schlimmsten Fall muss ein Land bei hoher Inflation seine Landeswährung aufgeben und die eines stabileren Staates übernehmen. Die Hyperinflation in Simbabwe zwang den Staat 2008, den US-Dollar zu verwenden.

Negativ für Sparer: Wie das Geld entwertet wird

Selbst bei einer geringen Verteuerung sinkt die Kaufkraft. Seit 2000, d. h. für 21 Jahre betrug die durchschnittliche Inflationsrate Grossbritanniens 2,8 % so die Bank of England. Verglichen mit der aktuellen Preissteigerung von 6 % war das niedrig. 10.000 Pfund, die seit 2000 unter der Matratze lagen, sind bis 2021 nur mehr 4.639 Pfund Wert.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Zinssätzen und Teuerung?

Beide sind eng miteinander verbunden. Ein wesentliches Instrument des Währungshüters (die US-Notenbank Federal Reserve und in Grossbritannien die Bank of England) eines Landes sind die Zinssätze, um die Inflation unter Kontrolle zu halten.

Wie funktioniert das?

Die meisten Zentralbanken haben dafür Sorge zu tragen, dass die Inflationsrate unter einem bestimmten Niveau bleibt (z. B. 2 %). Wenn die Preise steigen, erhöhen die Notenbanken die Zinssätze, um die Inflation so in Schach zu halten.

Höhere Zinssätze führen zu steigenden Kreditkosten und bedeuten im Umkehrsinn, dass weniger ausgegeben wird. Dadurch wird die Teuerung gemindert. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: Bei niedriger Inflation wächst die Wirtschaft langsam. Der Währungshüter senkt dann eventuell die Zinssätze, um die Kreditaufnahme und die Bereitschaft, Geld auszugeben, anzukurbeln.

Wenn das INflation ist, was ist dann DEflation und STAGflation?

Die Inflation ist ein flächendeckender Preisanstieg. Die Deflation ist das Gegenteil: Sie bezeichnet einen Zeitraum sinkender Preise.

Parallel zu einer zu hohen Inflation ist eine zu starke Deflation ebenso unerwünscht. Fallende Preise führen gegebenenfalls zu hinausgeschobenen Investitionen, einer rückläufigen Nachfrage in der Volkswirtschaft und einem schwächeren Wachstum.

Bei der Stagflation handelt es sich um ein ungewöhnliches Zusammentreffen verschiedener Umstände: Die Preise sind hoch oder steigen, aber gleichzeitig ist das Wirtschaftswachstum schwach oder fällt. Viele Volkswirtschaften sind 2022 damit konfrontiert.

Aus der Geschichte von der Inflation lernen

Zwischen den 1970er-Jahren und heute lassen sich Parallelen ziehen. Damals sorgte die Ölkrise für einen Preisanstieg und löste eine höhere Inflation aus. 1979 stieg die Teuerungsrate der USA auf 14,8 % an.**

Die Zentralbanken reagierten in den 1970er-Jahren langsam, denn an der Zinsschraube zu drehen, war nicht sehr beliebt. Sie hofften stattdessen, dass aufgrund der Verteuerung von Waren und Dienstleistungen die Verbraucher weniger ausgeben würden.

Doch das Gegenteil war der Fall. Die Verbraucher gingen davon aus, dass die Preise unvermindert steigen würden, woraufhin die Preise noch weiter stiegen.

Schliesslich nahmen die Notenbanker die Zinssätze ins Visier. Der damals neue Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Paul Volker, erhöhte die Zinssätze 1979 von 10 % auf fast 18 % im Jahr 1980.

Um der Inflation Einhalt zu gebieten, sind Notenbanker heute eher bereit, im Kampf gegen die Teuerung an der Zinsschraube zu drehen. Zudem sind Zentralbanken inzwischen unabhängig. Die Ökonomen von Schroders gehen nicht davon aus, dass es zu einer galoppierenden Inflation wie in 1970er- und 1980er-Jahren kommen wird. Sie räumen jedoch ein, dass wir eine Phase schmerzhafter Anpassungen durchmachen müssen. Sie wird durch höhere Arbeitslosigkeit und ein langsameres Wirtschaftswachstum geprägt sein, um wieder zu einer stabileren Inflation zurückzukehren.

Momentaufnahmen der Preisbeschleunigung: Jahre mit zweistelliger Teuerung 

Sie haben 1970 1.000 Pfund ausgegeben. Wie viel hätten Sie zehn Jahre später (1980) ausgeben müssen, um die gleiche Menge an Waren zu kaufen? 3.608 Pfund (13,7 %)

Sie haben 1975 1.000 Pfund ausgegeben. Wie viel hätten Sie fünf Jahre später (1980) ausgeben müssen, um die gleiche Warenmenge zu kaufen? 1.967 Pfund (14,4 %)

Sie haben 1979 1.000 Pfund ausgegeben. Wie viel hätten Sie ein Jahr später (1980) ausgeben müssen, um die gleiche Menge an Waren zu kaufen? 1.180 Pfund (18 %)

Quelle: Bank of England 

So können Anleger die Folgen der Inflation mindern

Verbraucher können sich gegen steigende Preise schützen, indem sie bestimmte Ausgaben wie für Energie, Kredite und Hypotheken durch Preisvereinbarungen mit dem Anbieter festlegen.

Wie verhält es sich nun mit Sparguthaben und Anlagen?

Das Beispiel zeigt, dass Ersparnisse bei Preissteigerungen schlecht abschneiden.

Aktien halten in der Regel ihren Wert besser als Bargeld: Doch ob sie der Preisbeschleunigung standhalten, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Unlängst hat Schroders untersucht, wie sich in der Vergangenheit Aktien bestimmter Sektoren in Zeiten der Stagflation – wie wir sie 2022 erleben könnten – entwickelt haben, d. h. wenn die Inflation überdurchschnittlich hoch ist, das Wirtschaftswachstum sich aber verlangsamt. Fazit:

  • Aktien defensiver Unternehmen, die wichtige Produkte und Dienstleistungen wie Strom oder Haushaltswaren verkaufen, halten sich tendenziell besser
  • Die Sektoren mit der besten Performance in Zeiten der Stagflation waren Versorger, Basiskonsumgüter und Immobilien (Von 1995 bis Dezember 2021. Quelle: Schroders Economics and Strategic Research Unit).

Ein weiterer wichtiger Schutz in Zeiten der Inflation ist die Diversifikation. In diesem Zusammenhang hat ein gut verwaltetes Portfolio zahlreiche Anlageklassen im Bestand. Neben Ihren Beteiligungen an Unternehmensanteilen (wie oben) können Sie also von einem Engagement in Rohstoffen wie Gold, Immobilien und anderen alternativen Vermögenswerten einschliesslich Privatvermögen (Anlagen, die nicht an öffentlichen Märkten notiert sind) profitieren.

Einige Anlagen – wie beispielsweise inflationsgebundene Anleihen – sind explizit so konzipiert, dass sie im Einklang mit der Inflation ihre Auszahlungen vornehmen. Da die Nachfrage nach diesen Anlagen jedoch in Inflationszeiten zunimmt, kann dadurch der Preis in die Höhe getrieben werden.

 

 

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