Global Investor Study

Bei nachhaltigem Investieren geht es darum, höhere Gewinne zu erzielen, sagt ein Großteil der Anleger

Eine weltweite Befragung zu Verbrauchergewohnheiten und Anlagepraktiken ergab, dass die Mehrheit der Investoren der Ansicht ist, mit nachhaltigem Investieren bessere Erträge erzielen zu können.

16.09.2018

David Brett

David Brett

Redakteur

Laut einer weltweiten Umfrage ist die Mehrheit der Anleger der Meinung, dass höhere Gewinne der Hauptgrund für nachhaltiges Investieren sind.

Aus diesen Antworten ergibt sich, dass Anleger zunehmend glauben, nachhaltiges Investieren – also die Unterstützung solcher Unternehmen, die sich stärker mit umweltrelevanten, sozialen und Governance-Aspekten befassen – liefere auch bessere Ergebnisse und sei somit nicht nur eine Gewissensentscheidung.

Die Schroders Global Investor Study 2018 (GIS), bei der mehr als 22.000 Anleger in 30 Ländern befragt wurde, befasste sich zudem mit den Definitionen des nachhaltigen Investierens und deckte die Hindernisse auf, welche die Menschen davon abhalten, mehr in nachhaltige Anlagen zu investieren.

Erfahrene Anleger

Das wachsende Interesse an nachhaltigem Investieren war bei erfahrenen Anlegern besonders deutlich. Die Studie fand heraus, dass Personen, die nach eigenem Bekunden über ein überdurchschnittliches Anlagewissen verfügen, einen größeren Teil ihres Gesamtportfolios in nachhaltige Anlagen investieren und höhere Renditen auf ihr gesamtes Portfolio erwarten.

Personen, die nach eigenem Bekunden Experten/Fortgeschrittene sind, gaben an, durchschnittlich 42 % ihres Portfolios in nachhaltige Anlagen zu investieren. Sie rechneten mit einer jährlichen Rendite von durchschnittlich 10,9 % auf ihr gesamtes Anlageportfolio. Im Vergleich dazu liegen diese Angaben für Personen, die sich als Anfänger erachten, bei 32 % und 8,8 %.

Die Befragung deckte auch generationsbedingte Muster auf. Millennials gaben an, einen größeren Anteil ihres Gesamtportfolios in nachhaltige Anlagen zu investieren als ältere Generationen. Personen zwischen 18 und 36 gaben an, durchschnittlich 41 % ihres Portfolios in nachhaltige Anlagen zu investieren; bei Personen zwischen 37 und 54 betrug dieser Anteil 35 %. Bei der Altersgruppe ab 55 lag er bei 34 %.

Was ist nachhaltiges Investieren?

Im vergangenen Jahrzehnt wurde dem Thema nachhaltiges Investieren ein immer größeres Interesse zuteil. Die diesbezüglichen Definitionen können mitunter jedoch verwirrend sein. Wir hatten Investoren gefragt, welche Aussage „nachhaltiges Investieren“ am besten beschreibt, und erhielten einige differenzierte Ansichten.

Über 52 % gaben an, dass es bei nachhaltigem Investieren um Anlagen in Unternehmen geht, die sich aller Voraussicht nach als profitabler erweisen werden, da sie ökologischem und sozialem Wandel proaktiv gegenüberstehen.

Weniger als die Hälfte (47 %) gab an, dass es dabei um Anlagen in Unternehmen geht, die sich ihrer Meinung nach in Bezug auf ökologische oder soziale Aspekte bzw. in der Unternehmensführung vorbildlich verhalten.

Ein Viertel (25 %) sagte, es gehe um das Vermeiden sogenannter „sündenbehafteter Aktien“, d. h. Unternehmen, die in den Bereichen Alkohol, Tabak oder Waffenherstellung tätig sind. Lediglich 9 % gaben an, nicht zu wissen, was nachhaltiges Investieren ist.

Wer investiert am meisten in „Nachhaltigkeit“?

Auf Länderebene gaben 47 % der in den USA lebenden Befragten an, nachhaltige Anlagen in ihrem Portfolio überzugewichten, und ließen damit alle anderen Länder hinter sich.

In Europa gaben 45 % der Schweden an, am meisten in nachhaltige Anlagen investieren, während bei den Schwellenländern China (45 %), Südafrika (45 %) und Indonesien (45 %) nachhaltigen Anlagen den Vorzug geben. Japan (24 %) investierte am wenigsten.

Volkswirtschaften in den Schwellenländern – darunter Brasilien und Indien – in denen soziale Unruhe und klimatische Veränderungen besonders akut sind, neigten dazu, am meisten in nachhaltige Anlagen zu investieren. Diese Schwierigkeiten könnten das Bewusstsein für diese Themen mit geschärft haben. [Link zu Artikel 1]

Europäische Länder und asiatische Länder wie Südkorea, Hongkong und Japan, die  über stärker entwickelte Finanzmärkte verfügen, investierten am wenigsten in nachhaltige Anlagen.

Warum also wächst der Bereich der nachhaltigen Anlagen nicht rapide?

Die Befragung ergab ebenfalls, dass 64 % der Befragten weltweit ihre Investitionen in nachhaltige Anlagen in den vergangenen fünf Jahren erhöht haben. Trotzdem bleiben Hindernisse bestehen, die nachhaltiges Investieren erschweren. Anleger führen mangelnde Informationen zum Thema und die begrenzte Anzahl nachhaltiger Fonds als Hauptgrund an.

Fragt man sie nach den Hindernissen, die sie von nachhaltigem Investieren abhalten könnten, so lauteten die drei häufigsten Antworten:

Dazu Jessica Ground, Leiterin Sustainability bei Schroders:

„Wir wissen seit einiger Zeit, dass Investoren an nachhaltigen Anlagefonds interessiert sind und dass das Interesse steigt, doch die tatsächlichen Mittelzuflüsse sind bisher relativ verhalten. Die Befragung gibt ein wenig Aufschluss über die Gründe hierfür.

Klar scheint, dass alle in der Anlagebranche Beschäftigten zusammenarbeiten müssen, um die Verfügbarkeit, Transparenz und Beratung rund um solche Fonds zu verbessern.

Ermutigend ist, dass Investoren ein klares Verständnis davon haben, was nachhaltige Anlagen eigentlich sind. Sie realisieren, dass eine definitionsgemäß nachhaltige Geschäftsführung einem Unternehmen bessere Erfolgschancen für die nächsten Jahrzehnte verspricht. Im Wesentlichen sind die meisten Investoren heute der Ansicht, dass nachhaltige Anlagen ihnen zu guten Renditen verhelfen können.“

Wichtige Informationen:

Schroders beauftragte Research Plus Ltd mit der Durchführung einer unabhängigen Onlinestudie, bei der zwischen dem 20. März und dem 23. April 2018 insgesamt 22.338 Personen in 30 Ländern weltweit befragt wurden, unter anderem in Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Kanada, den Niederlanden, Österreich, Spanien und den USA. Als „Anleger“ wurden für diese Studie Personen definiert, die in den nächsten zwölf Monaten mindestens 10.000 Euro (oder den Gegenwert in einer anderen Währung) investieren werden und in den vergangenen zehn Jahren Änderungen an ihren Investments vorgenommen haben. Diese Personen repräsentieren die Ansichten der Anleger in den Ländern, die in der Studie erfasst sind.