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In welchen Private-Equity-Bereich sollten Sie jetzt investieren?

Private-Equity-Investitionen werden immer populärer, doch manche Teile des Marktes sind zunehmend überkapitalisiert. Wir analysieren die nun attraktivsten Bereiche.

02.11.2018

Duncan Lamont

Duncan Lamont

Head of Research and Analytics

Dr. Nils Rode

Dr. Nils Rode

Chief Investment Officer, Schroder Adveq Investment

Die Kapitalbeschaffung für Private-Equity-Transaktionen stieg 2017 um mehr als 40 % und erreichte damit ein Rekordniveau. Ein Grund für diese Entwicklung war, dass Anleger ihr Kapital weniger schwankungsanfällig bei höheren Renditen jenseits der traditionellen Anlageklassen anlegen wollten. Eine solche Beliebtheit birgt jedoch auch Gefahren, wenn zu viele Anleger zu wenigen Transaktionen hinterherjagen.

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum die Höhe der Kapitalbeschaffung und die zukünftige Wertentwicklung miteinander verknüpft sind. Höhere Finanzierungsniveaus sorgen für höhere Mengen an „trockenem Pulver“ – Geld, das beschafft, aber noch nicht eingesetzt wurde –, einen schärferen Wettbewerb, höhere Preise und in der Folge niedrigere Renditen. Im Umkehrschluss gilt aber auch: Verhaltene Phasen der Kapitalbeschaffung gehen oft einer besseren Wertentwicklung voraus. Natürlich spielen auch andere Faktoren eine Rolle, nicht zuletzt das allgemeine wirtschaftliche Umfeld und die Bedingungen an den Finanzmärkten. Wie aus Abbildung 1 hervorgeht, war die Beziehung im Laufe der Zeit jedoch erstaunlich einheitlich.

Abbildung 1: Eine höhere Kapitalbeschaffung führt zu niedrigeren Renditen

Quelle: Preqin, Schroder Adveq, 2018. Betrag der Kapitalbeschaffung wurde um Trends und Inflation bereinigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die Wertentwicklung in der Zukunft und lässt sich möglicherweise nicht wiederholen.

Welche Möglichkeiten bieten sich?

Unser hauseigener Schroder Adveq Fund Raising Indicator (Schroder Adveq FRI) wurde entwickelt, um die Beziehung zwischen Kapitalbeschaffung und Renditen zu analysieren. Er hat mit der Wertentwicklung im Vintage-Jahr negativ korreliert (Korrelationskoeffizient von -0,4) und ist ein Frühindikator für die langfristige Wertentwicklung (über fünf bis zehn Jahre). Eine hohe Zahl deutet auf niedrige Renditen in der Zukunft hin, eine niedrige Zahl auf höhere Renditen. Auf diese Weise kann der Indikator Marktbereiche identifizieren, die wahrscheinlich höhere Renditen erwirtschaften werden, sowie solche, bei denen Vorsicht geboten ist.

Aktuell deutet der Indikator auf einen geteilten Markt hin. Im Hinblick auf Realisierungen spricht er dafür, dass Anleger Ausstiege aus den großen Buyouts, dem Late-Stage-Venture-/Wachstumsmarkt und auf den chinesischen Renminbi lautenden Strategien priorisieren sollten. Für Neuinvestitionen sind die Bedingungen in den Märkten für kleine und mittlere Buyouts, Risikokapital für Early-Stage-Phasen und in bestimmten Schwellenländern dem Indikator zufolge günstiger (Abbildung 2).

Er sollte allerdings nicht als alleinige Grundlage herangezogen werden. Zwar werden zur Schätzung des langfristigen Trends robuste Regressionstechniken eingesetzt. Allerdings untermauern aufgrund von Datenbeschränkungen relativ wenige Datenpunkte die Analyse, und die Parameter der Regressionsanalyse können sich ändern, wenn neue Daten zur Verfügung stehen. Außerdem können sich einige der Annahmen als unrealistisch erweisen, und die Daten zu den Renditen können unvollständig sein oder Verzerrungen unterliegen. Trotz dieser Vorbehalte rechtfertigen die intuitiven zugrunde liegenden Prinzipien für die Beziehung zwischen Kapitalbeschaffung und künftigen Renditen ein gewisses Vertrauen in die Prognosefähigkeit des Schroder Adveq FRI.

Auf dem Buyout-Markt bestätigt der Indikator, dass die Überhitzungssorgen für große Buyouts gerechtfertigt scheinen, auch wenn die Situation weniger angespannt ist als vor der Finanzkrise. Im Gegensatz dazu war die Kapitalbeschaffung im Markt für kleine/mittlere Buyouts im Laufe der Zeit relativ stabil. Diese Stabilität wird durch die Tatsache untermauert, dass etablierte Manager von kleinen/mittleren Buyouts in der Folge eher zu größeren Fonds und größeren Buyouts tendieren. Ihr Ersatz durch neuere Manager, die in der Regel kleinere Fonds verwalten, dient als natürlicher Stabilisator der Kapitalbeschaffungsvolumina im kleinen/mittleren Sektor.

Abbildung 2: Einige Bereiche des weltweiten Private-Equity-Markts sind deutlich beliebter ...

 

Quelle: Schroder Adveq, 2018

In ähnlicher Weise hat die Kapitalbeschaffung für Late-Stage-Venture-/Wachstumskapital ein extremes Niveau erreicht. Investitionen in früheren Phasen sind dagegen günstiger positioniert. In diesem Bereich sind die Kapitalbeschaffungsvolumina unter Kontrolle, und die robusten Neugründungsraten sorgen für einen ständigen Anstieg bei den Transaktionsaussichten.

In Asien und insbesondere in China ergibt sich eine andere Art der Gabelung (Abbildung 3). Der chinesische US-Dollar-Markt ist ebenso wie Indien und der Rest von Asien (ohne China) in guter Verfassung. Der chinesische Renminbi-Markt hat hingegen eine schnelle Expansion erfahren. Die Kapitalbeschaffungsvolumina waren hier in letzter Zeit hoch. Chinesische Renminbi-Investoren müssen bei neuen Investitionen besonders differenziert vorgehen. Für ausländische Investoren, die Zugang zum US-Dollar-Markt, doch in der Regel nicht zum Renminbi-Markt haben, erweist es sich als günstig, dass es wenige Überschneidungen gibt. Ihnen könnte daher unter Umständen besser gedient sein, wenn sie sich auf die Bereiche des Marktes konzentrieren, auf denen es mit dem Renminbi-Universum kaum oder gar keine Konkurrenz gibt.

Abbildung 3: … was auch für Private Equity in einigen Schwellenländern gilt 

Quelle: Schroder Adveq, 2018

Für mutige Investoren könnte Brasilien eine interessante, konträre Chance bieten. Die Kapitalbeschaffung ist eingebrochen. Jede Investition stellt angesichts der Konjunkturlage jedoch ein hohes Risiko dar, sodass eine besonders sorgfältige Vorgehensweise bei der Due-Diligence-Prüfung und der Fondsauswahl unerlässlich ist.

Wir werden den Schroder Adveq FRI jährlich aktualisieren und veröffentlichen, um Anleger bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. Obschon im Hinblick auf Top-Down-Signale hilfreich, sollten Anleger nie aus dem Auge verlieren, dass die Performancedifferenzen bei Private-Equity-Fonds stets beträchtlich ausfallen, weshalb Bottom-up-Aspekte für die Anleger von größter Wichtigkeit sind.

Weitere Informationen zu Private Assets finden sie auf unserer Seite für Strategische Kompetenzfelder.  


Schroders hat in diesem Dokument eigene Ansichten und Meinungen zum Ausdruck gebracht. Diese können sich ändern.