Ausblick 2018: Einkommensorientierte Aktien aus Europa

Für den Fall, dass die Inflation 2018 zurückkehrt, sollten Anleger die Aufstellung ihrer Portfolios überprüfen.

4 Dezember 2017

James Sym

James Sym

Fund Manager, European Equities

Wir erwarten, dass die Inflation mittelfristig steigen wird. Daher könnte sich für Anleger, die in europäische Aktien investieren, ein Blick auf Aktien mit Wertpotenzial lohnen. Mit Wertpotenzial meinen wir die Sektoren, die im Zuge der aktuellen Marktrallye, in der die Anleger in erster Linie Wachstum bevorzugten, zurückgeblieben sind.

Beispiele für Sektoren, die unserer Ansicht nach in Europa ein attraktives Wertpotenzial bieten, sind der Automobilsektor, Telekommunikation und Banken. Wir haben so ein Portfolio aufgebaut, von dem wir glauben, dass es den größten Schutz vor der von uns erwarteten Inflation bietet.

Warum kehrt die Inflation zurück?

Sicherlich teilen viele unseren Ausblick einer wiederkehrenden Inflation nicht, und tatsächlich schlägt sich in den Vermögenspreisen gegenwärtig die Erwartung einer Deflation nieder.

Die Arbeitsmärkte in Europa sind zunehmend angespannter: Aktuelle Daten weisen auf eine Arbeitslosenquote von unter 9 % in der Eurozone und nur 3,6 % in Deutschland hin. Die Kapazitätsauslastung (ein Indikator für die Auslastung von Fabriken) steigt seit Längerem an und liegt nun auf einem hohen Niveau von rund 83 %. Beide Faktoren treiben die Inflation voran.

Wird der Anstieg der Inflation im Jahr 2018 deutlich zutage treten? Nicht unbedingt. Wenn sich die Inflation in den offiziellen Daten niederschlägt, wird es für Anleger allerdings zu spät sein, um davon zu profitieren. Der Markt und die Vermögenspreise werden diese Entwicklung bis dahin bereits widerspiegeln.

Gesunder Menschenverstand trotz unberechenbarer Märkte

Bei einer Anlage geht es nicht darum, Veränderungen der Marktdynamik genau vorherzusagen – dazu bedürfte es schon einer magischen Kristallkugel. Stattdessen untersuchen wir, was bereits eingepreist wurde, nutzen unseren gesunden Menschenverstand und wägen potenzielle Risiken und Erträge gegeneinander ab.

Viele der Bewertungen am europäischen Aktienmarkt ergeben gegenwärtig nicht viel Sinn. Angesichts der niedrigen Inflation sahen sich Anleger in Märkten mit niedrigen Anleiherenditen gezwungen, auf Dividenden von zuverlässigen Aktien mit geringen Wertschwankungen wie Basiskonsumgütertitel zurückzugreifen.

Aufgrund der starken Nachfrage sitzen Unternehmen mit diesen anleiheähnlichen Merkmalen auf extrem hoch erscheinenden Bewertungen.

Die Schwierigkeit für diese Unternehmen besteht jedoch darin, dass sich ihr Gewinnwachstum zunehmend verlangsamt. Zwar sind die Anleger vorerst weiterhin bereit, für die Dividenden und die wahrgenommene Stabilität zu zahlen. Sobald die Inflation steigt, werden diese Faktoren jedoch an Attraktivität einbüßen.

Im Gegensatz zu vielen anderen ertragsorientierten Investoren ist es für uns nicht damit getan, einfach nur ertragsstarke Aktien zu kaufen. Stattdessen analysieren wir die Dividenden im Kontext des größten Aufwärtspotenzials, das wir ausmachen können. Die gegenwärtig hohen Bewertungen von Aktien wie Basiskonsumgütertiteln machen unseres Erachtens einen anfälligen Eindruck.

Große Unterschiede bei den Vermögenspreisen

Die Basiskonsumgüterbranche ist nicht der einzige Sektor, der teuer erscheint. Nach der diesjährigen Rallye macht die Bewertung des europäischen Aktienmarkts in seiner Gesamtheit im historischen Vergleich einen etwas überteuerten Eindruck. Hinter dieser Entwicklung stehen jedoch immense Preisgefälle.

Unsere bevorzugten Sektoren – Automobilbranche, Telekommunikation und Banken – hatten unter dem Niedrigzinsumfeld der vergangenen Jahre zu leiden und erscheinen mittlerweile ausgesprochen niedrig bewertet.

So erreichte der Telekommunikationssektor vor Kurzem ein relatives Allzeittief. Für einen konträr agierenden Anleger stellt dies einen guten Ausgangspunkt dar. Außerdem verbessern sich die Fundamentaldaten des Sektors. Nach einer Phase des scharfen Wettbewerbs erleben wir jetzt, dass sich die Märkte in vielen europäischen Ländern wieder beruhigen.

Für Aktionäre im Telekommunikationssektor werden sich die Entwicklungen der vergangenen Jahre bei 4G-Netzwerken und Glasfasernetzen (FTTH) auszahlen. Wir befinden uns gegenwärtig auf Höchstniveaus, was die Investitionen angeht. In den nächsten Jahren dürfte der Sektor daher sehr hohe Mittelzuflüsse generieren.

Bleiben Sie pragmatisch

Die oben beschriebene Positionierung läuft dem Konsens zuwider. Jede Schuldenkrise der vergangenen hundert Jahre endete jedoch mit einer Inflation. Von einem Massen-Zahlungsausfall und einer anschließenden Depression abgesehen, ist eine Inflation der einzige Weg, um in einer Volkswirtschaft langfristig Schulden abzutragen.

Letztlich denken wir, dass die Inflation von Anlegern, die sie unterschätzt haben, ihren Tribut fordern wird, während Anleger, die die Inflation überschätzt haben, unbeschadet davonkommen dürften.

Wir als Anleger müssen die besten Chancen, die sich uns bieten, pragmatisch einschätzen – ganz gleich, in welchem Bereich des Aktienmarkts. Nicht alle unsere Positionen entsprechen gezwungenermaßen dem hier dargelegten Ansatz. Für reine Bottom-up-Ideen reservieren wir gerne etwas Platz in den Portfolios. Auch hier sehen wir für die nächsten drei Jahre weitere Anlagemöglichkeiten zu angemessenen Preisen.

 

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von James Sym, Fondsmanager europäische Aktien, und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.

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